Kritik

U-571 – Mission im Atlantik

„U-571 – Mission im Atlantik“ // Deutschland-Start: 14. September 2000 (Kino)

Im Jahre 1942 ergibt sich für die Alliierten eine einmalige Möglichkeit, denn das deutsche U-Boot U-571 treibt nach einem Kampf manövrierunfähig im Atlantik umher auf ein deutsches Versorgungsschiff wartend. An Bord befindet sich eine Enigma-Maschine, einer jener Apparate, mit deren Hilfe die Wehrmacht ihre Funksprüche verschlüsselte, was dazu führt, dass die US Navy eine geheime Mission in Auftrag gibt, in deren Verlauf sich das U-Boot S-33 als deutsches U-Boot tarnen soll und schließlich deren Besatzung in den Besitz der begehrten Maschine kommen soll. Das Kommando an Bord der S-33 hat Commander Dahlgren (Bill Pullman), unterstützt von seinem Ersten Offizier Leutnant Tyler (Matthew McConaughey), der eigentlich die Hoffnung hatte, nach vielen erfolgreichen Einsätzen und Manövern selbst das Kommando über ein Schiff zu erhalten. Als die S-33 letztlich bei der U-571 ankommt, scheint zunächst alles nach Plan zu laufen, jedoch werden die von dem ebenfalls eintreffenden deutschen Versorgungsboot angegriffen und versenkt. Die noch übrigen Männer, zu denen neben Tyler auch Unteroffizier Henry Klough (Harvey Keitel) zählen, muss nun das Kommando über die beschädigte U-571 antreten und zugleich den Kampf aufnehmen gegen die deutsche Armee, deren Boote bereits nach ihnen Ausschau halten.

Dramatischer Tauchgang

Auch wenn Einblendungen, die Auskunft über Missionen der US Navy und der Royal Navy geben, in deren Folge Enigma-Maschinen oder Teile von ihnen erbeutet wurden, eine gewisse Authentizität implizieren, ist die Geschichte, an der neben Regisseur Jonathan Mostow auch David Ayer und Sam Montgomery mitschrieben, frei erfunden. Gerade in der britischen Presse fand deshalb der Film wenig Anklang und brachte ihm den Vorwurf der Geschichtsklitterei ein, der letztlich sogar das britische Parlament erreichte, in dessen Folge der damalige Premierminister Tony Blair ein den Film verurteilendes Statement verkündete. Legt man einmal das Geschichtsbuch beiseite, wird man mit einem sehr spannenden Film belohnt, der nicht nur durch ein tolles Ensemble auffällt, sondern durch eine intensive Dramaturgie, welche die klaustrophobischen Verhältnisse an Bord eines U-Boots betont.

Gerade in der deutschen Presse wurde Mostows Film beinahe immer mit Wolfgang Petersens Das Boot verglichen. Der Schwerpunkt auf Effekte statt Charakterentwicklung sowie der für den US-amerikanischen Kriegsfilm typische Pathos waren die Eckpfeiler der Kritik, deren Essenz eigentlich nur aussagt, dass Mostows Geschichte nicht Das Boot ist. Zugegeben, an den rauen und durchweg ernüchternden Tonfall von Petersens Film kommt U-571 keinesfalls heran, doch dadurch, dass Mostows Geschichte aus der Perspektive der Alliierten erzählt wird, sollte dies allein schon den anderen Tonfall wie auch eine andere Gewichtung erklären.

Wenn man Petersens Film schon einmal als Vergleich heranzieht, fallen allerdings andere Parallelen ins Gewicht, die sehr zum Vorteil für U-571 ausfallen. Speziell die erste Hälfte des Films legt großen Wert auf die Hierarchie innerhalb der Besatzung, insbesondere auf Matthew McConaugheys Figur, die sich trotz offensichtlicher Führungsqualitäten von seinen Vorgesetzten übergangen fühlt. In der zweiten Hälfte führen diese Vorbehalte gegenüber seiner Person immer wieder zu Konflikten, zu Entscheidungssituationen, die sehr zur Spannung und Dramatik des Films beitragen.

Auf engstem Raum

Ein weiterer Aspekt innerhalb dieser Geschichte ist die Dramaturgie des Raums, die sich zwar an Das Boot anlehnt, aber auch eigene Wege beschreitet. Regisseur Mostow und Kameramann Oliver Wood beschreiben mittels Nahaufnahmen und einer entsprechenden Montage den zunehmend enger wirkenden Raum, der letztlich den Männern kaum mehr Luft zum Atmen lässt. In Verbindung mit Richard Marvins Musik entsteht der Eindruck einer Feuertaufe für die Männer, die sich nicht nur in einem ungewohnten Schiff bewegen, dessen Anzeigen alle in einer anderen Sprache geschrieben stehen, sondern auch deutlich in der schwächeren Position sind. Jedes Knacken der Schiffsaußenwand sowie die immer näher kommenden Explosionen der Wasserbomben verstärken diese Atmosphäre, die sich immer weiter zuspitzt.

Credits

OT: „U-571“
Land: USA, Frankreich
Jahr: 2000
Regie: Jonathan Mostow
Drehbuch: Jonathan Mostow, Sam Montgomery, David Ayer
Musik: Richard Marvin
Kamera: Oliver Wood
Besetzung: Matthew McConaughey, Bill Paxton, Harvey Keitel, Jon Bon Jovi, Jake Weber, Erik Palladino, Thomas Kretschmann

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2001 Bester Ton Steve Maslow, Gregg Landaker, Rick Kline, Ivan Sharrock Nominierung
Bester Tonschnitt Jon Johnson Sieg

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U-571 – Mission im Atlantik
„U-571 – Mission im Atlantik“ von Jonathan Mostow ist ein spannender Kriegsfilm, der sowohl darstellerisch wie auch technisch mehr als solide ist. Gerade die Inszenierung des Raums, das Zusammenspiel von Bild und Schauspiel ergeben eine Geschichte, die vielleicht nicht an gewisse Vorbilder heranreicht, aber dennoch gutes Unterhaltungskino bietet.
7von 10

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