Drei Bären auf großer Reise: Was als kleiner Webcomic begann, wurde bald zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte. 140 Folgen auf vier Staffeln verteilt umfasst die Animationsserie We Bare Bears, welche von den täglichen Abenteuern eines Grizzlies, eines Eisbären und eines Pandas erzählt. Diese hat inzwischen ein Ende gefunden. Doch zum Abschluss gibt es mit We Bare Bears: Der Film (TV-Premiere: Cartoon Network Deutschland am 21. November 2020) noch einmal eine Möglichkeit, die drei Publikumgslieblinge auf einer großen Reise zu begleiten. Wir haben Daniel Chong, der die drei Bären erfunden hat und mit dem Film sein Regiedebüt abgibt, zu der Arbeit an dem Finale befragt, über eigene Inspirationen und wie es in Zukunft weitergeht.

Die drei Bären von We Bare Bears haben inzwischen eine bewegte Karriere hinter sich. Bereits vor zehn Jahren sind sie das erste Mal aufgetaucht, damals in deinem Webcomic. Kannst du uns etwas zu der Entstehungsgeschichte der Figuren erzählen?
Ich wünschte, ich hätte da eine ganz spannende Entstehungsgeschichte für dich. Tatsächlich habe ich damals aber nur etwas herumgealbert und aus einer Laune heraus die Figuren gezeichnet. Es waren von Anfang an ein Grizzlybär, ein Eisbär und ein Panda, die übereinander gestapelt waren. Dass aus diesem spontanen Einfall später mal etwas Großes wird, mit einer Fernsehsendung und einem Film, das ist schon ziemlich verrückt. Es gibt da keinen tieferen Sinn oder irgendeine Logik.

Also hast du auch keinen besonderen Bezug zu Bären?
Beim Zeichnen damals habe ich nicht groß darüber nachgedacht. Aber ich bin in einem Gebiet aufgewachsen, in dem es viele Bären gab. An meinem College waren überall irgendwelche Motive mit Bären. Vielleicht hat mich das unbewusst beeinflusst.

Bei der Serie We Bare Bears ist jetzt nach vier Staffeln Schluss, der Film ist das Finale. Warum wird die Serie nicht fortgesetzt?
Es wurde beim Studio die Entscheidung getroffen, dass die Serie sich weiterentwickeln soll. Sie lieben die Serie noch immer. Aber nach 140 Episoden war es doch genug und Zeit für etwas Neues. Deswegen wird bereits an einem Spin-off gearbeitet, der die drei Bären als Jungtiere zeigt. Ich denke, dass es auch die richtige Entscheidung war, weil ich ansonsten die Serie so lange weitergemacht hätte, bis sie keiner mehr sehen will. (lacht) So aber haben wir mit dem Film einen passenden Schlusspunkt, weil er die Themen der Serie aufgreift und einen schönen Abschluss dafür findet.

Und wie fühlt es sich für dich an, dich von den Bären verabschieden zu müssen, die dich viele Jahre begleitet haben?
Das war schon hart. Ich habe sechs Jahre lang praktisch nichts anderes gemacht und bin sehr stolz auf das, was wir da geschaffen haben. Da steckte ja ein ganzes Team dahinter, das auch wirklich zu einer Gruppe zusammengewachsen war. Leute, mit denen ich über Jahre eng zusammengearbeitet habe. Das wird mir schon fehlen. Aber es ist auch schön zu sehen, wie viel die Bären den Menschen da draußen bedeuten und dass sie nicht vergessen werden. Und es ist großartig, wie die Figuren in einer anderen Form fortgesetzt werden, während ich selbst wieder etwas Neues ausprobieren kann.

Zunächst gibt es für uns aber erst noch den Film. Wie war es für dich, an diesem zu arbeiten? Zum einen ist ein Film doch noch mal etwas anderes als eine Serie. Außerdem gibst du damit dein Regiedebüt.
Es war tatsächlich ein großer Sprung für mich. Wenn du eine Folge drehst, die nur elf Minuten dauert, kannst du dir auch mal Fehler erlauben, weil das Publikum nicht viel Zeit investieren muss. Bei einem Film, der über eine Stunde geht, ist der Druck deutlich höher. Wenn da etwas nicht funktioniert, schalten die Leute eher wieder aus als bei einer Serie. Nervös war ich aber nicht, da ich schon an vielen Filmen mitgearbeitet habe. Genauso Manny Hernandez, mit dem ich an dem Film gearbeitet habe. Wir kommen beide von Pixar. Wir wussten deshalb beide, dass es nicht einfach wird, wussten aber gleichzeitig ungefähr, was uns erwarten wird. All die Probleme, die bei einem solchen Film auftreten können, die Fehler und Trial-and-Error-Momente, die Schwierigkeiten beim Schreiben, das passierte auch bei unserem Film. Das gehört einfach dazu, das war bei Pixar nicht anders.

Aber ihr seid zufrieden damit, wie der Film am Ende wurde?
Absolut, wir sind sehr stolz auf den Film.

Wie lief denn die Entwicklung der Geschichte ab? Bei einem Film habt ihr einerseits sehr viel mehr Möglichkeiten. Gleichzeitig müsst ihr aber auch einen Abschluss für die Serie finden, weil die Geschichte danach nicht mehr weiter erzählt werden kann.
Als wir mit dem Film angefangen haben, stand noch gar nicht fest, dass er der Abschluss der Serie sein würde. Das stellte sich erst heraus, als wir schon mitten in der Produktion waren. Die Geschichte stand also schon, beim Schreiben war das gar nicht als Finale gedacht. Aber wir hatten das Glück, dass der Film ohnehin ein schönes Ende hat, das in sich geschlossen ist und dabei den Anfang von etwas Neuem markiert. Auch wenn es nicht geplant war, ist der Film damit die bestmögliche Weise, um die Serie zu einem Abschluss zu bringen.

Hättet ihr etwas anders gemacht, wenn ihr vorher gewusst hättet, dass es das Ende ist?
Vielleicht hätten wir die verschiedenen Nebenfiguren noch länger in der Geschichte behalten. Da der Film ein Roadmovie ist, sind sie nur relativ kurz zu sehen. Das liegt in der Natur der Dinge. Vielleicht hätten wir da etwas anders gemacht. Aber vermutlich ist es besser, dass wir es nicht gewusst haben, weil das den Druck erhöht hätte, für jeden einzelnen Aspekt einen Abschluss zu finden und keine losen Enden mehr zu haben.

Mit deiner Serie hast du viele Kinder auf der ganzen Welt glücklich gemacht. Aber wie ist das mit dir? Was hast du selbst geschaut, als du noch ein Kind warst?
Ich bin Teil dieser Generation, für die der Samstagmorgen eine Aneinanderreihung von Cartoons bedeutete, für die man zwischen vier Fernsehkanälen hin und her sprang. Es gab da so unglaublich viel anzuschauen. Meine Generation war da glaube ich nicht so wählerisch, wir haben uns alles angeschaut. (lacht) Ich hab mit alles Mögliche konsumiert, von den Muppet Babies über die Schlümpfe bis zu G.I. Joe. Als ich älter wurde, habe ich angefangen, mir bewusster Sachen anzuschauen. Einer meiner größten Einflüsse damals war Wallace & Gromit – Die Techno-Hose. Ich hatte in einer Zeitung gesehen, dass der Film auf einem Filmfest läuft, und habe meinen Vater gebeten, mich dorthin mitzunehmen. Das war etwas, das ich noch nie zuvor gesehen hatte, und zeigte mir eine ganze andere Form von Humor in einem Animationstitel. Diesen Einfluss siehst du auch in We Bare Bears. Es gibt beispielsweise viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Eisbär und Gromit.

Nachdem wir über deine Vergangenheit gesprochen haben, wie sieht es mit der Zukunft aus? Welche Projekte hast du geplant nach deinem Abschied von den Bären?
Tatsächlich bin ich wieder zurück in die Bär-Gegend gezogen und arbeite jetzt an einem riesigen Projekt. Aber das wird bestimmt fünf Jahre dauern, da ich noch ganz am Anfang stehe. Ich werde also erst einmal eine Weile verschwinden. (lacht) Viel mehr kann ich noch nicht verraten, aber es ist schön, wieder etwas zu entwickeln und die Freiheiten zu haben, einfach mal etwas auszuprobieren.

Daniel Chong

Zur Person
Daniel Chong wurde am 19. November 1978 in Fargo, North Dakota in den USA geboren. Er studierte an dem California Institute of the Arts und arbeitete anschließend als Storyboard Artist für einige große Animationsstudios, beispielsweise an Cars 2 (2011) und Alles steht Kopf (2015) von Pixar. Eigene Bekanntheit erlangte er als Schöpfer der Serie We Bare Bears, die von 2014 bis 2019 lief. 2020 folgte sein Regiedebüt We Bare Bears: Der Film. 



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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