Inhalt / Kritik

Panic Amazon Prime Video

„Panic – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 28. Mai 2021 (Amazon Prime Video)

In Carp, einer Kleinstadt in Texas, gibt es normalerweise nicht viel zu tun. Und auch keine wirklichen Perspektiven. Doch einmal im Jahr steht ein Ereignis an, welches besonders die Jugendlichen anspricht: Panic. In einer Reihe sich zunehmend steigernder Herausforderungen müssen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihren tiefsten Ängsten stellen. Wenn ihnen dies gelingt, winken am Ende 50.000 Dollar – genug, um Carp zu entkommen und ein neues Leben anzufangen. Heather Nill (Olivia Welch) käme diese Summe sehr gelegen, ist in ihrer Familie das Geld doch sehr knapp. Gerade erst hat ihre Mutter Sherri (Rachel Bay Jones) ihre mühsam gesammelten Ersparnisse abgeknüpft. Doch auch andere haben ihre Gründe, an Panic teilzunehmen, darunter Dodge Mason (Mike Faist), der neu in der Stadt ist. Gleichzeitig würden die Behörden dem Ganzen gern ein Ende setzen nach einem tödlichen Zwischenfall im letzten Jahr …

Düsteres Teeniedrama im Überfluss

Was die können, das können wir auch! Das müssen sich wohl die Verantwortlichen bei Amazon Prime Video gedacht haben, weswegen sie schon seit einiger Zeit im Windschatten von Netflix Shows produzieren, die Teenagedrama mit Genreelementen verknüpfen. In The Wilds müssen die jungen Protagonisten und Protagonistinnen auf einer seltsamen Insel um ihr Leben kämpfen. In Las Cumbres: Das Internat wird ein altes zu schulischen Zwecken genutztes Kloster zum Mittelpunkt finsterer Geschichten. In Panic ist das Setting zwar etwas alltäglicher – statt Südseeinsel und Bergidylle geht es hier ins ländliche Texas. Ansonsten kommt einem hier aber doch so manches ziemlich bekannt vor.

Wobei das eigentliche Aushängeschild natürlich nicht der Ort ist, der so wenig einladend erscheint, dass irgendwie alle jungen Menschen von dort weg wollen. Vielmehr sind es die diversen Mutproben, welche sie zu erfüllen haben, wenn sie sich die Chance auf eine Zukunft erkämpfen wollen. Ausgedacht hat sich diese die US-amerikanische Autorin Lauren Oliver, einigen vielleicht auch durch den auf einem ihrer Werke basierenden Film Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie bekannt. Sie schrieb nicht nur den 2014 veröffentlichten Roman, auf dem Panic basiert, sondern ist auch Showrunnerin und hat sämtliche Drehbücher verfasst. Kein Wunder, wenn sie in Interviews sagt, dass das Buch ihr persönlichstes war und sie darin auch eigene Erfahrungen verarbeitet hat.

Überwinde deine Angst!

Die Mutproben an sich sind natürlich reine Erfindung. Man sollte auch nicht die ganz großen Erwartungen an diese mitbringen. Da es sich bei Panic um eine typische Young Adult Geschichte handelt, gibt es hier keine perfiden Genrequälereien à la Saw oder anderer vergleichbarer Horrorstreifen. Auch der immer wieder gern gezogene Vergleich zu Die Tribute von Panem – The Hunger Games hinkt, da hier zumindest der Theorie nach niemandem wirklich Schaden zugefügt werden soll. Wenn es doch zu Todesfällen kommt, wird das zwar schon in Kauf genommen. Sie werden aber weniger stark gesucht, als es bei den diversen Filmen im Stil von Battle Royale – Nur einer kann überleben der Fall ist. Hier geht es am Ende dann doch „nur“ um Punkte und ein Preisgeld, nicht das Auslöschen der gesamten Konkurrenz.

Hin und wieder sind die Einfälle trotzdem ganz nett, vor allem wenn auf gemeine Weise die konkreten Ängste der Favoriten ausgenutzt werden sollen. Denn in erster Linie geht es in Panic nicht darum, das Spiel zu gewinnen und reich zu werden. Oliver erzählt vielmehr davon, was es heißt, eigene Ängste zu überwinden. Die können sich auf typische furchteinflößende Punkte beziehen, etwa die Angst vor der Dunkelheit oder vor Höhen. Oder auf die Ängste, die dieses Alter mit sich bringt: Angst vor Nähe, Angst vor Enttäuschungen, Versagensängste. Die Spiele werden so zu einem Symbol für das Erwachsenwerden und die Versuche, sich selbst in einer Welt zu behaupten, die dir ständig Hindernisse in den Weg legt.

Zwischen Spannung und Seifenoper

Als Grundidee ist das eigentlich ganz spannend. Das Ergebnis ist es nur zum Teil. Zum einen sind da diverse Aspekte, die doch für Irritationen sorgen. Wenn etwa knapp 30-Jährige wie so oft in US-Teenieproduktionen Jugendliche spielen sollen, wird das schnell grotesk. Glaubwürdig ist das nicht mit Seifenoper-Momenten sparende Panic ohnehin kaum. Es gelingt der Serie zu selten, auch mal auf eine natürliche Weise die eigenen Themen zu erzählen, ohne auf Übertreibungen oder Klischees zurückgreifen zu müssen. Doch auch wenn es schon schade ist, dass aus dem Stoff letztendlich nicht mehr wurde als nur eine weitere Dramaserie rund um Jugendliche, die mit ihrem Leben hadern, gehört die Serie schon zu den besseren, die dieser Bereich zuletzt hervorgebracht hat. Wer sich zur Zielgruppe zählt, kann reinschauen. Der Rest bekommt zumindest gelegentlich spannende Szenen und das eine oder andere Geheimnis, welches zu lösen gilt.

Credits

OT: „Panic“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ry Russo-Young, Jamie Travis, Viet Nguyen, Megan Griffiths, Gandja Monteiro
Drehbuch: Lauren Oliver
Idee: Lauren Oliver
Vorlage: Lauren Oliver
Musik: Isabella Summers, Brian H. Kim
Kamera: Todd McMullen, Bobby La Bonge
Besetzung: Olivia Welch, Mike Faist, Jessica Sula, Ray Nicholson, Camron Jones, Enrique Murciano, Rachel Bay Jones, Nancy McKeon

Bilder

Trailer

Interview

Wer mehr über Lauren Oliver und Panic erfahren möchte: Wir konnten der Bestsellerautorin im Vorfeld im Interview einige Fragen stellen.

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Panic – Staffel 1
In „Panic“ nehmen Jugendliche einer texanischen Kleinstadt an gefährlichen Mutproben teil, um an ein stattliches Preisgeld zu kommen. Die Romanadaptionen hat einige interessante Ideen, vertraut aber schon oft auf Seifenoper-Momente und Klischees, hat zudem mit einer mangelnden Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Im hart umkämpften Segment des Genre-Teenie-Dramas gehört die Serie aber zu den besseren.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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