Kritik

We Bare Bears Der Film The Movie

„We Bare Bears: Der Film“ // Deutschland-Start: 21. November 2020 (Cartoon Network)

Klar hatten sich Grizz, Panda und Eisbär gewünscht, berühmt zu sein. Doch das Ergebnis hatten sie sich etwas anders vorgestellt. Während ihre Versuche, Internetstars zu werden, bislang kläglich gescheitert sind, bringen sie immer wieder die Menschen gegen sich auf, als sie Mal um Mal für Chaos sorgen. Als sie erneut an einem Video arbeiten, welches ihnen endlich den medialen Durchbruch ermöglichen soll, endet dies in einem absoluten Desaster – und einem Stromausfall in der ganzen Stadt. Während die Einwohner und Einwohnerinnern noch darüber diskutieren, was die gerechte Strafe für die drei Problembären sein soll, taucht der Wildtier-Kontrolleur Agent Trout auf. Sein Urteil: Die drei müssen weggesperrt werden, wie alle Wildtiere, die Ärger machen. Aber noch bevor es so weit kommt, sind die Bären auf der Flucht, in der Hoffnung, in Kanada eine neue Heimat zu finden …

Das Ende einer unerwarteten Reise
Als Daniel Chong vor rund zehn Jahren das erste Mal die drei Bären zeichnete, deren Merkmal es ist, aufeinander gestapelt zu sein, dann war das eigentlich nur als kleine Albernheit geplant. Doch es wurde mehr draus, viel mehr: Nach einem kurzen Auftritt als Web-Comic wurden sie im Rahmen von We Bare Bears zu Stars, auf 140 Episoden brachte es die Animationsserie. Die hat mittlerweile ein Ende gefunden. Dafür gibt es ein letztes Wiedersehen mit dem Braunbär, dem Pandabär und dem Eisbär in Form eines eigenen Films. Der war ursprünglich zwar gar nicht als Finale gedacht, ist aber dennoch zu einem würdigen und schönen Abschluss der Hitserie geworden.

Die Zielgruppe des Films ist dabei wie schon bei der Serie jünger angelegt. Wenn die drei Bären überall Chaos anrichten, wo sie hinkommen, dann bedeutet das guten, altmodischen Slapstick-Spaß. Klar sind die Ereignisse übertrieben, ergeben oft keinen Sinn. Aber das sollte man bei einer Geschichte, in der Braun-, Panda- und Eisbären zu einer Familie werden, auch nicht unbedingt erwarten. Chong und sein Team erfreuen sich daran, dass vieles hier unbekümmert albern bis blödsinnig ist. Sie lassen Autos explodieren, wenn es gerade passt, Videos legen eine ganze Stadt lahm. Von dem vermenschlichten Verhalten der Tiere ganz zu schweigen.

Viele erwachsene Themen in kindlicher Verpackung
Doch das heißt nicht, dass We Bare Bears: Der Film nur belanglose Beschallung für die Kleinen ist. Vielmehr ist es bemerkenswert, wie viele wichtige und erwachsene Themen ihren Weg in die Geschichte gefunden haben. Manche davon greifen die Erfahrungswelt der jungen Zuschauer und Zuschauerinnen auf, etwa den Umgang mit sozialen Medien und der Druck von anderen gemocht zu werden. Aber auch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur spielt eine Rolle, die Frage, wie das Zusammenleben mit Tieren aussehen kann und soll. Der größte inhaltliche Posten betrifft das Thema der Einwanderung: Klar von den fremdenfeindlichen Tendenzen der USA beeinflusst, die von oberster Stelle befeuert wurden, greift das Abenteuer so kontroverse Vorkommnisse wie die Trennung von Familienmitgliedern an der Grenze auf oder die menschenunwürdige Einsperrung von Kindern.

Das Zielpublikum wird diese anklagenden bis satirischen Elemente, die Chong immer wieder einbaut, eher nicht mit der Welt da draußen in Einklang bringen können. Dafür haben die Eltern, die vielleicht beim Anschauen danebensitzen, noch etwas, worüber sie nachdenken können. So oder so: We Bare Bears: Der Film ist ein warmherziges Plädoyer für mehr Offenheit, gerade auch Menschen – oder eben Tieren – gegenüber, die anders sind. In der Welt des Animationsfilms gibt es für sie alle einen Platz. Das ist natürlich idealisierend, aber auch sympathisch, in konfrontativen Zeiten wie diesen eine willkommen inklusive Wohltat. Und auch wenn man zum Schluss ein bisschen traurig darüber sein darf, dass wir uns von den Bären verabschieden müssen, der witzig-warmherzige Auftritt ist ein schönes Abschiedsgeschenk, der Unterhaltungsfaktor und Nachdenklichkeit miteinander verknüpft.

Credits

OT: „We Bare Bears: The Movie“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Daniel Chong
Drehbuch: Christina Chang, Daniel Chong, Alex Chiu, Manny Hernandez, Yvonne Hsuan Ho, Quinne Larsen, Sang Yup Lee, Sooyeon Lee, Charlie Parisi, Lauren Sassen, Sarah Sobole, Louie Zong
Musik: Brad Breeck

Bilder

Trailer

Interview

Daniel ChongWie ist er damals eigentlich auf die drei Bären gekommen? Und wie ist es für ihn, sich nach vielen Jahren von ihnen verabschieden zu müssen? Diese und weitere Fragen haben wir Daniel Chong in unserem Interview gestellt, der die Publikumslieblinge erfunden und bei ihrem Spielfilmdebüt Regie geführt hat.

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We Bare Bears: Der Film
„We Bare Bears: Der Film“ beginnt mit Berühmtheitswahn, führt über viel Chaos zu einem Wohlfühl-Ende, das der beliebten Serie würdig ist. Der Animationsfilm besteht einerseits aus viel Slapstick, verbindet dies aber mit einer Reihe gesellschaftlich relevanter Themen wie Naturschutz, sozialer Druck und Einwanderung und wird dabei zu einem warmherzigen Plädoyer für mehr Offenheit.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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