Kritik

Dreamkatcher

„Dreamkatcher“ // Deutschland-Start: 28. Januar 2021 (DVD/Blu-ray)

Der kleine Josh (Finlay Wojtak-Hissong) lebt mit seinem Vater Luke (Henry Thomas) und dessen neuer Freundin Gail (Radha Mitchell) zurückgezogen auf dem Land. Von Idylle jedoch keine Spur. Nicht nur, dass Josh so gar nicht damit einverstanden ist, dass seine unter tragischen Umständen gestorbene Mutter schon ersetzt wird. Es plagen ihn zudem seltsame Alpträume. Zwar versucht Gail, eine ausgebildete Psychologin, ihn bei seinen Problemen zu unterstützen. Doch der Junge hat eine andere Idee. Als sie eines Tages im Laden von Ruth (Lin Shaye) sind, die alle möglichen esoterischen Objekte aus aller Welt verkauft, lässt Josh unbemerkt einen Traumfänger mitgehen, in der Hoffnung, seinen Alpträumen damit ein Ende zu setzen. Dabei ahnt er nicht, dass der eigentliche Horror damit erst beginnt …

Der Horror liegt im Detail

Moment, müsste der Titel nicht mit einem „c“ geschrieben werden? Dass die Schreibweise etwas eigenwillig ist, das war man sich hier natürlich bewusst, weshalb es zu Beginn ein paar einleitende Infotexte gibt, welche die Unterschiede zwischen „Dreamcatcher“ und „Dreamkatcher“ erklären. So richtig überzeugend sind diese nicht. Man hätte sogar komplett darauf verzichten können. Vielleicht entschied man sich aber auch deshalb dafür, erst einmal orthographisch aufmerksamen Zuschauern und Zuschauerinnen einen riesigen Schrecken einzujagen, weil ansonsten die Ideen fehlten. Oder anders gesagt: Der falsch geschriebene Titel ist so ziemlich das einzig Bemerkenswerte an dem Film.

Schon das Szenario an sich ist nicht unbedingt Ausdruck kreativer Überarbeitung. Eine Familie zieht aufs Land, wo bald unheimliche Dinge geschehen. Und auch die Konstellation, dass da jemand ein verstorbenes Elternteil ersetzt und damit bei den betroffenen Kindern für jede Menge Frust sorgt, ist alles andere als preisverdächtig. Von besessenen Kindern ganz zu schweigen. Parallelen zu kürzlich erschienenen Konkurrenztiteln wie Brahms: The Boy II und The Lodge drängen sich auf. Und zu Dutzenden anderen Titeln. Die Liste an Filmen, die mit ähnlichen Elementen ist lang. Sehr lang.

Wobei Horrorfilme natürlich nicht zwangsläufig originell sein müssen. Gerade bei den erfolgreicheren Titeln der letzten Jahre war schon sehr viel Kram dabei, der ungeniert und unmotiviert in der Mottenkiste geklaut hat. Wichtig ist dafür die Umsetzung: Wenn man schon klaut, sollte es wenigstens gut sein. Und gut bedeutet in diesem Genre gewöhnlich, dass man dabei schön mitzittern darf. Doch eben das will bei Dreamkatcher so gar nicht funktionieren. Das bedeutet nicht, dass bei dem Film nichts passieren würde. Es passiert eigentlich dauernd irgendwas. Nur bringt das herzlich wenig, wenn nichts davon auch nur annähernd interessant ist.

Beliebig und langweilig

Die Tristesse beginnt schon bei den nur wenig einladenden, schlampig gezeichneten Figuren. Die dürfen sich nicht nur willkürlich bis dümmlich verhalten und damit die schlimmsten Klischees des Genres bestätigen. Sie sind nicht einmal sympathisch genug, damit man ihnen das verzeiht. Die Geschichte an sich bietet dabei mit den tragischen Ereignissen eigentlich schon das Fundament, um daraus etwas Emotionales zu machen. Ein Junge, der seine Mutter verloren hat? Eine potenzielle Stiefmutter, die ihm bei der Verarbeitung dieses Traumas helfen möchte? Das ist schon Stoff, mit dem man etwas anfangen kann. Stattdessen sind die Leute so nervig, dass man vielmehr den dunklen Mächten die Daumen drückt. Daran kann auch Genreveteranin Lin Shaye (Insidious) nichts ändern, die als wirre, offensichtlich der Teleportation fähigen Krämerin keinen guten Eindruck hinterlässt.

Wenn denn wenigstens die Horrorszenen etwas taugen würden. Leider fehlen Regisseur Kerry Harris, der auch die Idee zur Geschichte hatte, aber die filmischen Mittel. Die Alptraumszenen sind völlig ohne visuelles Flair, der Film verlässt sich auf billigste, zum Teil sehr dreiste Jump Scares. Teils mehrfach hintereinander. Man muss dem Ensemble zugutehalten, dass es zumindest versucht, etwas aus dem Ganzen herauszuholen. Nachwuchsschauspieler Finlay Wojtak-Hissong (The Kindness of Strangers – Kleine Wunder unter Fremden) darf zum Beispiel manchmal richtig aus sich herausgehen. Nur reicht das nicht, um Dreamkatcher tatsächlich sehenswert zu machen, dessen fortlaufende Langeweile nur durch das abrupte Ende unterbrochen wird.

Credits

OT: „Dreamkatcher“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Kerry Harris
Drehbuch: Dan V. Shea
Musik: Joseph Bishara
Kamera: George Wieser
Besetzung: Radha Mitchell, Finlay Wojtak-Hissong, Henry Thomas, Lin Shaye

Bilder

Trailer

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Dreamkatcher
Ein Junge wird nach dem Tod seiner Mutter von Alpträumen heimgesucht, ein esoterisches Objekt soll ihm helfen und macht alles nur schlimmer. „Dreamkatcher“ häuft dabei nicht nur Klischees ohne Ende an, auch bei der Umsetzung gibt es große Defizite. Das Ensemble kämpft zwar zum Teil gegen das schwache Drehbuch an, kann aber nicht verhindern, dass am Ende nur Langeweile herausspringt.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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