Inhalt / Kritik

Hot Summer Nights

„Hot Summer Nights“ // Deutschland-Start: 25. März 2021 (DVD/Blu-ray)

Richtig groß ist die Begeisterung beim 17-jährigen Daniel (Timothée Chalamet) ja nicht, als er von seiner Mutter zur Tante geschickt wird, wo er den Sommer verbringen soll. Tatsächlich tut er sich dort zunächst auch ein wenig schwer, kann nicht wirklich etwas mit den Leuten oder seiner Situation anfangen. Das ändert sich erst, als er Hunter (Alex Roe) kennenlernt, der als Drogendealer stadtbekannt ist und der ihn bald in seine Geschäfte integriert. Mehr noch als Hunter selbst ist es jedoch dessen jüngere Schwester McKayla (Maika Monroe), die sein Interesse weckt. Leider aber auch das von vielen anderen, darunter ihrem brutalen Exfreund. Und das ist nicht die einzige Schwierigkeit, mit der es Daniel zu tun bekommt …

Die Nostalgie des Erwachsenwerdens

Wenn in Filmen die Protagonisten und Protagonistinnen auf einen vergangenen Sommer zurückblicken, dann ist das oft mit einer gewissen Wehmut und Nostalgie verbunden. Denn dieser eine Sommer war – meistens – so besonders, dass alles damit anders wurde. Das Leben davor und das Leben danach nichts mehr miteinander gemeinsam hatten. Auch Hot Summer Nights weckt diese Erwartungen, wenn wir eine mentale und filmische Zeitreise starten, umso mehr, wenn die Rückschau von Linda Ronstadts melancholischem Long, Long Time eingeleitet wird. Doch es dauert nicht lange, bis die erste Irritation eintritt und dem besagten Lied eines von Roxette folgt. Was zunächst wie ein Ausflug in die 70er wirkte, entpuppt sich als einer ins Jahr 1991.

Nun muss ein Soundtrack natürlich nicht aus dem Jahr stammen, in dem ein Film spielt. Genauso sind musikalische Zeitsprünge durchaus gestattet. Aber es ist doch symptomatisch für einen Film, bei dem nie so wirklich klar wird, was er denn nun genau sein wollte. Das anfängliche Szenario von Hot Summer Nights entspricht dabei klar dem eines Coming-of-Age-Dramas. Ein schüchterner junger Mann, dessen Vater gestorben ist, findet einen Platz in der Gemeinschaft und setzt sich mit einer ersten großen Liebe auseinander. Das ist ganz klassisches Material, welches in solchen Filmen gerne verwendet wird. Das Motiv des einmaligen Sommers ist ebenfalls Standard, impliziert es doch, dass in eben jener Zeit aus einem Kind ein Erwachsener wurde.

Zwischen allen Genres

Ungewöhnlich ist jedoch, wie diese Geschichte mit einem Krimi und Neo-Noir-Anleihen verknüpft wird. Der Weg ins Erwachsenenalter erfolgt hier nicht allein durch große Gefühle und tiefschürfende (Selbst-)Erkenntnisse, sondern mithilfe kleiner Drogentütchen, die an Touristen und andere vertickt werden. Das ist dann nicht mehr ganz so universell. Richtig eigenartig wird es aber, wenn Regisseur und Drehbuchautor Elijah Bynum auch noch Beispiele für Humor einbaut. Das läuft dann gerne mal per Voice-over, schließlich ist Daniel nicht nur Hauptfigur des dargestellten Geschehens, sondern kommentiert auch im Rückblick. Kommentare, die schon mal recht zynisch sein können, wenn es etwa um das vorzeitige Ableben anderer geht.

Daraus hätte man sicherlich etwas Spannendes machen können. Ein Coming-of-Age-Rückblick mit brenzligen Drogengeschäften und schwarzem Humor sieht man schließlich nicht alle Tage. Hinzu kommen ein paar inszenatorische Ticks, mit denen Bynum wohl den Coolness-Faktor des Films in die Höhe treiben wollte. Nur war er an anderen Stellen sehr viel weniger um Kreativität bemüht. Die Folge: Bei Hot Summer Nights treffen Klischees und ein nicht klar umrandetes Konzept aufeinander, was nicht unbedingt die beste Mischung darstellt. Wenn dann auch noch ein Hurrikan über den Ort hinwegfegt, darf man sich endgültig fragen, was Bynum hiervon nun ernst gemeint hat und ob er nicht mit einer Komödie insgesamt besser gefahren wäre.

Charme ist nicht alles

Zum Teil wird das durch die Besetzung wieder ausgeglichen. Timothée Chalamet (Beautiful Boy, Call Me by Your Name) ist bekanntlich mit einem derart unverschämten Charme gesegnet, dass man den Inhalt schon mal ein wenig vernachlässigen darf. Auch Maika Monroe hat in ihrer Karriere so manches Ausrufezeichen setzen dürfen, selbst wenn die Rollenauswahl zuweilen etwas fragwürdig ausfiel. Umso bedauerlicher ist aber, dass die diversen starken Bestandteile nicht zu einem besseren Film geführt haben. Hot Summer Nights ist nicht so unterhaltsam, wie er sein könnte, nicht so bewegend, verläuft sich bei der Suche nach einem Ziel, das gleichermaßen cool und universell ist, irgendwo am Strand. Das kann man sich in der Summe immer noch anschauen, wird beim Publikum aber wohl eher keine nostalgischen Gefühle wecken. Oder sonstige.

Credits

OT: „Hot Summer Nights“
Land: USA
Jahr: 2017
Regie: Elijah Bynum
Drehbuch: Elijah Bynum
Musik: Will Bates
Kamera: Javier Julia
Besetzung: Timothée Chalamet, Maika Monroe, Alex Roe, Maia Mitchell, William Fichtner, Thomas Jane, Emory Cohen, Rachel O’Shaughnessy

Bilder

Trailer

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SXSW 2017

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Hot Summer Nights
In „Hot Summer Nights“ verbringt ein schüchterner Jugendlicher den Sommer bei seiner Tante, findet dabei Freundschaften, die erste Liebe und lukrative Drogengeschäfte. Der Film ist dabei grundsätzlich ein Coming-of-Age-Drama, verbindet dies aber mit Krimi, Neo Noir und Humor zu einem Mix, der unter seinen Möglichkeiten bleibt und bei dem man nie ganz sicher ist, was er eigentlich hätte sein sollen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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