Inhalt / Kritik

Infamous

„Infamous“ // Deutschland-Start: 16. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Arielle Summers (Bella Thorne) hat einen Traum: Sie will berühmt werden! Bislang klappt das jedoch nicht so wirklich, die Zahl ihrer Follower in den sozialen Medien halten sich in Grenzen. Privat sieht es ohnehin katastrophal aus, der nichtsnutzige Freund ihrer Mutter treibt sie in den Wahnsinn. Doch dann entdeckt sie einen Weg raus aus der Misere. So gewinnt sie einige neue Online-Fans, als sie auf einer Party eine andere zusammenschlägt. Außerdem lernt sie Dean Taylor (Jake Manley) kennen, der wegen bewaffneten Überfalls im Knast saß. Als es dabei zu einem tödlichen Zwischenfall kommt, entdeckt Arielle ihre neue Berufung: Sie und Dean begehen zusammen Verbrechen, filmen sich dabei und werden dadurch zu Stars!

Die Sehnsucht nach Ruhm

Natürlich, der Traum von Ruhm und Beliebtheit ist nicht neu. Zu einem gewissen Grad dürften die meisten Menschen etwas in diese Richtung in sich herumtragen. Manche wollen vielleicht an der Schule populär sein, andere auf der Leinwand bewundert werden oder etwas Bestimmtes im Leben erreicht haben. Während diese Sehnsucht also universell ist, war es früher zumindest den meisten klar, dass daraus wahrscheinlich nichts wird. Zu groß war die Hürde, auch nur in die Nähe eines Auftritts vor großen Publikum zu kommen. Doch das hat sich mit dem Internet und den sozialen Medien gewandelt. Heute hat jeder die technischen Mittel, um die Menschen da draußen zu erreichen, was zu einer neuen Form von Berühmtheit geführt hat – und einem neuen Drang, dieser Sehnsucht nachzukommen.

Grundsätzlich hatte Infamous also schon einiges an Potenzial, wenn wir hier eine junge Frau kennenlernen, die für ihren Online-Ruhm alles tun würde. Eine Art Natural Born Killers für die 2020er sozusagen. In beiden Fällen schießt sich ein Paar quer durch die USA und wird dadurch zu einer von vielen auf bizarre Weise bewunderten Mediensensation. Und doch, so ganz vergleichbar sind die zwei Filme am Ende nicht. So hatte der Kultfilm immer auch satirische Tendenzen, gerade in der Darstellung der Medien. Schließlich waren es die enormen Einschaltquoten, welche die Reporter und Reporterinnen zu gierigen Geiern mutieren ließen, die im Hinblick auf fehlende Moral dem Mörderpärchen nicht weit nachstanden.

Ein Film ohne Aussage

Im Fall von Infamous ist diese Verbindung zwischen dem Paar und der Außenwelt aber nur sehr schwach dargestellt. Bis auf ein paar aufploppende Kommentare in den sozialen Medien ist da nichts zu holen. Und selbst die beschränken sich auf ein „OMG“ oder Variationen davon. Regisseur und Drehbuchautor Joshua Caldwell verpasst es auf diese Weise, das spezielle Verhältnis zwischen unseren Online-Auftritten und einer breiten Anonymität aufzustellen. Wir erfahren nichts über die Welt und die Gesellschaft. Darüber, ob Leute wie Arielle unseren Umgang mit dem Internet prägen oder das Produkt hiervon ist. Allgemein fehlt es an wirklichen Außenperspektiven. Lediglich ein kurzer Abschnitt rund um den Fan Elle (Amber Riley) liefert Anhaltspunkte.

Ansonsten ist Infamous ein weitestgehend nichtssagender Film. Das betrifft gerade auch die Figuren, die in dem Film auftreten. Viele sind nur so kurz dabei, dass sie keine Möglichkeit haben, sich irgendwie zu entfalten. Da reicht es dann maximal für Klischees, oft nicht einmal das. Zum Teil zumindest wird das aber durch engagiertes Auftreten wieder wettgemacht. Vor allem Bella Thorne (The Babysitter, I Still See You – Sie lassen dich nicht ruhen) bleibt einem eindrucksvoll in Erinnerung, wenn sie wie ein zerstörerischer Wirbelsturm durchs Land hinwegfegt und dabei eine Schneide der Zerstörung hinterlässt. Ihrem Compagnon Jake Manley (The Order) bleibt da nichts anderes übrig, als mit etwas treudoofem Blick hinterherzudackeln. So als wäre er in einem ganz falschen Film gelandet.

Da wäre mehr drin gewesen

Insgesamt ist das dann zwar schon noch alles passabel. Wer sich über narzisstische Möchtegernpromis aufregen möchte, die eigentlich zu dumm zum Leben sind, dafür selbst aber viele auslöschen, der bekommt hier genug Material geliefert. Infamous zeigt zudem auf, wie eng berühmt (famous) und berüchtigt (infamous) beieinander liegen können. Dennoch ist es schade bis ärgerlich, wie wenig aus dem Stoff herausgeholt wurde. Der Film ist weder nah genug an dem Alltag dran, um etwas Wertvolles für diesen mit auf den Weg zu geben, noch so überzogen, dass das Ergebnis Spaß machen würde. So beobachten wir einfach nur zwei junge Leute beim Überfallen und Töten, bis alles vorbei ist.

Credits

OT: „Infamous“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Joshua Caldwell
Drehbuch: Joshua Caldwell
Musik: Bill Brown
Kamera: Eve Cohen
Besetzung: Bella Thorne, Jake Manley, Amber Riley, Michael Sirow, Marisa Coughlan

Bilder

Trailer

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Infamous
In „Infamous“ träumt eine junge Frau von der Berühmtheit, was aber erst dann klappt, als sie zur Verbrecherin wird. Der Film thematisiert zwar, wie Menschen für Internet-Likes alles tun würden, bleibt dabei aber ziemlich an der Oberfläche. Sehenswert ist der Roadmovie-Thriller daher lediglich für Bella Thorne, die sich eindrucksvoll in die Rolle hineinsteigert.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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