Kritik

Strange But True Dunkle Geheimnisse

„Strange but True – Dunkle Geheimnisse“ // Deutschland-Start: 5. November 2020 (DVD/Blu-ray)

Fünf Jahre sind bereits vergangen, seitdem Ronnie Chase bei einem Autounfall tragisch ums Leben kam, doch noch immer liegt sein Schatten über dem Leben der Anderen. Als dessen damalige Freundin Melissa Moody (Margaret Qualley) auftaucht und behauptet, von ihm schwanger zu sein, sorgt das bei Ronnies Familie dann auch für jede Menge Ärger. Vor allem seine Mutter Charlene (Amy Ryan) kocht vor Wut. Während sie, ihr Ex-Mann Phillip (Greg Kinnear) und Ronnies Bruder Philipp (Nick Robinson) herausfinden wollen, was es mit dieser wahnsinnigen Geschichte auf sich hat, tun Melissas Adoptiveltern Gail (Blythe Danner) und Bill Erwin (Brian Cox) alles dafür, dass es der hochschwangeren jungen Frau gut geht …

Eine Trauer ohne Ende
Wie soll man damit umgehen, einen geliebten Menschen verloren zu haben? Was hat die Welt noch zu bieten, nachdem man seinen Partner verloren hat, den Bruder, das eigene Kind? Strange but True – Dunkle Geheimnisse zeigt uns auf, dass ein solcher Schicksalsschlag auch Jahre später noch Auswirkungen haben kann, wie ein Echo, das leise nachhallt. Die Beziehung von Ronnies Eltern ist am Ende an der Trauer zerbrochen, sein Bruder Philipp geht an Krücken, seine Freundin hat Visionen von dem Verstorbenen. Und dann wäre da noch das Kind in ihrem Bauch, das seines sein soll, da sie nie mit jemand anderem geschlafen habe.

Diese Schwangerschaft ist dabei einerseits das Symbol eben dieser langen Nachwirkungen, von denen keine der Figuren sich hat lösen können. Sie ist aber auch Anlass für ausgiebige Spekulationen. Lügt Melissa einfach bei der Geschichte? Und wenn ja, warum sollte sie das tun? Gibt es eine andere rationale Erklärung? Oder ist da eine übernatürliche Macht am Wirken? Strange but True ist deshalb eigentlich zwei Filme in einen, verbindet ein klassisches Trauerdrama mit einem Mysterythriller. Während die Figuren über Kreuz liegen, in ihrem Schmerz sich gegenseitig angreifen, anstatt sich zu stützen, wabert immer die Frage durch den Raum, wer denn nun wirklich verantwortlich ist für den dicken Bauch.

Das ernüchternde Ende eines Rätsels
Das ist eine Weile durchaus spannend, wenn vor allem Charlene sich als Detektivin versucht und dabei Spuren verfolgt. Zu tatsächlichen Antworten führt das zwar nicht, dafür aber zu weiteren Geheimnissen, von denen es in Strange but True jede Menge gibt – der deutsche Untertitel Dunkle Geheimnisse ist da passend gewählt. Allerdings kann die Adaption des gleichnamigen Romans von John Searles diese Scharade nicht unbegrenzt aufrechterhalten, die Natur des Grundes bedeutet, dass es nur bedingt zu Ermittlungen kommen kann. Die Auflösung kommt daher vergleichsweise früh. Und so überraschend sie auch ist, irgendwie ist sie auch ziemlich doof, umso mehr, da sie so gar nicht mit den eigentlichen Themen des Films zusammenhängt und dadurch besonders willkürlich wirkt.

Das ist schade, besonders für das hochtalentierte Ensemble, das hier an eine Geschichte verschenkt wird, die im B-Movie-Segment zu Hause sein sollte. Und an Dialoge, denen oft die Natürlichkeit fehlt, um wirklich aus dem emotionalen Thema Kapital schlagen zu können. Andererseits ist es diese Mischung, die Strange but True zu einem irgendwie seltsamen und damit nicht komplett uninteressanten Film macht. Das Persönliche trifft auf das Übernatürliche, Wissenschaft und Hellseherei suchen parallel nach Antworten, während nebenan das Familiendrama lebendig begraben wird. Befriedigend ist das Ergebnis jedoch kaum, für keine der diversen Richtungen, die hier so eingeschlagen werden. Am Ende der Ziellosigkeit fragt man sich, was das Ganze überhaupt sollte.

Credits

OT: „Strange but True“
Land: Kanada
Jahr: 2019
Regie: Rowan Athale
Drehbuch: Eric Garcia
Vorlage: John Searles
Musik: Neil Athale
Kamera: Staurt Bentley
Besetzung: Margaret Qualley, Amy Ryan, Greg Kinnear, Nick Robinson, Blythe Danner, Brian Cox

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Strange but True – Dunkle Geheimnisse
In „Strange but True – Dunkle Geheimnisse“ behauptet eine junge Frau, schwanger von ihrem Freund zu sein, der fünf Jahre zuvor verstorben ist. Der Film ist eine anfangs interessante Mischung aus Trauerdrama und Mysterythriller, dessen Auflösung jedoch in mehrfacher Hinsicht zu wünschen übrig lässt.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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