Inhalt / Kritik

„Son“ // Deutschland-Start: 24. September 2021 (DVD/Blu-ray)

Zwar war es manchmal nicht immer einfach, doch irgendwie hat es Laura (Andi Matichak) hinbekommen, auf der einen Seite ihren Job als Grundschullehrerin zu meistern und darüber hinaus noch immer für ihren Sohn David (Luke David Blumm) da zu sein. Während sich ihre Nachbarin und beste Freundin um ihren Sohn kümmert, geht sie ihrem Job nach, bildet sich fort und geht einkaufen, wonach sie ihn zum Abendessen abholt. Dies ist zu einer Art Routine zwischen den beiden geworden, doch eines Tages wird die augenscheinliche Idylle empfindlich gestört. Als Laura eines Abends ein seltsames Geräusch aus Davids Zimmer vernimmt, trifft sie dort auf eine Gruppe Fremder, die sich um sein Bett geschart haben und eine Art Ritual an ihm vollziehen wollen. Noch ehe Laura einschreiten kann, wird sie aus dem Raum geworfen und kann nur noch die Polizei rufen, welche zwar schnell auftaucht, doch ohne irgendeine Spur von den Eindringlingen vorzufinden. Einzig und allein der ermittelnde Beamte Paul (Emile Hirsch) scheint der jungen Frau zu glauben und ihr helfen zu wollen.

Ihr Sohn kann sich zwar an die Nacht nicht erinnern, jedoch ist sie nicht spurlos an ihm vorübergegangen, wie beide schon bald feststellen müssen. David wird nämlich schwer krank, bekommt einen seltsamen Ausschlag am ganzen Körper und muss ins Krankenhaus, wo die Ärzte ratlos sind, was die Ursache für die schnell voranschreitende Krankheit sein könnte. Da außer Paul ihr nach wie vor niemand glaubt, dass der Zustand ihres Sohnes in direkter Verbindung mit dem Eindringen der Fremden steht, beschließt Laura auf eigene Faust zu ermitteln und eine Heilung für ihren Sohn zu finden. Ihre Suche nach Hinweise führt sie geradewegs zurück in ihre einstige Familie, einen Kult, von dem sie dachte, er läge bereits hinter ihr.

Für die Familie

Viele Produktionen aus dem Horror- oder Thrillergenre erforschen, was sich hinter der vermeintlichen Fassade aus Harmonie und Zusammenhalt befindet, welche eine Gemeinschaft ausmacht. Die menschlichen Abgründe, die sich dabei auftun, stellen das Fundament für viele Projekte des irischen Regisseurs Ivan Kavanagh, der Genrefans bereits durch Produktionen wie The Canal oder den Spätwestern Never Grow Old bekannt sein dürfte. In Son, der im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights XL 2021 gezeigt wird, geht es um die Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, doch genauso um die Identität einer Familie, die nicht das ist, was sie vorgibt zu sein.

Gerade in jüngster Vergangenheit scheint vor allem das Horrorgenre seinen Gefallen an Themen wie Familie wiederzufinden, wenn man Produktionen wie Ari Asters Midsommar oder Chad Archibalds The Heretics betrachtet. Ähnlich wie bei den erwähnten Werken gibt es auch in Ivan Kavanaghs Son einen Konflikt zwischen zwei Familien, zwei Leben und zwei Identitäten, die um die Vorherrschaft konkurrieren. Bilder von Gemeinschaft, Harmonie und Sicherheit werden in Kavanaghs Inszenierung aufgelöst mit der Zeit, bis praktisch das gesamte Weltgebäude der Figuren nicht mehr existent zu sein scheint. Kavanagh erzählt von einer Entscheidung für das Individuum oder hin zu einer Gemeinschaft, die sich mehr und mehr gegen einen wendet und seiner Geschichte eine bisweilen existenzielle Note gibt.

Eine Reise in die Dunkelheit

Besonders auffallend ist in diesem Zusammenhang auch die Ästhetik von Son, die an das Genre des Neo-Noir erinnert. Immer dunkler und damit auch abgründiger wird die Reise in die Vergangenheit für Mutter und Sohn, welche sie einem Punkt annähern, der die Grundfesten ihres bisherigen Lebens auf die Probe stellt, wie auch ihre Liebe zueinander. Diese Atmosphäre definiert sich nicht allein durch die wunderbar stimmungsvollen Bilder von Kameramann Piers McGrail, sondern auch durch die Filmmusik Aza Hands, welche die ambivalenten Aspekte der Inszenierung Kavanaghs unterstreicht, die im Ungefähren lässt, ob Laura nicht gar selbst auf eine psychologische Krise zusteuert.

Als zentral und damit besonders wichtig für die Geschichte sind nicht zuletzt die Schauspieler, wobei Andi Matichak als Laura eine sehr überzeugende Darstellung einer Frau abgibt, bei der man sich als Zuschauer bis zur letzten Minute nie ganz sicher sein kann. Neben der Liebe zu ihrem Sohn, und damit das Zusammenspiel mit Luke David Blumm, ist es ihr Kampf um das Leben, welches sie sich aufgebaut hat, der in den Vordergrund tritt und zu überzeugen weiß.

Credits

OT: „Son“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Ivan Kavanagh
Drehbuch: Ivan Kavanagh
Musik: Aza Hand
Kamera: Piers McGrail
Besetzung: Andi Matichak, Emile Hirsch, Luke David Blumm, Cranston Johnson, Blaine Maye, J. Robert Spencer

Bilder

Trailer

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Son
"Son" ist eine Mischung aus Horrorfilm und Thriller, doch vor allem ein Drama um Familie und Identität. Regisseur Ivan Kavanagh gelingt eine atmosphärisch dichte, visuell spannende Geschichte, die nicht zuletzt wegen ihrer tollen Darsteller sehenswert ist.
8von 10

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