Kritik

American Werewolf in London

„American Werewolf in London“ // Deutschland-Start: 30. April 1982 (Kino) // 5. November 2009 (Blu-ray)

Die erste Station ihrer ausgedehnten Europareise führt die beiden US-Amerikaner David Kessler (David Naughton) und Jack Goodman (Griffin Dunne) nach England. Nach langer Fahrt endlich in einem kleinen Dorf angekommen, stoßen die beiden Rucksacktouristen nicht gerade auf Gegenliebe bei den Einheimischen, als sie diese auf die seltsamen Symbole an den Wänden des Dorfpubs ansprechen. Schon nach kurzer Zeit sind David und Jack wieder unterwegs, kommen dabei in einen Regen und von der Straße ab, und landen damit im Moor. Als sie ein Heulen und schließlich ein Knurren ganz in ihrer Nähe vernehmen, wollen die beiden jungen Männer fliehen, doch werden sie von einer riesigen Kreatur attackiert. Bevor er das Bewusstsein verliert, sieht David noch, wie sich die Kreatur in einen Menschen verwandelt. Nach Wochen auf der Intensivstation wacht David in einem Londoner Krankenhaus auf. Von einem Mitarbeiter der US-Botschaft und der britischen Polizei erfährt er nicht nur, dass Jack verstorben ist, sondern auch, dass es sich bei dem Angreifer um einen Verrückten handelte, was David sofort abstreitet. Seine Geschichte über einen großen Wolf, der sie beide attackierte, glaubt ihm keiner, nur  die Krankenschwester Alex (Jenny Agutter) meint, es könnte noch etwas mehr an der offiziellen Version der Polizei dran sein. Zudem wird David geplagt von schrecklichen Albträumen und letztlich sogar von Jacks Geist besucht, der ihn davor warnt, dass David ein Werewolf sei und beim nächsten Vollmond auf Menschenjagd gehen werde.

Zu lustig für einen Horrorfilm
Bereits 1969 schrieb Regisseur John Landis das Drehbuch zu American Werewolf in London, ein Horrorfilm, der viele komödiantische Elemente aufweist, was auch der Grund war, warum viele Produzenten nichts mit dem Projekt anzufangen wussten. Für viele war die Geschichte entweder zu lustig oder zu brutal, und so war es erst nach einer ganzen Reihe erfolgreicher Filme wie Blues Brothers und Kentucky Fried Movie, das Landis das Geld bekam, um American Werewolf in London zu drehen. So entstand ein Film, der bis heute wegen seiner Effekte wegweisend ist und die zeitlose Geschichte des Horrorgenres erzählt, nämlich die von der Natur, die sich gegen den Menschen stellt.

Interessant an der Kritik, die viele Produzenten an Landis’ Drehbuch übten, ist, dass sie unberücksichtigt lässt, dass diese komödiantischen Elementen im Kontext der Handlung wichtig sind und keinesfalls reiner Selbstzweck. Wie bereits in seinem ersten Film Schlock – Das Bananenmonster vermischt sich das Komische mit dem Schrecklichen und verweist auf einen anderen Zusammenhang, wie der Medienvertreter in Schlock, der durch das blutige Gemetzel natürlich hohe Einschaltquoten bekommt und gewillt ist, soviel Kapital wie nur möglich aus der Situation zu schlagen. Im Falle von American Werewolf verweist die immer auf das Thema des Mondes ausgerichtete Musik oder ein Gespräch mit Davids Opfern über die Vielfalt der Methoden beim Suizid auf die Ausweglosigkeit des Zustands des Protagonisten, der den kompletten Kontrollverlust erlebt und wie ein Beifahrer im eigenen Körper wirkt.

Darüber hinaus verknüpft Landis’ Drehbuch die Geschichte mit jener Tradition des Werewolf-Motivs im Genre selbst. Da die moderne Welt nicht in der Lage zu sein scheint, eine Erklärung oder gar Heilung für Davids Zustand zu liefern, flieht man in das Reich der Fantasie, was bei Landis naturgemäß das Kino ist. Besonders George Waggners Der Wolfsmensch (1941) wird immer wieder als eine Referenz zitiert, wenn es darum geht, sich Handlungsweise abzuleiten, wie nun mit dem Horror umzugehen sei. In gewisser Weise gibt die Popkultur, wie schon in Kentucky Fried Movie oder auch Blues Brothers, die nötigen Antworten auf die Fragen der Figuren, auch wenn sich nicht wirklich eine Heilung dabei herauskristallisiert.

Das Biest in dir
Besonders im Gedächtnis bleibt ein Film wie American Werewolf in London aber nicht nur wegen dieser eigenwilligen Mischung aus Horror und Komödie, sondern vor allem wegen seiner bis heute überzeugenden Effekte. Besonders die Sequenz, wenn sich David das erste Mal in jenes übergroße Ungetüm verwandelt, welches dann in den Straßen Londons auf Beutezug geht, gehört immer noch zu jenen Bildern, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben. In ihrem Essay Sick as a Dog: Body Horror in An American Werewolf in London beschreibt Autor Craig Ian Mann, wie sich Landis’ Film in das populäre Sub-Genre des Body Horror einfügt, dessen berühmtester Vertreter der kanadische Regisseur David Cronenberg (Scanners, Videodrome) ist. In einem Jahrzehnt, was zum einen die Faszination mit der Perfektion des Körpers betonte, dann aber auch wieder durch die Gefahren des Körperlichen geprägt war, wie beispielsweise durch das Aufkommen der Diskussion um AIDS, spiegelt gerade der Horrorfilm diesen Trend wider, wobei American Werewolf in London keine Ausnahme bildet.

Gerade die Transformationsszene betont diese Ambiguität des Körpers innerhalb des Horrorkinos der 80er Jahre. Neben der tricktechnischen Brillanz sieht man vor allem den Schmerz, der mit der Verwandlung einhergeht, hört die Schreie, die David ausstößt und das Knacken der Gelenke und Knochen, während im Hintergrund Sam Cookes Blue Moon gespielt wird, als musikalischer Kontrast, aber auch wieder, um die Ausweglosigkeit der Situation zu untermalen, in der David die Kontrolle verliert und das Biest in ihm die Oberhand gewinnt.

Credits

OT: „An American Werewolf in London“
Land: USA, UK
Jahr: 1981
Regie: John Landis
Drehbuch: John Landis
Musik: Elmer Bernstein
Kamera: Robert Paynter
Besetzung: David Naughton, Jenny Agutter, Griffin Dunne, John Woodvine

Trailer

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American Werewolf in London
„American Werewolf in London“ ist eine sehr unterhaltsame Mischung aus Horrorfilm und Komödie, und zudem einer der besten Vertreter seines Genres aus den 80er Jahren. Technisch wegweisend und thematisch reich ausgestattet gelingt John Landis ein Film, der mit reichlich Verweisen auf die Popkultur ausgestattet ist und dabei eine Geschichte erzählt über den Kontrollverlust über den eigenen Körper.
9von 10

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