Inhalt / Kritik

Wonder Woman 1984

„Wonder Woman 1984“ // Deutschland-Start: 19. Februar 2021 (Sky)

Wenn sie nicht gerade als Wonder Woman Verbrecher zur Strecke bringt, arbeitet Diana Prince (Gal Gadot) als leitende Anthropologin im Smithsonian Institute in Washington, D.C. Dabei stoßen sie und ihre Kollegin, die tollpatschige und schüchterne Wissenschaftlerin Barbara Ann Minerva (Kristen Wiig), eines Tages auf einen seltsamen Stein. Dieser erfüllt die Träume von Menschen, wie die beiden bald herausfinden, als Diana auf einmal ihre verstorbene große Liebe Steve Trevor (Chris Pine) wiedersieht und Barbara große Kräfte entwickelt. Doch diese Wünsche erfordern einen hohen Preis. Und das ist nicht das einzige Problem, schließlich ist es dem ambitionierten Geschäftsmann Maxwell Lord (Pedro Pascal) gelungen, in den Besitz des Steines zu kommen, und er hat für diesen große Pläne …

Wo sind all die Helden hin?

Als die Corona-Pandemie weltweit die Kinos in die Knie zwang, gehörten sie zu den ersten, die von der Bildfläche verschwanden: Superhelden und Superheldinnen. Während in einem normalen Jahr schon einmal ein halbes Dutzend Filme zusammenkommen kann, in denen Comicfiguren die Welt retten, sah es 2020 ganz düster aus. Denn diese Werke brauchen ein großes Publikum, um rentabel zu sein. Mit dem oft verschobenen The New Mutants erschien so nur eine dieser Adaptionen bei uns, und die auch nur, weil ohnehin jeder von einem Flop ausging. Eine zweite Ausnahme war Wonder Woman 1984, die zumindest in einigen Teilen dieser Welt in die Lichtspielhäuser stürmte, während ein paralleler Video-on-Demand-Release bei Kinobetreibern für Empörung sorgte. Jetzt steht auch die deutsche Veröffentlichung an, diesmal sogar ausschließlich als Stream.

Dass man sich nun doch zu einem reinen Video-on-Demand-Werk bekannte, mag auch damit zusammenhängen, dass die Reaktionen auf den Film in den USA sehr verhalten waren. Nach einer anfänglichen Euphorie kamen immer mehr kritische Stimmen hinzu, das Netz war voller enttäuschter Stimmen. Aus einem der meist erwarteten Titel wurde innerhalb kürzester Zeit einer, der gerade mal irgendwie so noch im oberen Mittelfeld angesiedelt ist. Tatsächlich schlecht ist Wonder Woman 1984 dabei nicht, auch wenn in Foren in der üblichen Übertreibung von einer absoluten Katastrophe die Rede ist. Da ist schon einiges Gutes in dem DC Comics Werk versteckt. Aber es ist nicht genug, um damit ganze zweieinhalb Stunden füllen zu wollen. Und es ist nicht genug, die vielen Mängel auszugleichen, die das Abenteuer so plagen.

Eine Reihe von Mängeln

Diese Mängel sind dabei von einer vielfältigen Natur. Eine davon ist die Titelfigur selbst. Dass Gal Gadot nicht unbedingt die variantenreichste Schauspielerin auf diesem Planeten ist, geht eher weniger als Geheimnis durch. Ihre Diana gleicht mehr einer imposanten Statue als einem Mensch aus Fleisch und Blut, auch wenn Regisseurin und Co-Autorin Patty Jenkins ihr mit der Trauer um Steve eine an und für sich sehr tragische Geschichte auf den Leib geschrieben hat. Doch kitschige Dialoge können keine Emotionen ersetzen. Wonder Woman 1984 ist an diesen Stellen grob, plump und am Ende ziemlich langweilig. Gerade die Szenen mit den beiden wiedervereinten Liebenden gehören zu den Schwachpunkten des Films. Immerhin gibt es eine, die einigermaßen Spaß macht, wenn sich der seit 70 Jahren tote Steve mit der modernen Kleidung herumplagt. An dieser Stelle kommt wieder der Fish-out-of-Water-Humor zum Vorschein, der den Vorgänger Wonder Woman zu einem größeren Vergnügen machte. Aber da hätte deutlich mehr gemacht werden dürfen.

Ein Vorteil, den der zweite Teil gegenüber dem ersten Auftritt der Comic-Amazone hat, ist die Gegenseite. Wonder Woman hatte seinerzeit recht unbeholfen versucht, auf den letzten Metern doch noch irgendwie einen Bösewicht einzubauen, damit der obligatorische Showdown Berücksichtigung findet. Bei Wonder Woman 1984 fällt das organischer aus, indem die Figuren langsam dazu aufgebaut werden. Zudem haben sowohl Barbara wie auch Maxwell Lord nachvollziehbare Gründe, warum sie tun, was sie tun. Hier geht es mal nicht allein darum, dass wieder irgendein größenwahnsinniger Bekloppter die komplette Welt zerstören will. Vielmehr sind beides tragische Figuren, die aus Schmerz und Sehnsucht heraus zu Bösewichtern werden, ähnlich wie es Batmans Rückkehr damals getan hat.

Reden, bis die Ohren bluten

Während der oft unterschätzte Comicfilm-Vorfahre aber inmitten des Nonsens-Plots eine Reihe wirklich starker Szenen hatte, sind tatsächliche Höhepunkte in Wonder Woman 1984 rar. Die Kampfszenen verschwinden in dem inzwischen dominierenden CGI-Overkill, der keinerlei Stärke und Wucht mehr zulässt – auch wenn dieses Mal dankenswerterweise keine exzessiven Slow-motion-Szenen mehr alles kaputt machen. Die Dialoge sind teilweise schmerzhaft, gerade zum Ende hin, wenn der Film sich an einer eigentlich schönen Aussage versucht und dabei nur den Presslufthammer verwendet. Hinzu kommen eine Reihe sehr fragwürdiger inhaltlicher Entscheidungen, die so wirken, als wollte man selbst Filme aus den 80ern imitieren, ohne die gesellschaftlichen Entwicklungen seither zu berücksichtigen. Was ursprünglich als Fortschritt verkauft wurde – der erste Blockbuster mit einer Comic-Heldin! – entlarvt sich damit endgültig als Mogelpackung. Zeigte der erste Teil zumindest Potenzial und war trotz der Mängel unterhaltsam, ist das hier schlichtweg überflüssig und macht nicht wirklich Lust auf weitere Filme.

Credits

OT: „Wonder Woman 1984“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Patty Jenkins, Geoff Johns, Dave Callaham
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Matthew Jensen
Besetzung: Gal Gadot, Chris Pine, Kristen Wiig, Pedro Pascal

Bilder

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Wonder Woman 1984
War „Wonder Woman“ ein überraschend unterhaltsames Solo-Abenteuer der Comic-Amazone, fällt der Nachfolger recht enttäuschend aus. Von der Leichtigkeit ist kaum etwas geblieben. Stattdessen gibt es ein zwar gut gemeintes, letztendlich aber plumpes Drehbuch mit grausamen Dialogen, langweilige Hauptfiguren und Kämpfe, die so sehr auf CGI fixiert sind, dass ihnen jegliche Wucht fehlt. Lediglich bei den Bösewichten machte man einen Schritt in die richtige Richtung.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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