Kritik

The Hidden Soldier

„The Hidden Soldier“ // Deutschland-Start: 20. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Die Mission ist von größer Bedeutung – aber auch sehr gefährlich: Jack Turner (Emile Hirsch) ist einer von mehreren US-Piloten, die während des Zweiten Weltkriegs mit der Bombardierung Tokios beauftragt werden. Tatsächlich ist die Mission erfolgreich. Dafür hat Jack eine ganze Reihe weiterer Probleme am Hals, nur mit Mühe und Not gelingt es ihm, noch das chinesische Festland zu erreichen und rechtzeitig per Fallschirm abzuspringen, bevor das Flugzeug zerschellt. Tags drauf entdeckt die junge Witwe Ying (Yifei Liu) den bewusstlosen Piloten und beschließt, ihn bei sich und ihrer Tochter Nunu (Fangcong Li) aufzunehmen. Doch in Sicherheit ist er damit noch nicht, da die japanische Armee fieberhaft nach ihm sucht …

Gemeinsam gegen den Feind
Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Während sich China und die USA heute mindestens als Konkurrenten, wenn nicht gar als erbitterte Feinde gegenüberstehen, da waren sie vor einigen Jahrzehnten noch Verbündete. Schließlich konnte man jede Hilfe brauchen, um dem aggressiven Expansionsdrang der Japaner zu trotzen. The Hidden Soldier nimmt uns mit in diese Zeit und greift auf die wahre Begebenheit zurück, dass US-Soldaten Zuflucht im Reich der Mitte fanden – was wiederum die japanischen Besatzer zu weiteren Gräueltaten anstachelte. Die bleiben hier dann auch nicht aus, es dauert nicht lang, bis die Aggressoren von der Geschichte Wind bekommen.

Auf eine ausgeglichene Geschichtsschreibung braucht man hier entsprechend nicht zu setzen. The Hidden Soldier ist einer dieser typischen nationalistischen Filme, bei denen der Feind so überzeichnet böse ist, dass er schon einer Karikatur gleicht. Umgekehrt sind auch auf der chinesischen Seite die Sympathien klar verteilt. Die Guerilla-Krieger sind die mutige Helden und die eigentlichen Chinesen, der Rest feige Vaterlandsverräter. Auch sonst war man nicht unbedingt um Nuancen bemüht, verzichtete bei der Geschichte auf jegliche Ambitionen. Stattdessen ist der Film sehr geradlinig, klappert brav alle Stationen ab, die man sich bei einem derartigen Szenario vorstellen würde. Lediglich zum Ende hin verläuft das doch etwas anders, als man es sich erwartet hätte.

Gefühlvolle Annäherung
Der interessanteste Aspekt von The Hidden Soldier ist dabei die Begegnung von Chinesen und dem US-Soldaten. Das bringt einerseits eine angespannte Lage mit sich, wenn Ying ständig darum zittern muss, entdeckt zu werden. Es ist aber auch ganz süß, weil in den Szenen viel mit der Sprachbarriere gearbeitet wird. Mit Händen und Füßen versuchen der Fremde und die schöne Witwe sich zu verständigen, mit anfangs eher überschaubarem Erfolg. Später kommt man sich näher, auf mehrfache Weise: Das Publikum soll schließlich die gesamte Gefühlspalette geboten bekommen, was neben Furcht und Trauer auch ein bisschen Glück und Romantik beinhaltet. Zwei junge attraktive Menschen, da braucht es keine hellseherischen Kräfte, um bei einem Film den weiteren Verlauf vorhersehen zu können.

Da auch die Landschaftsaufnahmen Chinas sehr schön anzusehen sind, gibt es für ein entsprechend geneigtes Publikum einiges, mit dem man sich beschäftigen kann. Der dänische Regisseur Bille August (Per im Glück, Das Geisterhaus) hat einen Film für die Sinne gedreht, weniger für den Intellekt. Wer mal wieder das volle Programm braucht und sich an den vielen Klischees und Konventionen nicht stört, ebenso den patriotischen Tönen, kann hier für anderthalb Stunden abschalten. Mehr als solides Mittelmaß springt aber nicht dabei heraus, zumal die Figuren nicht besonders viel hergeben und man eher selten das Gefühl hat, es hier mit realen Menschen zu tun zu haben. Hier darf man ein bisschen bibbern und schmachten und so tun, als würde die Welt nach klaren Regeln funktionieren.

Credits

OT: „The Chinese Widow“
Land: China
Jahr: 2017
Regie: Bille August
Drehbuch: Greg Latter, Mabel Cheung
Musik: Annette Focks
Kamera: Filip Zumbrunn
Besetzung: Yifei Liu, Emile Hirsch, Fangcong Li

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

The Hidden Soldier
In „The Hidden Soldier“ stürzt ein US-Pilot während des Zweiten Weltkriegs in China ab, wo ihn eine junge, hübsche Witwe vor den Japanern versteckt. Das ist schön bebildert und attraktiv besetzt, ist inhaltlich jedoch weniger erwähnenswert. Das patriotische Drama richtet sich in erster Linie an ein Publikum, das große Gefühle will und dabei auf Nuancen verzichten kann.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.