Kritik

Im Jahre 1900 ist Paris das Mekka der Kunstliebhaber sowie der Kunstschaffenden. Doch der Markt ist stark umkämpft und für ein neues Talent, was entdeckt wird, verschwinden gleich mehrere junge Maler in der Versenkung des Montmartre. Dennoch hoffen viele auf jenen Moment der Entdeckung, doch vor allem auf Inspiration für ihr künstlerisches Schaffen, wie auch der junge Katalane Pablo Picasso, der zusammen mit einem Jugendfreund in die Stadt der Liebe kommt, um dort Karriere zu machen. Zur gleichen Zeit verschlägt es auch die junge Französin Fernande Olivier in die Hauptstadt, weil sie hofft, den Fesseln ihrer bürgerlichen Ehe zu entkommen. Angekommen in Paris versucht sie Fuß zu fassen, allerdings zunächst ohne Erfolg, bis sie von einem Maler als Modell engagiert wird und sich von diesem Moment an vor Aufträgen nicht mehr retten kann. Eines Tages wird sie dem jungen Künstler Pablo Picasso vorgestellt, der ihr zunächst ebenfalls wie einer jener hoffnungslosen Fantasten vorkommt wie es sie in Paris zuhauf gibt. Schließlich findet sie doch Gefallen an dem jungen Mann, der nicht nur bald in vielen Künstlerkreisen ein und aus geht, sondern sich zudem als ein echtes Talent entpuppt. Die beiden werden ein Paar und Fernande begleitet Pablo auf seinem Werdegang hin zu einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts, eine Karriere geprägt von Fehden zwischen Künstlern aber auch gesundheitlichen, künstlerischen und privaten Rückschlägen.

Das Bild des Künstlers aus einer anderen Zeit
In ihrem gemeinsamen Werk Pablo, welches in insgesamt vier Bänden, die auch als Gesamtausgabe zu haben sind, erzählen Julie Birmant und Clément Oubrerie vom Leben des bekannten Malers Pablo Picasso sowie seiner Muse und Lebensgefährtin Fernande Olivier. Hierbei konzentrieren sie sich auf dessen erste Zeit und wie dieser sich als Künstler gefunden hat. Aber sie erzählen zudem, auf beide Figuren bezogen, von einer Befreiung aus den beengenden Verhältnissen eines bürgerlichen Lebens und hin zu einem Leben für und mit der Kunst. In dieser gewaltigen Geschichte begegnet der Leser nicht nur Olivier und Picasso, sondern auch deren Weggefährten wie Gertrude Stein, Max Jacob und Ambroise Voillard.

Das Unternehmen, das Leben eines Künstlers nachzuerzählen und gleichzeitig eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren, ist nicht gerade einfach. Gerade das Leben Picassos, alleine schon, wenn man sich nur auf dessen Kunst konzentriert, war nicht nur sehr facettenreich, sondern in gewisser Weise ein Spiegelbild einer Welt, die aus kultureller und gesellschaftlicher Sicht wie eine Reise in die Vergangenheit wirkt. Alleine wie sich der Kunstmarkt und die Welt der Künstler aus dem Montmartre darstellt, hat nicht nur viel mit Nostalgie zu tun, sondern kann auch als Kontrast zu dem sehr kommerziell geprägten von heute gesehen werden, bei dem Angebot und Nachfrage, nicht aber die Leidenschaft Einzelner den Preis sowie den Status eines Künstlers dirigieren.

Neue Formen
Bisweilen kommt man nicht immer mit und die Geschichte verliert sich in den zahlreichen Episoden sowie der Vielzahl an Charakteren, die in das Leben Fernandes uns Pablo treten, ihre Spuren hinterlassen, es mit der Kunst versuchen und nicht selten in dieser Welt untergehen. Die Kunstwelt wirkt wie eine Repräsentation der Gesellschaft, die sich an dem Althergebrachten orientiert und sich schwertut mit dem Schritt in die Moderne, die sich im Leben wie auch im Werk Picassos wie auch Oliviers niederschlägt. So stößt Picasso zunächst auf Ablehnung für seine Werke, gilt als jemand, der kopiert, aber nichts Eigenständiges schafft, doch dann auf ähnliche Irritation stößt, als er sich in neuen Formen probiert. Einzig Fernande erkennt, was sich hier langsam aber sicher abspielt, jener Schritt in einer neuen Zeit und eine neue Wahrnehmung.

Clément Oubrerie Illustrationen ergänzen diese Geschichte mit der Zeichnung dieser einzigartigen und unwiederbringlichen Welt des Paris um 1900. Immer wieder zeigt er die kleinen Anekdoten, die Hierarchien und das Chaos des Montmartre, doch auch die Opiumvisionen von Pablo und Fernande sowie diverse Ausflüge in die Fantasie des Künstlers, wie er die Welt sieht und sich in ihr bewegt.

Credits

OT: „Pablo“
Land: Frankreich
Jahr: 2015
Texte: Julie Birmant
Zeichnung: Clément Oubrerie

Bilder

Kaufen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Pablo
„Pablo“ ist eine gewaltige Geschichte über Kunst, Partnerschaft und das Paris um 1900. Julie Birmant und Clément Oubrerie erzählen von den zahlreichen Facetten des Lebens und des Schaffens von Pablo Picasso sowie seiner berühmten Muse Fernande Olivier in einer berauschenden, interessanten Geschichte.
4.080

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.