Kritik

Immer Ärger mit Grandpa

„Immer Ärger mit Grandpa“ // Deutschland-Start: 10. September 2020 (DVD/Blu-ray)

Bei Familie Decker hängt der Haussegen schief. So ist Opa Ed (Robert De Niro) alles anderes als glücklich darüber, dass er nach dem Tod seiner Frau zu dessen Tochter Sally (Uma Thurman) und Schwiegersohn Arthur (Rob Riggle) ziehen soll – zumal das Verhältnis zwischen ihm und Arthur nicht das beste ist. Enkel Peter (Oakes Fegley) wiederum freut sich schon darüber, dass sie sich jetzt häufiger sehen. Oder er würde es, wenn er dafür nicht sein Zimmer aufgeben müsste. Er soll nun auf dem Dachboden schlafen und sein Bett für seinen Großvater räumen. Kampflos will der Junge diese ungeheure Ungerechtigkeit aber nicht hinnehmen und erklärt kurzerhand Ed den Krieg, der sich bald als ziemlich zäher Gegner herausstellt …

2020 war kein besonders einfaches Jahr für Familien. Die einen wurden auf eine harte Probe gestellt, weil man sich nicht mehr sehen konnte, aufgrund von Reisebestimmungen oder gesundheitlicher Vorsicht. Die anderen hatten das gegenteilige Problem: Eben weil man aufgrund der zahlreichen Beschränkungen ständig aufeinander hockte, wurden Nerven und familiäre Bande geprüft. In einem solchen zeitlichen Kontext Immer Ärger mit Grandpa zu veröffentlichen, ist gleichzeitig passend und unpassend zugleich. Schließlich will die Komödie zeigen, wie wichtig familiärer Zusammenhalt ist, ergibt sich gleichzeitig aber auch einem Duell zwischen jung und alt, nachdem nicht genug Platz für beide ist – was eine gewisse Symbolkraft mit sich bringt.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten
Dabei greift Immer Ärger mit Grandpa gar nicht auf aktuelle Entwicklungen zurück. Der Film kann das auch gar nicht, wurde er doch vor weit mehr als drei Jahren gedreht, hätte zwischenzeitlich längst veröffentlicht werden sollen, bevor er etwas unerwartet kürzlich wieder auftauchte. Die Vorlage ist sogar noch deutlich älter: Das gleichnamige Buch von Robert Kimmel Smith erschien bereits 1984. Seither hat sich natürlich einiges geändert. So kommen im Film Drohnen zum Einsatz, neue Medien und die dazu passenden Geräte, eine der ersten Szenen zeigt, wie Ed im Supermarkt daran scheitert, beim Bezahlen an der Selbstbedienungskasse die Waren richtig einzuscannen.

Vor allem aber hat sich der Humor gewandelt. Hatte Smith seinerzeit noch verstärkten Wert auf das Miteinander innerhalb der Familie gelegt, gibt es hier vor allem grobe Gags. Die sind oft physischer Natur, wenn Opa Ed beispielsweise irgendwo herunter fällt. Eine spätere Auseinandersetzung zielt sogar vorrangig darauf ab, dass sich alle Beteiligten gegenseitig verletzen. Und wenn mal keine Gefahr für den Körper besteht, dann soll der Gegner wenigstens gedemütigt werden, am besten vor den Augen anderer. Warum das Ganze derart eskaliert, wird dabei nicht einmal klar. Der alte Herr, der gegen seinen Willen umgesiedelt wird und allgemein gebrechlich ist, wird von Anfang an zur Zielscheibe, ohne dass der Film sich die Mühe machen würde, ihn zu einem tatsächlichen Antagonisten aufzubauen.

Derbe Späße ohne Spaß
Es ist aber nicht allein die Willkürlichkeit dieses Krieges, die etwas verwundert und damit das Vergnügen schmälert. Die Witze sind nicht einmal besonders gut. Wo es bei Kevin – Allein zu Haus doch noch irgendwie Spaß machte mitanzusehen, wie in die absurdesten Fallen getappt wurde, nimmt man die Vorkommnisse hier zwar zur Kenntnis. Mehr aber auch nicht: Die komischen Situationen lassen ebenso kalt wie die emotionaleren, wenn sich die Familie ganz obligatorisch doch noch annähert. Genauer versucht Regisseur Tim Hill (Muppets aus dem All) hier eine Balance aus Gemeinheit und Besinnlichkeit, scheitert letztendlich an beidem. Weder ist das Ganze familiengerecht, noch hat die Komödie den nötigen Biss, um das erwachsene Publikum anzusprechen.

Stattdessen schlingert Immer Ärger mit Grandpa ein bisschen vor sich her. Das ist vor allem um das prominente Ensemble schade, das neben De Niro und Thurman immerhin die Altstars Cheech Marin, Jane Seymour und Christopher Walken umfasst. Doch deren Rollen sind zu undankbar, zu unbedeutend, als dass die Urgesteine wirklich genug herausholen könnten. Das Ergebnis ist vielleicht nicht das Desaster, zu dem es in den US-amerikanischen Kritiken gemacht wurde, da bringt das Land regelmäßig doch deutlich schlimmere Komödien hervor. Aber es ist schon schade, wie wenig aus dem an und für sich vielversprechenden Szenario und eben dem versammelten Talent gemacht wurde. Da hätte schon mehr herausspringen müssen als eine derart uninspirierte Gagparade.

Credits

OT: „The War with Grandpa“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Tim Hill
Drehbuch: Tom J. Astle, Matt Ember
Vorlage: Robert Kimmel Smith
Musik: Aaron Zigman
Kamera: Greg Gardiner
Besetzung: Robert De Niro, Uma Thurman, Rob Riggle, Oakes Fegley, Laura Marano, Cheech Marin, Jane Seymour, Christopher Walken

Bilder

Trailer

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Immer Ärger mit Grandpa
Ein Junge erklärt seinem Großvater den Krieg, nachdem dieser ihn aus seinem Zimmer vertrieben hat. „Immer Ärger mit Grandpa“ versucht witzig und bewegend zu sein, ist aber weder das eine noch das andere. Die Gags zünden nicht wirklich, vieles bleibt willkürlich, die obligatorische Annäherung ist zu forciert – da hilft auch das prominente Ensemble nicht mehr.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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