Kritik

Jenseits des Todes Surviving Death Netflix

„Jenseits des Todes“ // Deutschland-Start: 6. Januar 2021 (Netflix)

Auch wenn wir alle mit ihm zu tun haben, früher oder später, nur die wenigsten wollen sich tatsächlich mit ihm auseinandersetzen: der Tod. Die Vorstellung, dass andere oder auch man selbst von einem Moment zum nächsten nicht mehr existiert, dass da auf einmal nichts ist, die ist so ungeheuerlich und fürchterlich, dass man lieber erst einmal nichts damit zu tun haben möchte. Aber was wenn das nicht stimmt? Wenn wir uns eine Nicht-Existenz nicht vorstellen können, weil es sie gar nicht gibt? Ideen über ein mögliches Leben nach dem Tod sind so alt wie der Mensch, gerade in den Religionen wurden die unterschiedlichsten Szenarien entworfen, wie es danach weitergehen könnte.

In der Netflix-Dokumentation Jenseits des Todes spielt Religion zwar keine besondere Rolle, einen Hang zum Spirituellen kann man bei der Serie aber kaum abstreiten. In insgesamt sechs Folgen werden dort, basierend auf einem Buch von Leslie Kean, verschiedene Phänomene benannt, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber alle auf ihre Weise auf ein Leben nach dem Tod hinweisen. Da gibt es mehrere Begegnungen mit Medien, welche den Kontakt zu Verstorbenen herstellen wollen. Zwischendurch wird von der Möglichkeit von Geistern gesprochen. Zum Ende lernen wir einen Jungen kennen, der sich an ein vorheriges Leben erinnern will als Phänomen der Wiedergeburt.

Im Gespräch mit Betroffenen

Nun hat ein jenseitiges Dasein ein grundsätzliches Problem: Man kann es von hier aus schlecht beweisen oder widerlegen. Das wiederum hat deutliche Auswirkungen darauf, wie Jenseits des Todes aufgebaut ist. Im Grunde besteht die gesamte Serie nur aus Interviews mit Leuten, die mit einem der Themen in Berührung waren. Das können auch mal Wissenschaftler sein, die ein solches Phänomen untersuchen. In den meisten Fällen handelt es sich aber um die „andere Seite“, also Menschen, die von sich behaupten, solche übernatürlichen und unerklärlichen Erfahrungen gemacht zu haben. Gleich zu Beginn etwa berichten mehrere von Nahtoderfahrungen.

Diesen Aussagen kann man nun glauben oder nicht. Tatsächlich untersucht werden sie kaum. Wenn überhaupt, werden sie nur durch andere Aussagen bestätigt. Aus diesem Grund werden sich mit Sicherheit die Geister an der Serie scheiden: Wer bereits überzeugt oder empfänglich für die angesprochenen Themen ist, findet hier eine Reihe von Gleichgesinnten, die unglaubliche Geschichten zu erzählen haben. Skeptiker wiederum finden genug Anlässe, auch weiterhin an der Existenz von allem zu zweifeln. Das wird sinngemäß in einer Episode auch zugegeben, dass der Bereich sich der Möglichkeit eines endgültigen Beweises entzieht. Wie bei der Religion bleibt einem hier nur die Wahl zwischen Glauben und Nichtglauben.

Glauben oder nicht glauben

Verstärkt wird das durch den besagten Verzicht auf Wissenschaftler, welche alternative Erklärungen für die Ereignisse haben, auf tatsächliche Überprüfungen – die teilweise ohnehin nicht möglich gewesen wären. Dadurch fehlt es hier an Diskussionen, an einem Austausch. Wenn es Ambivalenz gibt, dann nur, wenn die passenden Leute gefunden wurden. In einer Folge zu einem Medium realisieren einige beispielsweise, dass sämtliche Informationen, welche in einer Veranstaltung geteilt wurden, offen im Internet zu finden waren und deshalb kaum als Beleg durchgehen. Andere behaupten zwar von sich, Skeptiker zu sein, machen aber nicht wirklich den Eindruck, als wollten sie das alles unvoreingenommen untersuchen.

Dafür gibt es die eine oder andere rührende Geschichte von Menschen, die enge Angehörige verloren haben und im Übersinnlichen Trost und Hoffnung finden. Jenseits des Todes zeigt an diesen Stellen, dass zumindest der Glaube an das Unnatürliche natürlichen Ursprungs ist, erlaubt er es doch, einen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Dazu gibt es dann dramatische Musik, zum Teil auch auf mysteriös gemachte Bilder, welche sich den Vorwurf der Manipulation gefallen lassen müssen. Darauf kann man sich dann einlassen oder das Ganze ablehnen, insgesamt richtet sich die Serie thematisch bedingt mehr an ein emotional veranlagtes Publikum als an Kopfmenschen.

Credits

OT: „Surviving Death“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Ricki Stern, Jesse Sweet
Vorlage: Leslie Kean
Musik: Paul Brill

Bilder

Trailer

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Jenseits des Todes
Gibt es ein Leben nach dem Tod? „Jenseits des Todes“ präsentiert von Geistern bis zu Wiedergeburt verschiedene Phänomene und Menschen, die damit zu tun hatten. Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Themen findet aber nicht statt, die Serie besteht zum Großteil nur aus Aussagen, die man glauben kann oder nicht.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

3 Responses

  1. max

    Es kommen sehr wohl Wissenschaftler zu Wort in der Doku. Abgesehen davon wird klar gesagt, dass viele der gezeigten Phänomene noch nicht erklärbar sind. Für den Bauern im Mittelalter wäre schnurloses Internet ebenfalls „Magie“ gewesen. Heute ist es für uns Realität.

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  2. Peter

    Ich fand die Doku sehr gut gemacht, sowohl von den Inhalten als auch von der Aufmachung. Ich fand es sehr objektiv und da fast nur Wissenschaftler zu Wort kamen auch für überwiegend rational denkende nicht zu “fantastisch“.
    Jedes der 6 Themen ist für sich schon sehr komplex. Hier zu erwarten, alles in 50 Minuten zu verstehen ist unrealistisch. Für jemanden der noch nicht mit den Themen vertraut ist, kann die Serie jedenfalls zum Nachdenken anregen.
    Allen die das hier lesen kann ich empfehlen, sich durch Bücher weiterzubilden, auch gibt es eine gute Videos darüber im Netz. Inzwischen gibt es so viel gutes Material und ich hoffe das immer mehr Menschen den Mut finden, auch mit anderen über solche Themen zu sprechen.
    Seit ich die tue stelle ich fest, das viel mehr Menschen NTEs oder Zeichen haben als man vermuten würde, und viele sich nicht trauen darüber zu reden.
    Letztendlich stirbt jeder und je mehr Menschen sich damit beschäftigen, um so weniger Ängste haben wir alle in der Gesellschaft.
    Danke am Netflix sich diesem Thema zu widmen!

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  3. Steffen

    Eine typisch amerikanische Laberdokuserie in der nichts wirklich untersucht wird und man am Ende statt Erkenntnisgewinn nur seine zeit vergeudet hat.

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