Inhalt / Kritik

Crisis

„Crisis“ // Deutschland-Start: 21. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

DEA-Agent Jake Kelly (Armie Hammer) tritt undercover als Drogenhändler auf. Sein Ziel: die Drahtzieher zweier Drogenkartelle dabei überführen, wie sie eine große Menge Fentanyl von Kanada in die USA schmuggeln. Der Auftrag ist gefährlich, immer wieder droht er bei seinem Einsatz aufzufliegen. Da passt es ihm gar nicht, dass die die junge Architektin Claire (Evangeline Lilly) ihm dazwischenfunkt. Denn die ist ebenfalls auf den Spuren der Kartelle, weil sie diese für das Schicksal ihres Sohnes verantwortlich macht. Währenddessen hat der Universitätsprofessor Dr. Brower (Gary Oldman) ein ganz anderes Problem. So hat er festgestellt, dass ein neues Medikament, das kurz vor der Zulassung steht, hochgradig süchtig macht. Eine Erkenntnis, die aber weder sein Arbeitgeber, noch das verantwortliche Pharmaunternehmen hören wollen …

Rückkehr mit prominenter Unterstützung

So richtig produktiv war Nicholas Jarecki als Regisseur bislang ja nicht. 2005 erschien seine Dokumentation The Outsider, welche den Dreh des Thrillers When Will I Be Loved begleitete. 2009 folgte der gerade mal drei Minuten lange Kurzfilm The Weight. 2012 schien es dann so, als hätte der US-amerikanische Filmemacher endlich seinen Weg gefunden. Sein hochkarätig besetztes Thrillerdrama Arbitrage über einen ambivalenten Hedgefondmanager war ein beeindruckendes Debüt, das neugierig auf mehr machte. Doch trotz guter Kritik: Irgendwie kam danach nichts mehr. Es hieß zwar immer wieder mal, dass er an einem zweiten Film arbeitete. Bis daraus aber etwas wurde, vergingen ganze neun Jahre.

Groß waren daher die Erwartungen an sein Zweitlingswerk. Erwartungen, die Crisis leider nicht erfüllen kann. An Starpower mangelt es dabei auch bei seinem neuen Film nicht. Als wäre das namhafte Trio nicht genug, tummeln sich in den Credits so illustre Namen wie Greg Kinnear, Michelle Rodriguez und Luke Evans. Richtig viel zu tun bekommen sie in ihren Rollen jedoch nicht. Das hat jedoch weniger damit zu tun, dass Jarecki hier ein Blendwerk vorgelegt hätte, das mangelnden Inhalt mit Hollywoodglamour überdecken will. Vielmehr zeigt sich, dass der Filmemacher sehr viel mit seiner Geschichte wollte und damit letztendlich überfordert war. Das Ergebnis kann mit den Ambitionen nicht Schritt halten.

Ein (zu) großes Thema

Es ist aber auch ein weites Feld, das sich der Regisseur und Drehbuchautor hier ausgesucht hat. Ging es bei Arbitrage noch um die Fallstricke der Finanzwelt, nimmt sich Jarecki in Crisis des noch immer ungelösten Problems des Drogenmissbrauchs an. Das ist in US-Produktionen natürlich ein Dauerthema. Während dort aber meistens der Kampf gegen die Händler ansteht, soll hier das Thema breiter aufgefächert werden. Neben der besagten organisierten Kriminalität stehen die persönlichen Auswirkungen der Drogen im Mittelpunkt, wenn die früher selbst abhängige Claire ihren eigenen Kampf aufnimmt. Vor allem aber die unrühmlichen Verstrickungen der großen Pharmaunternehmen, die ihren bedeutenden Anteil an der Krise haben, geraten hier ins Visier.

Alle drei Stränge sind thematisch natürlich relevant. Es gelingt Jarecki jedoch nicht, sie auf überzeugende Weise miteinander zu verbinden. Die Geschichte um den Universitätsprofessor, der sich mit seinen Forschungen Feinde macht, steht für sich, ohne dass echte Berührungspunkte entstehen. Die beiden anderen Stränge finden nur holprig zusammen. Schlimmer noch ist aber, dass Crisis sich durch die vielen Schicksale und Figuren die Möglichkeit nimmt, tatsächlich etwas über das Thema auszusagen. Es bleibt zeitbedingt alles an der Oberfläche, arbeitet mit zu vielen langweiligen Klischees, die als Schlagwörter herhalten müssen. Sollte das Ziel des Films gewesen sein, eine Diskussion anzustoßen, so wurde dieses verfehlt. Dafür ist er zu weit weg von den Menschen und dem Alltag derjenigen, die mit Drogen zu tun haben.

Zu wenig draus gemacht

Natürlich muss nicht jeder Film ein tiefgründiges Meisterwerk sein, selbst wenn es gesellschaftlich relevante Themen anspricht. Manchmal reicht es schon, wenn er einfach nur gut unterhält. Schade ist es aber schon, da Crisis ganz offensichtlich mehr sein wollte als das und sich deshalb auch nicht völlig zum Unterhaltungskino bekennt. Das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes, wird weder dem Intellekt noch dem Bauch gerecht. Und selbst das Herz bekommt, trotz der tragischen Schicksale, nicht wirklich viel zu tun. Ansätze zu mehr gibt es natürlich schon. Die Ambitionen und das Starensemble allein rechtfertigen bereits einen Blick. Angesichts der hohen Erwartungen und der vielen Möglichkeiten, die das Thema mitbrachte, ist der Thriller jedoch recht ernüchternd.

Credits

OT: „Crisis“
Land: Belgien, Kanada
Jahr: 2021
Regie: Nicholas Jarecki
Drehbuch: Nicholas Jarecki
Musik: Raphael Reed
Kamera: Nicolas Bolduc
Besetzung: Gary Oldman, Armie Hammer, Evangeline Lilly, Greg Kinnear, Michelle Rodriguez, Luke Evans, Lily-Rose Depp, Scott Mescudi

Bilder

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Crisis
„Crisis“ erzählt in drei separaten Strängen von der Opioidkrise in den USA, von Süchtigen über Polizisten bis zu kriminellen Pharmaunternehmen. An Themen mangelt es dabei nicht, Stars gibt es ohnehin ohne Ende. Umso ernüchternder ist das Ergebnis, das vor lauter „mehr“ nirgends in die Tiefe geht, im Zweifel auf Klischees setzt und nicht einmal wirklich unterhaltsam ist.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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