Kritik

30 Grad unter Null Gefangen im Schnee

„30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee“ // Deutschland-Start: 7. Januar 2021 (DVD/Blu-ray)

Als das Wetter sich rapide verschlechtert und ein Schneesturm aufzieht, beschließen Matt (Vincent Piazza) und Naomi (Genesis Rodriguez), lieber nicht mit dem Wagen weiterzufahren, sondern die Nacht am Straßenrand zu verbringen. Zu ihrem großen Entsetzen müssen sie aber am nächsten Morgen feststellen, dass sie völlig eingeschneit sind. Sie können weder weiterfahren noch die Türen öffnen, auch ihre Handys streiken. Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als im Auto auszuharren und auf Hilfe oder besseres Wetter zu hoffen. Doch die Zeit drängt. Nicht nur, dass ihre Vorräte knapp sind und sie nicht wissen, wie lange sie den eisigen Temperaturen gewachsen sind. Naomi ist zudem hochschwanger …

Gefangen an einem Ort

Filme leben – neben offensichtlichen Faktoren wie einer guten Geschichte und interessanter Figuren – auch von den Schauplätzen. Das gilt insbesondere, wenn es nur einen einzigen Schauplatz gibt, an dem die Charaktere und damit auch das Publikum gefangen sind. Im Fall von 30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee ist dieser Schauplatz besonders sparsam: Nahezu der komplette Film spielt im Inneren des Wagens. Nur dann und wann wagt Regisseur Brendan Walsh, der auch das Drehbuch mitgeschrieben hat, einen kurzen Blick auf die Umgebung des eingeschneiten Autos. Viel zu sehen gibt es dort außer Weiß aber nicht. Im Inneren gibt es nicht einmal das, da kaum Tageslicht hineinfällt, andere Lichtquellen aus naheliegenden Gründen keine Option sind.

Umso erstaunlicher ist, dass der Film gleich mittendrin einsteigt. Während andere Katastrophenfilme normalerweise eine Vorgeschichte haben, um sowohl das Szenario wie auch die Figuren vorzustellen, da beginnt 30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee mit der erschreckenden Erkenntnis, begraben zu sein. Der Schock beim Ehepaar ist verständlicherweise groß. Als Zuschauer ist man jedoch, sofern man nicht vorher etwas über den Film gelesen hat, erst einmal etwas verwirrt. Wer sind diese Leute? Was machen die da? Und warum ist das so dunkel hier? Während der letzte Punkt noch relativ schnell geklärt wird, braucht es bei den anderen schon deutlich länger.

Dabei ist es durchaus mutig von Walsh und seinem Co-Autor Daley Nixon, dies so geradlinig durchziehen zu wollen. Wo andere, sofern sie eben nicht die Vorgeschichte zeigen, vielleicht auf Flashbacks zurückgegriffen hätten, um die Lücken zu füllen, da geschieht das hier nur über die Dialoge. Leider sind die beiden dieser sich selbst auferlegten Aufgabe jedoch nicht wirklich gewachsen. Dann und wann kommen zwar neue Informationen hinzu, wer die zwei sind und was sie hierher geführt hat. Diese bleiben aber spärlich, bis zum Schluss entwickelt sich kein echtes Gefühl dafür, mit wem man denn da anderthalb Stunden eingesperrt ist.

Beklemmend, aber nicht wirklich spannend

Das wäre weniger tragisch, wenn denn der Rest dafür fesseln würde. Aber auch das gelingt nur mäßig. Das ist durchaus durch das Szenario mitbedingt. Andere Survivalthriller, darunter der ebenfalls frostige Arctic, leben davon, wie Figuren gegen die Bedingungen ankämpfen, Neues ausprobieren, mal mit Erfolg, mal ohne. Bei 30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee ist das keine Option. So gibt es zwar die Grundsatzfrage, ob man ausharren oder lieber versuchen sollte, die Scheibe einzuschlagen und irgendwie rauszukommen. Doch am Ende fällt die Entscheidung fürs Ausharren, womit alle Beteiligten dazu verdammt sind, einfach darauf zu warten, dass irgendwas passiert.

Doch es mangelt eben an Ereignissen. Der Ablauf ist so eintönig und ereignislos, dass man schnell jegliches Zeitgefühl verliert. Damit hätte man spielen können, mit der zunehmenden psychischen Belastung. Stattdessen werden einfach nur Tage eingeblendet, die veranschaulichen sollen, dass die Zeit durchaus voranschreitet, selbst wenn man das nicht sieht. Sicher, zwischendurch wird mal gestritten, alte Vorwürfe werden ausgepackt, man bekommt eine Ahnung, dass in der Ehe so manches nicht gepasst hat. Aber das ist am Ende alles zu wenig. So vielversprechend das Setting war, so unangenehm der Anblick einer bedrückenden Dunkelheit, aus der es kein Entkommen gibt: 30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee wird nie so spannend oder so bewegend, wie man es bei einer solchen Geschichte erwarten sollte.

Credits

OT: „Centigrade“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Brendan Walsh
Drehbuch: Brendan Walsh, Daley Nixon
Musik: Trey Toy, Matthew Wang
Kamera: Seamus Tierney
Besetzung: Vincent Piazza, Genesis Rodriguez

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30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee
Wenn in „30 Grad unter Null – Gefangen im Schnee“ ein Ehepaar in einem eingeschneiten Auto feststeckt und nicht mehr heraus kann, verspricht das viel Spannung. Das Ergebnis ist jedoch deutlich bescheidener. Auch wenn der Schauplatz unangenehm ist, fesselt der Survivalthriller nie so wirklich, was einerseits an den distanzierten Figuren, aber auch an der Ereignislosigkeit liegt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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