Silence of the Tides Der Atem des Meeres
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Der Atem des Meeres

Inhalt / Kritik

Silence of the Tides Der Atem des Meeres
„Der Atem des Meeres“ // Deutschland-Start: 29. Juli 2021 (Kino)

Stille bei Ebbe, tobendes Rauschen bei Flut. Über die Niederlande bis hin zu Dänemark erstreckt sich das Wattenmeer, das seit 20 Jahren zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Doch was macht dieses Habitat eigentlich so besonders? Diese Frage hat den Dokumentarfilmer Pieter-Rim de Kroon dazu bewegt, näher hinzuschauen und dieses Ökosystem einmal intensiver unter die Lupe zu nehmen. In seiner neuesten Produktion Der Atem des Meeres erhalten wir so einen Einblick, der über Flora und Fauna hinausgeht und schon fast einem holistischen Portrait über das Leben in der nordischen Einöde gleicht.

Erhabene Natur

Eisige Kälte, tobender Wind und eine poetisch wirkende Leblosigkeit vermitteln in den ersten Minuten ein weniger einladendes Milieu. Hier gehört der Mensch nicht hin, hat man schon fast den Eindruck. Der Schein trügt jedoch, auch hier gibt es Zivilisation. Ein Postbote hier, einsame Fischer da, zeichnet sich eine zunehmende Schwermut ab. Das Visuelle dominiert dabei. Bilder, die ästhetisch durchkomponiert wirken, bilden dabei beispielsweise „nur“ Sonnenuntergänge, die Gezeiten oder die Unterwasserwelt ab. Und auch wenn das zum Standardrepertoire einer Naturdokumentation gehört, hier hat man doch den Eindruck, etwas Erhabenes wurde per Kamera eingefangen. Dadurch, dass de Kroons Werk die meiste Zeit auf Musik, Dialoge und generell übermäßige Töne verzichtet, nimmt man ein gestrandetes Schiff oder einen Leuchtturm bei Nacht gleich viel stärker in der Visualität wahr.

Macht euch die Natur untertan

Dass Der Atem des Meeres paradoxerweise seinem Filmtitel nicht ganz gerecht wird, zeigt sich dann aber spätestens ab der Mitte, da man Stück für Stück den Eindruck bekommt, dass es doch um etwas anderes geht als die Schönheit der Natur. Der Flora und Fauna abgewandt, geht es hier letztlich doch mehr um den Menschen und der Umgang mit dem Wattenmeer, ganz besonders aus wissenschaftlicher Sicht. Wie der Mensch mit der Natur in diesem Habitat umgeht, wird dabei in unterschiedlichen Aspekten festgehalten. Austern landen auf Esstellern, Muscheln in Laboren und Vögel in Netzen, die zu Forschungszwecken gefangen werden. Das Sammeln von Proben – jede Einzelne wird akribisch kategorisiert – portraitiert dabei die Verwissenschaftlichung besonders anschaulich. Doch auch darüber hinaus wird das Wattenmeer für die unterschiedlichsten Zwecke man könnte schon fast sagen „missbraucht“. Wenn de Kroon in der Hinsicht Militärübungen, die schon fast an die Normandie in Der Soldat James Ryan erinnern, oder Bombentests festhält, fragt man sich dann schon, was das noch mit dem UNESCO-Weltnaturerbe zu tun haben soll.

Die Melancholie im Detail

Still, sowohl im filmischen als auch im metaphorischen Sinne, verweigert sich de Kroon schlussendlich jedoch jeglichen Kommentars über diesen Umgang mit der Natur. Der Atem des Meeres wirkt aus diesem Grund auf die ein oder andere Art zivilisationskritisch, obwohl er das gar nicht will. Die vereinzelt wunderschönen Bilder über die Urgewalten der Gezeiten sowie die Flora und Fauna des Wattenmeeres, hinterlassen aus dem Grund eine zunehmend melancholische Traurigkeit. Stattdessen verlagert sich der Fokus auf den Betrieb in Laboren, einem Funkturm und sogar einem Schlachthaus. Das Portrait über die Schönheit der Natur löst sich dadurch immer weiter auf. Am Ende bleibt so nur eine symbolische Betrübtheit nach dem Motto „Natur weiche, mach Platz für den Menschen!“.

Credits

OT: „Silence of the Tides“
Land: Niederlande, Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Pieter-Rim de Kroon
Drehbuch: Pieter-Rim de Kroon, Michiel Beishuizen
Musik: Birgit Wildeman
Kamera: Peter van Rodijnen

Bilder

Trailer

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In „Der Atem des Meeres“ entführt uns Dokumentarfilmer Pieter-Rim de Kroon in die Welt des Wattenmeers und porträtiert dabei sowohl Flora und Fauna als auch den menschlichen Umgang mit diesem Ökosystem.