Der hochgelobte Film Blindspotting erzählte 2018 von einer Männerfreundschaft in einer Welt, die von Rassismus und Gentrifizierung geprägt ist. In der darauf aufbauenden gleichnamigen Serie (seit 13. Juni 2021 auf Starzplay) gibt es ein Wiedersehen mit der von Jasmine Cephas Jones gespielten Ashley, die mit einem der beiden Männer zusammen ist und ein Kind von diesem hat. Als dieser im Gefängnis landet, muss sie sich ohne ihn durchschlagen und zieht deshalb erst einmal bei seiner Familie ein – mit chaotischen Folgen. Wir haben uns mit der Schauspielerin über die Serie, Familienschwierigkeiten und Erziehung unterhalten.

Was hatte dich daran gereizt, in der Serienfassung mitzuspielen?

Ich war schon bei dem Film dabei gewesen und sehr begeistert davon, wie er seine Geschichte erzählte und dabei so viele wichtige Themen ansprach. Als man mich gefragt hat, ob ich Interesse daran hätte, die Hauptrolle in der Serie zu übernehmen und die Geschichte aus Ashleys Sicht weiterzuerzählen, war ich sofort Feuer und Flamme. Außerdem wollte ich unbedingt wieder mit Rafael Casal und Daveed Diggs zusammenarbeiten, die auch diesmal das Drehbuch geschrieben haben. Insofern klang das alles perfekt für mich. Letztendlich fand ich es einfach schön, wieder Ashley spielen zu dürfen und das dieses Mal in einem deutlich größeren Umfang tun zu können.

Wenn du Serie und Film vergleichst: Was ist ähnlich, was ist unterschiedlich?

Einige der Themen, über die wir im Film gesprochen haben, wurden in der Serie übernommen. Und auch bei der Art, wie die Geschichte erzählt wird, gibt es Gemeinsamkeiten. Die Weise, wie die Realität mit den Traumsequenzen überzogen wird. Während der Film aber davon erzählt, wie zwei beste Freunde mit unterschiedlichen Hautfarben sich durch die Welt schlagen, ist diesmal der Blick ein weiblicher. Ohnehin ist Blindspotting als Serie sehr viel weiblicher. Es gibt mehr weibliche Figuren. Wir haben Regisseurinnen und Produzentinnen, die an der Serie gearbeitet haben. Wir haben Autorinnen. Und das spiegelt sich natürlich im Inhalt wieder. Ein Thema der Serie ist das Gefängnissystem in den USA, aber eben nicht aus der Sicht eines Häftlings, sondern von dessen Angehörigen. Wie geht man als Familie damit um, wenn jemand hinter Gittern sitzt?

Nun könnte man meinen, dass die Familie in einem solchen Fall zusammenhält. Stattdessen kommt es ständig zu Konflikten zwischen den Figuren, vor allem zwischen Ashley und Trish. Warum ist ihr Verhältnis so schwierig?

Die beiden haben einfach eine lange Vorgeschichte. Ashley kennt Trish, seit sie ein kleines Mädchen ist. Trish ist gerade in einer Phase als junge Erwachsene, in der sie denkt, sie wüsste schon alles. Es gab eine Zeit, in der Ashley Trish sehr ähnlich war. Seither hat sie sich aber sehr gewandelt, als Frau wie auch als Mutter. Und auf Trish wirkt das alles unecht und gespielt, weil sie die alte Ashley nicht mehr wiedererkennt. Sie wissen außerdem, wie sie die jeweils andere zur Weißglut treiben können, was sie manchmal auch bewusst tun. Aber tief im Inneren lieben sich die beiden. Das Verhältnis zwischen ihnen ändert sich auch im Laufe der Staffel. Aber es dauert eben.

Ganz allgemein: Was ist deiner Meinung nach das Geheimnis für ein gutes Familienleben?

So richtig beantworten kann ich das nicht. Aber ich denke, dass es wichtig ist, jedem seinen Freiraum zu geben und zu lernen anderen zuzuhören. Wenn es in einer Familie zu Problemen kommt, hilft es schon sehr zu wissen, was die anderen wirklich denken und fühlen. Dann kannst du besser darauf eingehen.

Bist du selbst ein Familienmensch?

Absolut! Ich liebe meine Familie, ich liebe meine Freunde. Sie sind meine Basis und helfen mir dabei, den richtigen Weg durchs Leben zu finden.

In einer schönen Szene von Blindspotting meint Ashley, sie bräuchte Miles als Gegenstück in der Erziehung von Sean, da er immer die Rolle des Bad Cops übernommen hatte, während sie der Good Cop sein konnte. Braucht es so etwas bei der Erziehung?

Ich habe selbst keine Kinder und will mir da deshalb kein Urteil erlauben. Am Ende muss vermutlich jedes Paar für sich selbst herausfinden, was das Wichtigste ist und wie Erziehung funktionieren könnte. Wenn das bedeutet, dass jemand zwischendurch mal den Bad Cop gibt, dann ist das in Ordnung. Aber ich denke, dass niemand immer der Böse sein sollte. Eltern sollten lieber versuchen zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Es ist ein echtes Geschenk, zwei Elternteile zu haben. Aber manchmal läuft das Leben eben nicht so, wie du es dir vorgestellt hast. Du kannst dann nur versuchen, das Beste aus einer Situation zu machen. Ashley tut alles, was sie kann, um Sean eine gute Mutter zu sein. Und so geht es vielen Frauen da draußen, die allein Kinder großziehen müssen. Umso wichtiger ist es dann, wenn du von anderen Unterstützung bekommen kannst, von der Familie, von Freunden.

In der Serie gibt es mehrere Fälle, dass ein Elternteil schwarz, das andere weiß ist. Ist es für Kinder solcher gemischten Paare schwieriger als für Kinder, die entweder weiß oder schwarz sind?

Das hängt wahrscheinlich davon ab, in welchen Umständen es aufwächst. Wenn es ein Umfeld hat, das es von Anfang unterstützt und die beiden Identitäten versteht, dann macht es das sehr viel einfacher für das Kind durchs Leben zu kommen. Probleme treten glaube ich immer dann auf, wenn die Gesellschaft versucht, ein solches Mischlingskind in eine Schublade zu stecken oder ihm zu sagen, wer es ist und zu sein hat. Wenn jemand sich selbst kennt und selbstbewusst mit der eigenen Identität umgeht, dann spielt es keine Rolle, welche Hautfarbe du hast. Es geht darum, mit dir selbst im Reinen zu sein und zu wissen, wer du bist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Jasmine Cephas Jones wurde am 21. Juli 1989 in New York City als Tochter des Schauspielers Ron Cephas Jones und der Jazz-Sängerin Kim Lesley geboren. Wie ihre Eltern zog es sie früh ins Showgeschäft. So trat sie in mehreren kleinen Filmen auf, veröffentlichte als Sängerin mehrere Lieder. Ihren Durchbruch feierte sie mit dem Musical Hamilton, zu dessen Off- und Broadway-Besetzung sie bis 2016 gehörte. Für ihre Rolle in der Serie #FreeRayshawn erhielt sie 2020 einen Primetime Emmy Award.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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