Kritik

Der Pate Teil II Godfather

„Der Pate II“ // Deutschland-Start: 25. September 1975 (Kino) // 6. Oktober 2008 (DVD/Blu-ray)

Mit der Ernennung Michael Corleones (Al Pacino) zum Paten, zum Oberhaupt der Familie Corleone und all ihrer Geschäftszweige wird ein neues Kapitel in der Familiengeschichte aufgeschlagen, denn während ein Teil in New York City verbleibt, ziehen Michael, Kay (Diane Keaton), ihre Kinder sowie viele weitere Mitglieder der Corleones auf ein großzügiges Anwesen in die Sierra Nevada, von wo aus Michael sein Versprechen gegenüber Kay erfüllen will, legale Geschäfte zu führen und jedwede Verbindung zur Kriminalität aufzugeben. Unter Mithilfe seines Adoptivbruders und Consigliere Tom Hagen (Robert Duvall) will er sowohl in Las Vegas wie auch in Havanna, Kuba ins Kasinogeschäft einsteigen. Jedoch sind die Verhandlungen alles andere als erfolgreich, denn während der US-Senator, der Michael die nötige Lizenz für Las Vegas ausfüllen kann, ihm dies verweigert, sind auch die Verhandlungen mit Hyman Roth (Lee Strasberg), einem jüdischen Gangster, der die Unterwelt Miamis kontrolliert und Verbindungen nach Kuba hat, alles andere als einfach. Parallel versetzt uns der Film in die Vergangenheit, als der junge Vito Corleone (Robert der Niro), der als kleines Kind vor der sizilianischen Mafia flüchtete, in den Straßen New York Citys versucht, seine Familie zu ernähren. Dort lernt er nicht nur einige eher zwielichtige Gestalten kennen, sondern auch Don Fanucci (Gastone Moschin), der das Viertel Little Italy kontrolliert und Schutzgeldzahlungen von den Geschäftsleuten kassiert. Empört darüber, wie dieser seine eigenen Landsleute ausnutzt, fasst Vito den Plan, Fanucci nicht nur ein Ende zu setzen, sondern selbst zum neuen Don aufzusteigen.

Teile derselben Heuchelei
Noch bevor der erste Teil in die Kinos kam, begann Mario Puzo an der Arbeit am Drehbuch zu dessen Fortsetzung, welche eben jene Teile beinhalten sollte, welche es nicht in den ersten Film schafften, insbesondere die Geschichte des jungen Vito Corleone. Nach dem Erfolg von Der Pate waren die Produzenten mehr als bereit, Francis Ford Coppola etwas mehr Freiheit bei der Adaption von Puzos Drehbuch zu genehmigen, sodass gerade die Szenen in New York um die 1910er Jahre besonders aufwändig gestaltet wurden. Coppola, ein großer Freund des Theaters, beabsichtigte die shakespeareschen Elemente des ersten Teils zu verstärken und die Geschichte vom beginnenden Zerfall der Corleones unter Michaels Ägide zu zeigen. Entstanden ist dabei ein Werk, welches für viele den ersten Teil in allen Belangen übertrifft und das große Drama einer Familie erzähl, von Verrat, Mord und einem Traum, der Vater und Sohn vereint.

Abermals ist es ein Fest, in diesem Falle die Konfirmation von Michaels jüngstem Sohn, die den Film einleitet und ähnlich verläuft wie die Hochzeit Conny Corleones (Talia Shire) im Vorgängerfilm. Während draußen das Fest in vollem Gange ist, bemerkt man schnell, wie sich die Familie verändert hat hin zu einem Betrieb, in welchem Michael seine Gäste behandelt wie Klienten, was gerade den aus New York eingeflogenen Teilen der Familie sehr merkwürdig vorkommt. Michael, wie auch jene unter ihm, befinden sich nicht länger auf den Straßen, welche das Revier des jungen Vito Corleone sind, sondern haben sich von ihr emanzipiert, verhandeln jetzt mit Politikern und anderen einflussreichen Menschen. Doch in deren Sphäre sind sie noch längst nicht willkommen, wie Michael sogleich von einem Senator zu hören bekommt, ein weiterer aalglatter Geschäftsmann, der den Scheck Connys annimmt, aber im Hinterzimmer über die wahren Geschäfte spricht und die Exklusivität wie auch die Ressentiments gegenüber den „Fremdlingen“ klarmacht.

Die Feststellung Michaels, sie seien letztlich beide Teil derselben Heuchelei, kann als Motto jener Grauzone gelten, die Coppola in seinem Film zeigt. Es ist eine Welt der Kontraste, nicht nur der zwischen der Welt des Vaters und der des Sohnes, sondern zwischen Geschäft und Familie, Verrat und Loyalität, teils also Aspekte, welche Michael geschworen hat zu verbinden, aber sich immer tiefer in einen Morast aus Korruption und Gewalt begibt, dessen Urheber nur er selbst ist. Al Pacino geht eine geradezu schreckliche Verwandlung als Michael durch, trägt immer mehr das versteinerte Gesicht eines Geschäftsmannes und verliert mehr und mehr seine Menschlichkeit, eine Veränderung, die noch grauenvoller ist, vollzieht sie sich doch vor den Augen seiner Kinder und seiner Frau, welche versucht, zu ihm durchzukommen, aber sich bewusst ist, dass dies eine Verwandlung ist, die unaufhaltsam scheint. Wie König Ödipus geht Michael seinem Untergang entgegen.

Der Traum von Amerika
Jedoch geht es nicht nur um eine Familie, sondern auch um jene Vision von einer besseren Zukunft. Als der neunjährige Vito zum ersten Mal die Freiheitsstatue erblickt, zusammen mit vielen anderen Einwanderern, die schon bald die unerbittliche Menschenmühle in Ellis Island über sich ergehen lassen müssen, ist dies ein Moment der Klarheit, ein Augenblick der Hoffnung und des Neuanfangs, auch wenn wir den kleinen Jungen wenig später in einer Zelle sehen. Die Gegenüberstellung der beiden Geschichte, der des Sohnes und der des Vaters, sind nicht nur Elemente eines Dramas, sondern Facetten eines Traumes, der zwei Seiten in sich trägt und bereits durch seine Definition jene Grauzone einschließt, in die sowohl Vater als auch Sohn eintreten. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass die Welt der Straße noch wesentlich übersichtlicher ist als jene, in die Michael sich später begibt und in der er sich verliert.

Wie sehr dieser Traum von einer Zukunft und der Familie abhandenkommt, sieht man besonders in der Beziehung Michaels zu seinem Bruder Fredo. Während der Fokus auf den einzelnen Darstellern in einem Ensemblefilm wie Der Pate – Teil II sich oftmals verliert, muss man spätestens in der Fortsetzung die oscarwürdige Leistung eines John Cazale anerkennen, eines Darstellers, der leider früh verstarb, aber in jeder seine Rollen zu überzeugen wusste. Ist für seine Brüder der Aufstieg in der Familie wie auch der Gesellschaft zum Greifen nah, bildet Fredo das fünfte Rad am Wagen, fühlt sich überflüssig, wie er an einer Stelle sagt, und bildet, zusammen mit Kay, Tom und seiner Mutter die letzte Verbindung zu jenen Werten der Familie, von der die Geschichte des jungen Vitos noch erzählt. Die Distanz der beiden Brüder wird jedoch immer größer, unüberbrückbar, so scheint es, definiert von den abschätzigen Blicken Michaels, der das Leiden seines Bruders nicht erkennt und in ihm nur noch einen betrunkenen Clown sieht.

Credits

OT: „The Godfather Part II“
Land: USA
Jahr: 1974
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Musik: Nino Rota, Carmine Coppola
Kamera: Gordon Willis
Besetzung: Al Pacino, Diane Keaton, Robert De Niro, John Cazale, Lee Strasberg, Talia Shire, Robert Duvall,  Gastone Moschin

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1975 Bester Film Sieg
Beste Regie Francis Ford Coppola Sieg
Bestes adaptiertes Drehbuch Francis Ford Coppola, Mario Puzo Sieg
Bester Hauptdarsteller Al Pacino Nominierung
Bester Nebendarsteller Robert De Niro Sieg
Bester Nebendarsteller Michael V. Gazzo Nominierung
Bester Nebendarsteller Lee Strasberg Nominierung
Beste Nebendarstellerin Talia Shire Nominierung
Bestes Szenenbild Dean Tavoularis, Angelo P. Graham, George R. Nelson Sieg
Beste Musik Nino Rota, Carmine Coppola Sieg
Beste Kostüme Theadora Van Runkle Nominierung
BAFTA Awards 1976 Bester Hauptdarsteller Al Pacino Sieg
Bester Nachwuchsdarsteller Robert De Niro Nominierung
Beste Musik Nino Rota Nominierung
Bester Schnitt Peter Zinner, Barry Malkin, Richard Marks Nominierung
Golden Globe Awards 1975 Bester Film – Drama Nominierung
Beste Regie Francis Ford Coppola Nominierung
Bestes Drehbuch Francis Ford Coppola, Mario Puzo Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Drama Al Pacino Nominierung
Bester Nachwuchsdarsteller Lee Strasberg Nominierung
Beste Musik Nino Rota Nominierung

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Der Pate II
„Der Pate II“ ist eine großartige Fortsetzung, ein monumentales Familiendrama über Verrat, Mord und den amerikanischen Traum. Bis in die Nebenrollen toll besetzt, detailreich inszeniert und ausgestattet ist Francs Ford Coppola ein weiteres Meisterwerk gelungen, an welches viele Filme versucht haben heranzukommen, das aber nach wie vor eine Liga für sich bildet.
10von 10

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