Kritik

30 Days of Night

„30 Days of Night“ // Deutschland-Start: 8. November 2007 (Kino) // 1. Juli 2010 (DVD/Blu-ray)

Wie jedes Jahr im Winter bereitet sich die kleine Gemeinde Barrow in Alaska auf die 30 Tage vor, in denen die Sonne nicht scheinen wird. Nur eine Handvoll Einwohner verbleiben in der Stadt, unter ihnen Eben Oleson (Josh Hartnett), der Sheriff Barrows, welcher während dieser schwierigen Zeit für Ruhe und Ordnung sorgen muss. Am Tag vor dem letzten Sonnenuntergang häufen sich aufgerechnet die merkwürdigen Ereignisse, denn neben einer hohen Anzahl gestohlener Mobiltelefone muss Eben noch in einer ganzen Reihe anderer Fälle von Vandalismus ermitteln. Zudem sorgt das Eintreffen eines Fremden (Ben Forster) für Unruhe, der, nachdem er wegen Ruhestörung von Eben ins Gewahrsam genommen wurde, davon spricht, dass „sie“ bald eintreffen werden. Nachdem dann auch noch der Strom in Barrow ausfällt und die Einwohner damit von der Außenwelt abgeschnitten sind, erscheinen die, von denen der Fremde gesprochen hat. Eine Gruppe Vampire, angeführt von einem Mann namens Marlow (Danny Huston), streift durch Barrow und mordet sich brutal durch die Reihen der Bewohner, von denen schon nach wenigen Stunden nur noch eine Handvoll bleibt. Zusammen mit seiner Frau Stella (Melissa George), die nach ihrer Trennung auf dem Weg zu Flughafen war, gelingt es Eben mit einer kleinen Gruppe Überlebender sich zu verstecken. Doch in der Nacht sind die Blutsauger wegen ihrer Kraft und Schnelligkeit klar im Vorteil und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auf das Versteck aufmerksam werden. Eben und die anderen müssen schnell handeln, wenn sie die 30 Tage Nacht überleben wollen.

Gnadenlose Jagd
Als er mit seiner Idee für 30 Days of Night bei Verlagen vorstellig wurde, wollte zunächst keiner was von der Vampirgeschichte, die in einer von der Außenwelt abgeschnittenen Gemeinde Alaskas spielt, hören, weshalb Autor Steve Niles von seinem ursprünglichen Plan abwich und die Idee als Film verkaufte. Dann jedoch fand sich mit IDW Publishing ein Verlagshaus für den Comic, was aber nicht hieß, dass die Idee einer Verfilmung damit ad acta gelegt wurde, ganz im Gegenteil, denn schließlich interessierte sich unter anderem Regisseur und Produzent Sam Raimi (Tanz der Teufel) für die Rechte an der Geschichte. Die Regie bei 30 Days of Night wurde dann an David Slade übergeben, der mit seinem Spielfilm Hard Candy dabei war, einiges Kritikerlob zu kassieren.

Besonders auf ästhetischer Ebene ist die Vorlage aus der Feder Steve Niles nicht zuletzt wegen der Welt, die er zusammen mit Illustrator Ben Templesmith geschaffen hat, faszinierend. Die stark stilisierte Darstellung der Figuren sowie ihrer Welt macht 30 Days of Night wie auch die Nachfolgebände zumindest hinsichtlich der Bildsprache interessant, auch wenn die Geschichte nicht immer auf demselben Niveau ist. Die Verfilmung lehnt sich freilich an dieser Ästhetik an, was man gerade an den Vampiren sieht wie auch dem Design der Gemeinde Barrow. Angeführt von einem wahrlich furchteinflößenden Danny Huston als Marlow haben diese Vampire nichts gemein mit jenen dunklen Kreaturen adliger Herkunft, wie sie Bram Stoker zeigt, oder die glitzernden Teenie-Schwärmen, mit denen sich David Slade bei seinem Beitrag zu Twilight-Saga herumschlagen durfte. Dies sind Jäger und Killer, die ihre Gelegenheit abwarten, den Moment der Jagd genießen, meist im Rudel jagen und sich sogar Zeit nehmen, mit ihrer Beute zu spielen.

Als Marlow setzt der immer oft für Nebenrollen besetzte Danny Huston viele gute schauspielerische Akzente. Trotz oder gerade wegen des Vampir-Make-ups interpretiert er Marlow als einen Anführer, der keine Widerrede duldet, übermächtig und grausam wirkt. Sein Auftritt ist, neben einigen wenigen anderen Punkten, ein Pluspunkt dieser Verfilmung, die ansonsten wenig Akzente, die über die Vorlage hinausgehen, setzt.

Abgeschnitten und verzweifelt
Ein weiterer, wichtiger Faktor für sowohl Vorlage als auch Film ist die Abgeschnittenheit der Welt, in der sich die Geschichte abspielt. Die weiße Wüste Alaskas wirkt weniger wie die Freiheit, für die viele der Einwohner Barrows in den Norden gezogen sind, sondern eher klaustrophobisch und gnadenlos, das perfekte Revier für jene Blutsauger, die sich sichtlich wohl in dieser lebensfeindlichen Welt fühlen. Zusätzlich betont die Inszenierung der Innenräume den Eindruck der Abgeschiedenheit, reduziert sie merklich den Bewegungsspielraum der menschlichen Figuren, welche immer verzweifelter agieren.

Das Wechselspiel der Emotionen, von Hoffnung bis hin zu tiefer Verzweiflung und Trauer, spiegeln sich im Gesicht eines Darstellers wie Josh Hartnett wider, der in 30 Days of Night einmal mehr seine Qualitäten als Hauptdarsteller abruft, die leider viel zu wenig von anderen Regisseuren genutzt werden. Alleine seine Dialoge mit dem wie immer rustikal auftretenden Mark Boone Junior sind schauspielerisch enorm interessant, zeigen sie zum einen die Dynamik der Figuren untereinander, aber auch, wie jemand wie Eben seine Rolle als Sheriff interpretiert, der straft, aber auch immer das Wohl der Gemeinde im Auge hat.

Credits

OT: „30 Days of Night“
Land: USA, Neuseeland
Jahr: 2007
Regie: David Slade
Drehbuch: Steve Niles, Stuart Beattie, Brian Nelson
Vorlage: Steve Niles, Ben Templesmith
Musik: Brian Reitzell
Kamera: Jo Willems
Besetzung: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster, Mark Boone Junior

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30 Days of Night
David Slades Verfilmung des Comics „30 Days of Night“ ist ein solider Horrorfilm, dessen positiven Aspekte sich vielfach von dessen Vorlage ableiten. Über diese hinaus sind es vor allem Darsteller wie John Hartnett, Danny Huston und Melissa George, die Slades Film über den Durchschnitt heben und sehenswert machen.
6von 10

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