Kritik

Unser Boden unser Erbe

„Unser Boden, unser Erbe“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2020 (Kino)

Es gibt so Dinge in unserem alltäglich Leben, die wir schon für sehr selbstverständlich nehmen, obwohl sie es nicht unbedingt sind. Dass beispielsweise Wasser aus dem Hahn kommt, wenn wir ihn aufdrehen. Oder dass uns Strom zur Verfügung steht, so viel wir wollen. Ein anderes Konsumgut, das von vielen gar nicht als solches wahrgenommen wird, das ist der Boden. Aus gutem Grund. Zum einen sehen wir ihn inzwischen viel zu selten, zumindest wenn man in der Stadt wohnt und ein Großteil der Fläche von Straßen, Häusern oder anderen von Menschen erschaffenen Objekten bedeckt wird. Aber selbst wer einmal rausfährt und wieder Erde sieht, wird ihr vermutlich eher weniger Aufmerksamkeit zugestehen. Boden, das ist etwas, auf dem wir laufen, während wir hoch zum Himmel schauen.

Die Zukunft mit Füßen getreten
Wie gefährlich das ist, ist eines der Anliegen von Unser Boden, unser Erbe. Wie der Titel bereits ankündigt, wird in dem Dokumentarfilm der Boden als ein elementar wichtiger Bestandteil des Lebens beschrieben. In diesem wachsen schließlich Pflanzen, wachsen Obst und Gemüse, wächst Getreide, allesamt wichtige Grundlagen unserer Ernährung. Was aber, wenn darin nichts mehr wächst? Was sich nach absurdem Alarmismus anhört, könnte dennoch irgendwann eintreten. Boden ist schließlich nicht gleich Boden. Nur wer diesen pflegt und seiner Natur entsprechend behandelt, wird auch Nutzen daraus ziehen. Und eben das ist immer weniger der Fall: Durch die zunehmende Industrialisierung und Maximierung der Landwirtschaft wird mehr entnommen als eingezahlt. Probleme etwa mit der Wasserspeicherung sind die Folge.

Unser Boden, unser Erbe reiht sich damit in die ökologisch ausgerichteten Dokumentarfilme der letzten Jahre ein. Das geheime Leben der Bäume prangerte unsere einseitigen Wälder an, Land des Honigs unsere Entfremdung von den Nutztieren. Beispiele für unseren wenig natürlichen Umgang mit der Natur gibt es also genug. Oft haben solche Werke eine sehr belehrende Herangehensweise, sind weniger Dokumentation als vielmehr Aufruf. Regisseur und Autor Marc Uhlig hält sich jedoch mit allzu moralisierenden Passagen zurück. Ohnehin lässt er in erster Linie andere Menschen zu Wort kommen, die selbst mit dem Boden zu tun haben, in der einen oder anderen Form.

Informativ und eher nüchtern
Das wird nicht alles neu sein für das interessierte Publikum. Einige der Kritikpunkte sind so universell, dass man sie schon anderweitig gehört haben dürfte. Aber es ist doch recht informativ, was die Interviewten gerade in der Summe so zu sagen haben. Einige Ausführungen lassen uns den Boden im Anschluss mit etwas anderen Augen sehen, sowohl in Hinblick auf dessen Zusammensetzung Leben, wie auch auf dessen Rolle beim Klimaschutz. Gerade dessen Fähigkeit, Kohlendioxid zu speichern macht ihn zu einem wichtigen Verbündeten beim Kampf – aber auch zu einem unterschätzten. Ihm dauerhaft so zuzusetzen, mag kurzfristig rentabel sein, birgt aber auch das Risiko fataler Folgen.

Entsprechende Bilder hat Unser Boden, unser Erbe nicht im Gepäck, malt keine Apokalypsen auf die Leinwand. Stattdessen versucht der Dokumentarfilm das Publikum mit Aufnahmen einer idyllischen, heilen Natur zu locken. Immer wieder sehen wir blühende Landschaften und zufrieden wirkende Tiere, die uns mit einem Positivbeispiel dazu motivieren wollen, uns für deren Erhalt einzusetzen. Das ist natürlich leicht manipulativ, aber noch in einem vertretbaren Rahmen. Tatsächlich ist der Film sogar relativ nüchtern und verlässt sich stattdessen in erster Linie auf das Thema bzw. die gut ausgewählten Gesprächspartner.

Credits

OT: „Unser Boden, unser Erbe“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Marc Uhlig
Drehbuch: Marc Uhlig
Musik: Andreas Nesic
Kamera: Michael Arnieri, Marc Uhlig

Bilder

Trailer

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Unser Boden, unser Erbe
Von allen gebraucht und doch von fast keinem beachtet: „Unser Boden, unser Erbe“ zeigt auf, wie wichtig der Boden für das menschliche Dasein ist und wie sehr wir diesem oft zusetzen. Der Dokumentarfilm tut dies jedoch ohne starke Dramatisierung, sondern verlässt sich auf das Thema und ein ohnehin interessiertes Publikum.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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