Kritik

Stubbe - Tödliche Hilfe

„Stubbe: Tödliche Hilfe“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2021 (ZDF)

Als Christiane Stubbe (Stephanie Stumph) von einem Jugendfreund kontaktiert wird, der behauptet, seine pflegebedürftige Mutter sei unter eigenartigen Umständen gestorben, ist ihre Neugierde geweckt. Und so gibt sich die freie Journalistin als angehende Pflegekraft aus, um im Rahmen eines Praktikums heimlich zu recherchieren, während sie zeitgleich ihre Familie besucht. Es dauert auch nicht lange, bis sie über die ersten suspekten Vorkommnisse stolpert. Ihr Vater Wilfried (Wolfgang Stumph) freut sich darüber, seine Tochter und Enkeltochter Caroline (Greta Kasalo) wiedersehen zu können. Dabei ahnen jedoch weder der pensionierte Kriminalist, noch seine berufstätige Partnerin Marlene (Heike Trinker), worauf sich Christiane da eingelassen hat …

Man ist nie zu alt zum Ermitteln

Irgendwann hat alles mal ein Ende – oder auch nicht. Als 2014 die 50. Folge von Stubbe – Von Fall zu Fall im ZDF ausgestrahlt wurde, hieß es eigentlich, dass damit die Krimireihe nun vorbei war. Nach rund 20 Jahren war dann schließlich auch mal genug. So ganz wollte man von der Erfolgsgeschichte aber wohl nicht lassen, weshalb man 2018 mit Tod auf der Insel doch noch mal den erfahrenen Kriminologen auf die Verbrecherwelt los ließ. Der Clou: Dieses Mal ist er inzwischen pensioniert, weshalb er gar nicht mehr als Polizist seinen Fall lösen konnte. Doch wie das so ist bei Leuten, die ihr ganzes Leben ihrer Arbeit gewidmet haben, sie können nicht so leicht wieder davon lassen, weshalb er dann semi-privat ermittelte.

Bei Stubbe: Tödliche Hilfe, dem zweiten Special, ist das ganz ähnlich. Im Gegensatz zum ersten Nachschlag steht hier jedoch Tochter Christiane im Mittelpunkt, die beim letzten Mal völlig fehlte. Sie darf nicht nur wirklich vor Ort ermitteln, sondern kommt dabei auch noch Alex Wolkow (Sebastian Urzendowsky) näher, der ebenfalls in der Pflegeeinrichtung arbeitet. Ohne die Journalistin gäbe es keinen Fall, Stubbe senior wird eher gegen seinen Willen in die Sache hineingezogen. Stattdessen kümmert er sich um seine Enkeltochter, die nach seiner verstorbenen Frau benannt wurde. Damit hat er mehr als genug zu tun, er ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste.

Dieser Familienaspekt ist sympathisch, die Szenen mit der Enkelin irgendwie süß, gerade weil der Opa sich manchmal etwas ungeschickt anstellt. Gemeinsame Szenen zwischen dem Pensionär und der Tochter sind jedoch eher rar gesät, was nach der langen gemeinsamen Vorgeschichte etwas schade ist – zumal Wolfgang und Stephanie Stumph bekanntlich auch im wahren Leben Vater und Tochter sind. So richtig in Erinnerungen schwelgen ist damit nicht angesagt. Dafür gibt es witzige Auftritte, wenn der ehemalige Polizist sich doch noch in Ermittlungen einmischt und damit den tatsächlichen Polizisten Zabel (Stephan Grossmann, Das Quartett: Das Mörderhaus) nervt. Allgemein scheint der alte Stubbe eher für den humorvollen Part vorgesehen zu sein, während es bei Christiane sehr ernst wird – in mehr als einer Hinsicht.

Die Abgründe der Pflege

Als reiner Krimi ist das von Andreas Herzog (Unzertrennlich nach Verona) inszenierte Stubbe: Tödliche Hilfe dabei auch weniger interessant. Dass in der Pflegeeinrichtung etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, das wird schließlich von Anfang an klar gemacht. Die Frage, wer es denn nun genau war, die wird nicht so richtig verfolgt. Dafür kommt der Film natürlich zeitlich nicht ganz unpassend, wenn er ein Schlaglicht auf den chronisch unterfinanzierten Bereich wirft. Schlechte Bezahlung und miese Arbeitsbedingungen sind dort Alltag. Und selbst das reicht nicht aus, um eine solche Einrichtung rentabel zu machen, weshalb da kräftig getrickst wird.

So ganz konnte man sich aber nicht dazu durchringen, das alles auch wirklich zum Thema zu machen. Denn dafür gibt es hier einfach zu viele Personen und Stränge, die berücksichtigt werden müssen. Mal humorvoll, dann wieder tragisch, im einen Moment realistisch, nur um im Anschluss doch überzogen zu sein – wirklich greifbar ist Tödliche Hilfe nicht. Insgesamt ist die Suche nach der Wahrheit aber unterhaltsam. Selbst wenn der Film als Krimi nur zum Teil seinen Zweck erfüllt, die positiven Merkmale überwiegen. Ob es das Special unbedingt gebraucht hätte, darüber kann man sich streiten. Willkommen ist das Wiedersehen aber schon, auch wegen des grundsoliden Ensembles.

Credits

OT: „Stubbe: Tödliche Hilfe“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Andreas Herzog
Drehbuch: Peter Kahane
Musik: Andreas Weidinger
Kamera: Wolfgang Aichholzer
Besetzung: Wolfgang Stumph, Stephanie Stumph, Heike Trinker, Greta Kasalo, Sebastian Urzendowsky, Stephan Grossmann, Oliver Mommsen, Christine Schorn

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Stubbe: Tödliche Hilfe
In „Stubbe: Tödliche Hilfe“, dem zweiten Special zur beliebten Krimireihe, gibt es ein Wiedersehen mit dem Ex-Polizisten und seiner Tochter. Das ist unterhaltsam, wirft auch ein Schlaglicht auf die Missstände im Pflegebereich. Als reiner Krimi ist das jedoch nicht so ganz zu gebrauchen. Außerdem müssen sich Fans darauf einstellen, dass der pensionierte Kriminologe hier eher als Nebenfigur auftritt.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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