Inhalt / Kritik

Fabricated City

„Fabricated City“ // Deutschland-Start: 28. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Früher, da war Kwon Yu (Chang-wook Ji) beim Taekwondo richtig aktiv und erfolgreich. Doch das war einmal. Wenn er heute noch gegen jemanden kämpft, dann nur virtuell. Das tut er dafür oft: Er und die anderen Leute der Gamegruppe Resurrection sind von ihren Computerspielen kaum noch zu trennen. Entsprechend gering ist seine Lust, ein im Internetcafé gefundenes Handy zu dessen Besitzerin zurückzubringen. Nur die Aussicht auf eine finanzielle Belohnung veranlasst ihn, sich doch noch auf den Weg zu machen. Am nächsten Tag bereut er diese gute Tat jedoch, schließlich wurde die besagte Frau brutal ermordet und ausgerechnet er ist der Hauptverdächtige. Als er kurze Zeit später ins Gefängnis kommt, muss er sich nicht nur gegen den Ganganführer Duk-su Ma (Sang-ho Kim) wehren, sondern auch mit seinem Anwalt Cheon-sang Min (Jung-se Oh) eine Lösung finden. Als die ausbleibt, beschließt er, aus dem Gefängnis auszubrechen und allein seine Unschuld zu beweisen …

Kampf um die Unschuld

Es gehört zu den beliebten Szenarien eines Thrillers: Ein Mann oder eine Frau werden eines Verbrechens beschuldigt, fliehen jedoch und versuchen nun, auf eigene Faust die Unschuld zu beweisen. Meistens handelt es sich dabei um völlig unbescholtene, recht gewöhnliche Menschen, damit sich das Publikum mit diesen Figuren identifizieren und mitfiebern kann. Bei Fabricated City geht das grundsätzlich in eine ganz ähnliche Richtung. Auch hier geht es schließlich um jemanden, der trotz aller gegenteiligen Indizien den brutalen Mord nicht begangen hat. Da die Beweislage aber so eindeutig ist und die Bevölkerung zudem darauf besteht, möglichst schnell einen Schuldigen bestrafen zu können, ändert dieses Wissen nicht wirklich viel.

Wo sich der südkoreanische Film aber von Kollegen wie Auf der Flucht oder Der unsichtbare Dritte unterscheidet, ist bei der Hauptfigur. Denn der ist gleich in zweifacher Hinsicht nicht ganz gewöhnlich. Zum einen handelt es sich bei ihm um einen Taekwondo-Profi, der sogar in der Nationalmannschaft war. Zum anderen ist er begeisterter Gamer, der mit lauter befreundeten Nerds virtuell abhängt. Dass diese beiden Eigenschaften zumindest dem Klischee nach nicht ganz zusammenpassen, dürfte Regisseur und Drehbuchautor Kwang-hyun Park auch bewusst gewesen sein. Es war ihm nur offensichtlich egal. Und so haben wir hier einen trägen Sofahelden und einen echten Actionhelden in einer Person. Mal was Neues.

Ich baue mir eine Wahrheit

Tatsächlich interessant wird Fabricated City aber, der Titel deutet es bereits an, als klar wird, dass da ganz bewusst Spuren so fabriziert wurden, dass Kwon Yu als Schuldiger feststeht. Und er ist nicht der einzige, der auf diese Weise vorgeführt wurde. Das erinnert ein wenig an die Krimikomödie Mörder GmbH. Damals war es ein Unternehmen, das maßgeschneiderte Morde anbot. Während dort jedoch alles mit einem Augenzwinkern verbunden war sowie Freude am Albernen, da nimmt Park seine Geschichte deutlich ernster. Ganz auf humorvolle Einschübe verzichtet zwar auch er nicht, vor allem die anderen Gamer tragen dazu bei, dass der Film seine lustigen Momente hat. Aber das dient mehr zur Auflockerung.

Ansonsten setzt Park vor allem auf Tempo. Immer wieder kommt es zu Verfolgungsjagden oder anderen Actionszenen, in denen es auch schon mal recht brenzlig zugeht. Und eben auch recht körperlich: Ein Taekwondo-Sportler will dann doch gerne seine Techniken anwenden. Dass das im Einzelfall nicht sonderlich viel Sinn ergibt, ist klar. An manchen Stellen wird Fabricated City sogar regelrecht unsinnig, was in einem ziemlichen Kontrast zum Gegenspieler steht. Denn der ist nicht nur perfide und skrupellos, sondern auch ein regelrechtes Mastermind, das alles ganz genau plant. Das ist dann vielleicht nicht immer alles plausibel, aber doch irgendwie beeindruckend.

Überzogen, zu lang, aber spaßig

Streckenweise ist das ganz spaßig, auch wenn ein paar mehr Beispiele dieser manipulativen Kunst schön gewesen wären. Dafür sind andere Passagen zu lang. Für einen südkoreanischen Film ist die Laufzeit von mehr als zwei Stunden zwar nicht wirklich etwas Besonderes. Gebraucht hätte es diese aber nicht unbedingt. Dennoch kann man mit Fabricated City seinen Spaß haben, sofern man Gefallen an der ziemlich überzogenen Geschichte findet. Der geradezu genüsslich abscheuliche Gegenspieler sorgt ebenso für Unterhaltung wie das Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden Seiten starten. Da lässt sich dann auch verschmerzen, dass die Hauptfigur trotz ihrer Besonderheiten als Charakter eher blass ist.

Credits

OT: „Jojakdoen Doshi“
Land: Südkorea
Jahr: 2017
Regie: Kwang-hyun Park
Drehbuch: Kwang-hyun Park
Musik: Tae-seong Kim
Kamera: Dong-geun Nam
Besetzung: Chang-wook Ji, Eun-kyung Shim, Jae-hong Ahn, Jung-se Oh, Sang-ho Kim

Bilder

Trailer

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Fabricated City
In „Fabricated City“ wird ein Mann des Mordes an einer jungen Frau beschuldigt und will nun seine Unschuld beweisen. Der Film kombiniert dabei böse Masterminds mit viel Action und skurrilen Computernerds zu einer reizvollen Variante des bekannten Szenarios. Allerdings ist der Thriller schon etwas lang, nicht ganz ausbalanciert und ziemlich überzogen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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