Kritik

Marschier oder stirb March or die

„Marschier oder stirb“ // Deutschland-Start: 8. September 1977 (Kino) // 20. August 2020 (Blu-ray)

Der Erste Weltkrieg ist auch an den französischen Fremdenlegionären nicht spurlos vorübergegangen, viele Tausende sind auf dem Schlachtfeld ums Leben gekommen. Als Major Foster (Gene Hackman) 1918 zurückkehrt, gilt es daher erst einmal, seine kläglich zusammengeschrumpfte Truppe wieder zu erweitern. Allzu wählerisch kann er in der Situation nicht sein, weshalb auch Leute wie der charismatische Taschendieb Marco Segrain (Terence Hill) bald zu den Rekruten zählt. Die nächste Ausgabe folgt sogleich, denn ein Auftrag führt ihn und seine Männer nach Marokko, wo eine von dem Archäologen François Marneau (Max von Sydow) geleitete Expedition ein altes Grabmal ins Auge gefasst hat – was den Zorn der Beduinenstämme und von El Krim (Ian Holm) heraufbeschwört …

Auch wenn die Bedeutung der französischen Fremdenlegion im Laufe der Zeit nachgelassen hat, die Größe von einst 35.000 Mann auf ein rundes Viertel geschrumpft ist, sie ist auf ihre Weise doch legendär. Stärker noch als der reguläre Teil der Armee galten die aus allen Teilen der Welt zusammengetrommelten Soldaten als harte Kerle, die nichts mehr im Leben zu verlieren hatten und sich deshalb in ausweglose Kämpfe stürzten. Das war natürlich eine romantisierte Vorstellung, die noch den Traum wahrer Männlichkeit vor Augen hatte, von Haudegen, welche die spannendsten Abenteuer erlebten. Von einem echten Leben, an dem die meisten schon nach wenigen Tagen scheiterten.

Aus Spaß wird Tod
Ganz so romantisch geht es in Marschier oder stirb nicht zu. Vor allem der Einstieg ist schon ernüchternd, wenn die Rekrutierung neuer Soldaten einem Sommerschlussverkauf gleicht. Indem ausgerechnet Terrence Hill zum Vorzeige-Neuzugang wird, gewinnt diese Phase fast automatisch an einer humorvollen Qualität. Und auch später, wenn er seinen charakteristischen Lausbubencharme einsetzt, etwa um die Witwe Simone Picard (Catherine Deneuve) zu erobern, hat das mehr von einer gut gelaunten Klassenfahrt. Doch das sind nur Momentaufnahmen, sowohl Segrain wie auch der Rest der Männer werden feststellen, dass der Aufenthalt in der Wüste hohe Opfer fordert. Selbst wer nicht der Hitze oder den Angriffen erliegt, wird am Ende nicht mehr derselbe sein.

Tatsächlich wird in Marschier oder stirb zwar viel von Ehre und Mut gesprochen, von den notwendigen Tugenden, die ein Soldat der Fremdenlegion so mitbringen muss. Eigentlich handelt der Film aber eher von der Ausweglosigkeit, von einem Ausgeliefertsein und der Vergeblichkeit eines Kampfes dagegen. So ist Foster nicht der Held, trotz seiner hervorgehobenen Bedeutung. Er fordert Loyalität, bestraft andere für ihre Schwäche, ist im Zweifel auch dazu bereit, seine eigenen Männer zu opfern, wenn er damit seinem Ziel näherkommt. Er unterscheidet sich damit nur unwesentlich von El Krim, der zwar als sein direkter Gegenspieler aufgebaut wird, ihm im Grunde aber sehr ähnlich ist. Besser sieht es da bei Segrain aus, der zwar ein Gauner ist, nie seine Finger bei sich behält, dem aber die Grausamkeit des Krieges fremd ist – zumindest noch.

Ein Wirrwarr aus Themen und Figuren
Das Drehbuch gesteht den Figuren dabei nur zum Teil wirkliche Nuancen bei. Die Hauptarbeit erledigt der internationale, mit großen Namen gespickte Cast, welcher inmitten der Wüste für Leben sorgt. Marschier oder stirb verzichtet dabei auf eine direkte Hauptgeschichte. Vielmehr bildet der Auftrag, die Archäologen vor Angriffen zu schützen, den Rahmen für zahlreiche Einzelstränge und Themen, die zeitlich und räumlich, jedoch nicht unbedingt inhaltlich verknüpft sind. Von persönlichen Schicksalen über den menschenverachtenden Umgang innerhalb des Heeres bis zum Raub fremder Schätze ist alles Mögliche dabei, einiges gibt Stoff zum Nachdenken, anderes ist reines Effektkino – etwa die Schlachten.

Neben Letzterem gibt es noch eine Reihe weiterer Schauwerte, welche das Abenteuer bis heute sehenswert werden lassen. Vor allem die Aufnahmen aus der Wüste sind sehr stimmungsvoll und wecken Erinnerungen an eine fremde Welt, in der Menschen nichts zu suchen haben. Auch wenn man hinter manches hier doch ein inhaltliches Fragezeichen setzen darf, so ist Marschier oder stirb mehr als 40 Jahre später ein packender Trip in die einer Sonnenglut ausgesetzten Hölle, in der manche vielleicht mit dem Leben davon kommen, es am Ende aber kaum wirkliche Gewinner gibt.

Credits

OT: „March Or Die“
Land: UK, USA
Jahr: 1977
Regie: Dick Richards
Drehbuch: David Zelag Goodman
Musik: Maurice Jarre
Kamera: John Alcott
Besetzung: Terence Hill, Gene Hackman, Catherine Deneuve, Max von Sydow, Ian Holm, Walter Gotell

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Marschier oder stirb
„Marschier oder stirb“ begleitet die Fremdenlegion während eines Auftrages nach Marokko, wo archäologische Ausgrabungen beschützt werden sollen. Der Film ist dabei trotz des Beharrens auf Ehre und anderen Soldatenqualitäten kein klassisches Heldenabenteuer, wenn unter der brütenden Sonne alle ihre Menschlichkeit verlieren. Das sieht toll aus und ist prominent besetzt, auch wenn sich der Film inhaltlich in keine klare Richtung bewegt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.