Inhalt / Kritik

Hauptsache die Chemie stimmt Better Living Through Chemistry

„Hauptsache, die Chemie stimmt“ // Deutschland-Start: 10. April 2014 (DVD/Blu-ray)

Es läuft schon länger nicht mehr so richtig im Leben von Doug Varney (Sam Rockwell). Seine Ehe mit Kara (Michelle Monaghan) besteht nur noch auf dem Papier, Sohn Ethan (Harrison Holzer) macht unentwegt Ärger. Und auch seine Arbeit als Apotheker bringt keine wirkliche Erfüllung. Das ändert sich eines Tages durch die ebenfalls unglücklich verheiratete Elizabeth Roberts (Olivia Wilde), die sich ihre Langeweile durch Medikamentenmissbrauch vertreibt. Nicht nur, dass sie Doug verführt und eine Affäre mit ihm beginnt. Sie überzeugt ihn auch davon, mit ihr allerlei Pillen einzuwerfen, schließlich sitzt er an der Quelle. Tatsächlich blüht Doug auf diese Weise auf, kommt wieder in Form, verspürt wieder Freude am Leben. Wäre da nur nicht Jack (Ray Liotta), der Ehemann von Elizabeth …

Ein Leben im Zweifel

Dass man  irgendwann im Leben an einem Punkt ankommt, an dem man alles hinterfragt, das ist keine Seltenheit. Viele Menschen rutschen in die berüchtigte Midlife-Crisis und dürfen sich dann fragen: Ist das schon alles? Hat die Welt nicht mehr zu bieten? Wollte ich nicht mehr erreichen? Hauptsache, die Chemie stimmt ist in der Hinsicht ein perfektes Beispiel. Dougs Leben ist zwar nicht wirklich schlecht. So ist er finanziell versorgt, gesund, hat eine Familie. Richtig toll ist es aber auch nicht, wenn er von der Frau unterdrückt, vom Schwiegervater verspottet und vom Sohn ignoriert wird. Beruflich geht es ohnehin nicht voran. Mit einer wirklichen Krise geht dies jedoch nicht einher. Der auf eine irritierende Weise passive Familienvater und Apotheker ist selbst dafür zu schwach.

Aber dafür gibt es ja die Frauen. Dass Doug auf diese Weise zu mehr Aktivität gezwungen wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik. David Posamentier und Geoff Moore, die zusammen Regie führten und das Drehbuch schrieben, wollen der Wandlung eines Schluffis in einen selbstbestimmten Mann vor allem witzige Situationen entlocken. Hauptsache, die Chemie stimmt baut da auf den starken Kontrast zwischen dem nichtssagenden Männchen und zwei Frauen, die jeweils auf ihre Weise dominant sind. Während Kara ihre Überlegenheit als klassische Powerfrau zum Ausdruck bringt, entspricht Elizabeth mehr dem Bild einer Femme Fatale. Sie manipuliert lieber, anstatt in einer direkten Konfrontation ihren Willen durchzusetzen.

Zwischen Liebeskomödie und Film Noir

Aber es ist nicht nur der Archetyp der Verführerin, die den Protagonisten ins Unglück zu stürzen droht, welcher Hauptsache, die Chemie stimmt in die Nähe traditioneller Films Noirs rückt. Wenn Elizabeth Doug später dazu überreden will, den ihr verhassten Ehemann aus dem Verkehr zu ziehen, dann sind wir theoretisch endgültig im Genrebereich angekommen. Bedauerlicherweise wollen sich Posamentier und Moore aber nicht wirklich dazu bekennen oder überhaupt eine konsequente Richtung einschlagen. Stattdessen fällt die Komödie dadurch auf, dass sie mehrere Wege auf einmal verfolgen will, nichts davon aber wirklich durchzieht. Da trifft eine romantische Komödie auf Midlife-Crisis-Chaos und einen Strang, der wie gemacht für schwarzen Humor gewesen wäre.

Dafür fehlt am Ende aber der notwendige Biss. Ray Liotta, der eigentlich wie gemacht wäre als fieser Gegenspieler, der ein wenig Bedrohung in die Geschichte bringt, ist einfach nur da. Auch mit anderen Figuren kann Hauptsache, die Chemie stimmt wenig anfangen. Dass diese alle keinen Tiefgang haben, ließe sich noch verschmerzen, wenn denn dafür der Unterhaltungsfaktor stimmen würde. Leider ist aber gerade der eher überschaubar. Der Film trottet vor sich hin, verspricht immer wieder mal, einen Gang zuzulegen und die Geschichte richtig eskalieren zu lassen. Nur wird darauf nichts. Selbst als Dougs Aktivitäten rund um den Drogenmissbrauch ans Tageslicht zu rücken drohen, geschieht nicht wirklich etwas.

Nette Komödie ohne Mut

Am ehesten lohnt sich der Film noch durch den Auftritt von Sam Rockwell (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri), der die Balance aus Sympathieträger und Hanswurst hält. Vor allem der allmähliche Wandel, wenn der missachtete Ehemann eine innere Stärke und Leidenschaft entdeckt, selbst auf mehrere Weisen aktiv wird, bringt einige amüsante Szenen mit sich. Es sind nur nicht genug. Der Film wird weder dem Talent seines Hauptdarstellers noch dem an und für sich vielversprechenden Szenario gerecht. Das Ergebnis ist eine nette Komödie, die nicht annähernd so wild wird, wie es nötig gewesen wäre. Der vor allem zum Ende hin der Mut ausgeht und ein belangloses Wohlfühlende bastelt, das wohl besinnlich gemeint war, aber nicht mehr als ein Schulterzucken auslöst.

Credits

OT: „Better Living Through Chemistry“
Land: USA
Jahr: 2014
Regie: David Posamentier, Geoff Moore
Drehbuch: David Posamentier, Geoff Moore
Musik: Andrew Feltenstein, John Nau
Kamera: Tim Suhrstedt
Besetzung: Sam Rockwell, Olivia Wilde, Michelle Monaghan, Ray Liotta, Ben Schwartz, Norbert Leo Butz, Harrison Holzer

Bilder

Trailer

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Hauptsache, die Chemie stimmt
In „Hauptsache, die Chemie stimmt“ verfällt ein willensschwacher Apotheker einer verführerischen Femme Fatale und lernt mit ihr die Leidenschaft des Drogenkonsums kennen. Die Wandlung an sich hat ein paar amüsante Momente, die in erster Linie auf Hauptdarsteller Sam Rockwell zurückgehen. Nur kann sich die Komödie für nichts wirklich entscheiden, bleibt am Ende ohne Biss und Spannung.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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