Kritik

Gangland

„Gangland – Cops unter Beschuss“ // Deutschland-Start: 13. November 2020 (DVD/Blu-ray)

Während sie auf der einen Seite für Gerechtigkeit sorgen und Verbrecher überführen, sind Detective Frank Divinci (James Belushi) und sein Partner Detective Rodriguez (Tupac Shakur) auch ein Teil des Problems. Zur Finanzierung ihres kostspieligen Hobbys und ihrer Träume schließen sie Drogengeschäfte ab mittels der Ware, die sie selbst oder ihre Kollegen an Tatorten sicherstellen, nur um den Käufer nach der Geldübergabe zu erschießen. Da ihre Geschäftspartner meist selbst Verbrecher sind, schieben sie den Mord den zahlreichen Gangs der Stadt zu und legen den Fall damit zu den Akten. Doch bei ihrem letzten Deal geht etwas schief, haben die beiden doch unversehens einen verdeckten Ermittler der Staatsanwaltschaft umgebracht. Da die Zeit drängt, muss schnell ein Sündenbock für den Mord her und nach langem Suchen stolpert Divinci gewissermaßen über einen Obdachlosen (Dennis Quaid), der ihm noch nicht einmal seinen richtigen Namen sagen kann. Nach einigen Stunden ununterbrochenem Verhör und dem Fälschen von Beweisen, scheint der Fall endlich abgeschlossen zu sein. Doch für die beiden Polizisten fangen damit die Probleme erst richtig an, denn nicht nur, dass sie als Tatwaffe eine Pistole, welche in einem anderen Mordfall gebraucht wurde, benutzt haben, mit zunehmender Rückkehr seiner Kräfte erkennt auch John Doe, was für ein Spiel mit ihm hier veranstaltet wird.

Der Traum, woanders zu sein
Eigentlich hatte Regisseur und Drehbuchautor Jim Kouf vorgehabt, eine wesentlich einfachere Story zu schreiben, wie er in einem Interview zu Gangland einmal sagte, doch die Figuren und die Verstrickungen der Handlung machten die Geschichte am Ende wesentlich komplexer. Für seine Mischung aus Gangsterfilm und Copdrama konnte Kouf auf ein Ensemble sehr talentierter Darsteller zurückgreifen wie James Belushi und Tupac Shakur, der hier in seiner letzten Rolle zu sehen ist, denn er starb wenige Monate nach Fertigstellung der Dreharbeiten. Am Ende steht jedoch ein Drama über die großen Themen wie Schuld und Sühne, über Korruption und Loyalität sowie den Preis, den man zahlen muss, wenn man das Recht zu sehr nach eigenen Gutdünken verbiegt.

Am Anfang steht der Traum vom Aussteigen, auch für Divinci und Rodriguez. Um sich die Zeit zu vertreiben bis ihr nächster Deal über die Bühne geht, erzählt Divinci seinem Partner über seinen Traum nicht nur Urlaub auf Hawaii zu machen, sondern gleich ganz dort hinzuziehen. Schon rein optisch wirkt der fast immer mit Schlapphut und kurzärmeligem Hemd bekleidete Divinci wie das komplette Kontrastprogramm zu Rodriguez, der dafür immer im Anzug unterwegs ist, wesentlich mehr auf dem Boden der Tatsachen lebt als sein Partner und diesen auch in dieser Szenen aus seinen Träumen herausreißt. Er sei aber nicht dort drüben in Hawaii, sondern hier und er deutet vielsagend auf das dunkle, heruntergekommen Motelzimmer, in dem sie auf ihren nächsten Geschäftspartner warten. E ist ein kurzer Traum, der hier geträumt wurde, eine banale Szene, möchte man zunächst sagen, doch die Motivation aus dieser Welt der Gewalt, des Verbrechens und der Drogen herauszukommen ist zentral für die beiden Hauptcharaktere, stärker noch als so manch anderes Konzept wie Moral oder das Gesetz, dem sie einst geschworen hatten zu dienen. Für den Rest des Films soll es nun darum gehen, wie weit sie bereits sind, für ihren Traum zu gehen, wie viel Blut fließen muss und ob sie gar bereit sind, sich von den letzten Prinzipien zu verabschieden, denen sie noch anhängen.

Zu den Akten gelegt
Jim Koufs Skript zeigt eine Welt, in der Menschen wie die beiden Hauptfiguren nicht unüblich sind. Es ist eine Zwischenwelt, in der es viele Grauzonen gibt und in der vor allem das Recht des Stärkeren zählt und ein Traum ebenso schnell zerbrechen kann, wie man ein Leben auslöscht, welches gleich zu den Akten gelegt wird. Der Originaltitel Gang Related, bezogen auf Verbrechen, die man jenen Gangs zurechnet, die das Recht der Straße für sich beanspruchen, wird zu einem Synonym für eine aus den Fugen geratene Welt, in der Polizisten nicht mehr länger dem Gesetz, sondern nur noch nicht selbst dienen. Gerade der immer wieder unterschätzte James Belushi spielt Divinci als eine Mischung aus jenem Träumer, aber auch abgeklärtem Profi, der mehr noch als sein Partner, bereit ist, das Gesetz zu biegen oder gar gänzlich zu überschreiten, wenn dies nötig ist.

Insgesamt funktioniert Gangland wunderbar als diese Mischung von Copdrama und Gangsterfilm, könnte sich also mühelos in eine ganze Reihe von ähnlichen Produktionen stellen, welche in den 90ern auf den Markt kamen. Einziger Wermutstropfen bildet die Figur, welche Dennis Quaid spielt, denn die Wende im Drehbuch, welche eng mit John Does Identität zu tun hat, erscheint etwas arg unglaubwürdig und zudem an dieser Stelle auch etwas unnötig in ihrer Extreme.

Credits

OT: „Gang Related“
Land: USA
Jahr: 1997
Regie: Jim Kouf
Drehbuch: Jim Kouf
Musik: Happy Walters
Kamera: Brian J. Reynolds
Besetzung: James Belushi, Tupac Shakur, James Earl Jones, Dennis Quaid, David Paymer, Wendy Crewson

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Gangland – Cops unter Beschuss
„Gangland – Cops unter Beschuss“ ist eine unterhaltsamer Mix aus Copthriller und Gangsterfilm. Besonders durch seine Darsteller wie auch ihrer Welt gelingt Jim Kouf ein beachtlicher Film, der nicht in jeder Hinsicht glänzt, aber doch viele Aspekte zu bieten hat, die ihn sehenswert machen.
7von 10

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