(„French Connection“ directed by William Friedkin, 1971)

French Connection ist auch nach 40 Jahren noch erfrischend wie eine Sommerbrise, wobei die Tatsache, dass manche Zuschauer diesen Klassiker als eher anstrengend empfinden, eng damit zusammenhängt. Erfrischend, da der Film erstaunlich gut gealtert ist, da es einen höchst ungewöhnlicher Polizeifilm darstellt. „Popeye“ Doyle (Gene Hackman) will mit seinem Kollegen (Roy Scheider) einen Drogenhändlerring auffliegen lassen und ihre Ermittlungen, um den bösen Jungs das Handwerk zu legen, sind nicht im Mindesten derart spektakulär in Szene gesetzt wie in zahlreichen anderen Cop-Filmen der 60er und 70er.

William Friedkin zeigt hier die wahre Seite des Polizeialltags, er zoomt heran an den grauen Schmutz, so wie es kein anderer Regisseur zu seiner Zeit getan hat, während James Bond auf einer Erfolgswelle schwamm und mit immer neuen technologischen Sensationen auf Verbrecherjagd ging. Der Polizeialltag für Hackman und Scheider ist träge, trüb und traurig, einsam und kalt, enttäuschend und zermürbend. Tage- und nächtelang beschatten sie Verdächtige bei eisiger Kälte in Brooklyn, der Zuschauer ist dabei, wie sich die Polizisten von den klugen Verbrechern immer wieder aufs Kreuz legen lassen. Friedkin drehte diesen Film mit Handkamera und setzt bewusst auf ein sehr körniges Bild (die Unschärfe des Bildes hat somit nichts mit einer schlechten DVD-Umsetzung zu tun), um diesem außergewöhnlichen Werk einen dokumentarischen Anstrich zu verleihen.

Der Film ist so erfrischend und für manche so anstrengend, weil sich Friedkin nie um den Zuschauer zu kümmern scheint. Er lässt Hackman und Scheider scheinbar endlos durch die Kälte irren, meist ohne Erfolg, schonungslos versucht er, die Realität so genau wie möglich abzubilden. Hier kracht es nicht alle fünf Minuten, um den Zuschauer bei Laune zu halten, die Polizisten, die Freunde des Menschen, die unantastbaren Helden werden mit all ihren Fehlern und Schwächen dargestellt, man bemüht sich zu keiner Sekunde, etwas zu beschönigen. Faszinierend ist hierbei, dass es trotz der langsamen Verfolgungen zu Fuß für den Zuschauer nie langweilig wird, da man förmlich an den Schuhsohlen Gene Hackmans klebt, hier hat man als Zuschauer das teils durchaus sehr unangenehme Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, als würde man selbst die Verbrecher verfolgen und ihnen dingfest machen wollen. Ein ungewohntes Gefühl der Komplizenschaft, hervorgerufen durch die scharfe und realistische Zeichnung der Charaktere und des Dokumentarfilm-Stils.

Entgegen der anfangs dargestellten Trägheit des Berufs ist das Highlight des Films natürlich die Verfolgungsjagd des Attentäters im Zug, dem Gene Hackman verzweifelt zu folgen versucht. Ohne sich rasanter Schnitte von Hackman im Auto zum Mörder im Zug zu bedienen, steigert Friedkin das Tempo gnadenlos, kulminierend in der berühmten „Schuss auf der Treppe-Szene. Gerade dieses Bemühen um Realität ist es, was den Film heute für manche Zuschauer noch so erschreckend wirken lässt und weshalb er bis heute ein hoch-aktueller Thriller bleibt. Rivalität und Eifersucht, Hass und Neid zwischen Polizisten werden thematisiert, ohne dass French Connection nur eine harte Dokumentation über das Leben von Gesetzeshütern bleibt. In der zweiten Hälfte entfesselt Friedkin jenes Inferno, an dem er während der ersten Hälfte fortwährend gezündelt hat: Gene Hackman wird gejagt, muss um sein Leben fürchten, in einer atemlosen Hetzjagd verfolgt er seinen Peiniger, setzt alles daran, das Drogenkartell auffliegen zu lassen, lässt sich von Rückschlägen nicht aufhalten und kämpft ehrgeizig für seine Ziele in einem packenden und hochspannenden Finale.

French Connection wurde seiner Zeit mit fünf Oscars ausgezeichnet, u.a. für den „Besten Film“ sowie den „Besten Hauptdarsteller“ und hat sich mittlerweile den Ruf als Klassiker erarbeitet. Wer spannende und harte Polizeifilme ohne technischen Firlefanz, konstruierte Liebesgeschichten oder glatt gebügelte Hauptakteure mag, wird diesen Meilenstein des Polizeifilms auf jeden Fall zu schätzen wissen.

French Connection – Brennpunkt Brooklyn
4.2 (84%) 5 Artikel bewerten

French Connection - Brennpunkt Brooklyn
10von 10

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5 Responses

  1. Martin Zopick

    Die Oscars hat der Film wirklich verdient. Vor allem den für Schnitt und Drehbuch. Dadurch wurde unter anderem die legendäre Verfolgungsjagd unterhalb der U-Bahn geehrt, die in Brooklyn auf ‘Stelzen‘ fährt. Die flotten Sprüche der Akteure bieten neben der Spannung spaßige Unterhaltung.
    In Erinnerung bleibt außerdem der offene Schluss, der förmlich nach einer Fortsetzung schreit, sowie die extrem rüden Ermittlungsmethoden von Doyle und Russo. Doyle genannt ‘Popeye‘ (Gene Hackman fast immer mit Hut) ist der Verbissenere der beiden. Wie in Terrier hat er sich in den Fall verbissen. Russo (Roy Scheider) ist im Spiel Good Cop – Bad Cop der Ruhigere, Angenehmere. Der Gegenspieler der beiden ist Alain Charnier (Fernando Rey), ein eleganter Franzose aus Marseille, der im Auto eines prominenten TV Stars (Frédéric de Pasquale) den Stoff nach Brooklyn transportieren lässt. Hier ist es zunächst der Clan der Gebrüder Boca, die als Zwischenhändler fungieren. Popeye und Russo sind bei ihrer Observation den Gangstern zum Anfassen nahe. Auch Charnier und seine rechte Hand Pierre Nicoli (Marcel Bozzuffi) kommen immer wieder ins Rampenlicht der Ermittler. Ein netter Nebenaspekt sind die unterschiedlichen Lebensweisen von Gangstern und Polizisten. Die einen dinieren in exklusiven Restaurants während die anderen sich mit Hot Dogs begnügen müssen.
    Das spannende Finale findet standesgemäß in einer Fabrikruine statt mit einer Riesenballerei. Der Boca Clan wird stark dezimiert, zu vor hatte Popeye Nicoli nach rasanter Verfolgung erschossen. Nur Charnier fährt aus der U-Bahn Doyle zuwinkend davon. Fortsetzung folgt. Unter den 100 besten Filmen aller Zeiten ist der hier auf Platz 70.

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