Kritik

Der Titel ist natürlich schon irgendwie gemein und bewusst irreführend. Wenn von jemandem die Rede ist, der ein Herz aus Gold hat, dann ist das normalerweise nur im übertragenen Sinn gemeint und soll einen Menschen würdigen, der selbstlos, mitfühlend und aufopferungsbereit ist. Zum Teil trifft das sicherlich auch auf Heart of Gold zu, wenn hier eine alleinerziehende Mutter für den darbenden Sohn eine Menge aufgibt. Genauer verkauft sie Körperteile an eine reiche alte Frau und ihren Mann, um mit dem Geld die Not der Familie zu lindern. Erst einmal auf den Geschmack gekommen, werden fleißig Extremitäten und Organe ausgetauscht. Dafür gibt es ein Säckchen Münzen sowie einen körperlichen Ersatz aus Gold.

Zwischen Liebe und Gier
Umgesetzt hat Simon Filliot dies als Stop-Motion-Kurzfilm, der gleichermaßen düster wie bizarr ist. Anfangs braucht es ein wenig um zu verstehen, was genau da geschieht, da Heart of Gold auch auf jegliche Form von Sprache verzichtet. Da wird nur gegrunzt und geschnaubt, um Gefühle auszudrücken. Zu sagen hat der Franzose dennoch einiges. Was als Drama über Aufopferung und soziale Missstände beginnt, wandelt sich zu einer Auseinandersetzung mit der Gier und zum Schluss auch mit dem Thema der Identität. Je mehr die beiden Frauen Körperteile austauschen, umso austauschbarer werden sie auch als Figuren. Die Frage: Was bleibt von einem Menschen, wenn der komplette Körper fort ist?

Eine wirkliche Antwort bleibt der Beitrag der Hofer Filmtage 2020 schuldig, dafür ist er auch zu kurz mit seinen wenigen Minuten Laufzeit. Es geht dann doch mehr um die Atmosphäre, die teilweise an einen Horrorfilm erinnert. Für diese ist Heart of Gold aber sehenswert, zumal die technische Umsetzung ebenfalls gefällt.

Credits

OT: „Un Cœur d’Or“
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Regie: Simon Filliot
Drehbuch: Simon Filliot, Morgan Simon
Musik: Léonie Pernet



(Anzeige)

Heart of Gold
„Heart of Gold“ ist ein sehenswerter Stop-Motion-Kurzfilm um eine Frau, die ihre Körperteile verkauft, um ihren Sohn versorgen zu können. Trotz fehlender Dialoge hat er einiges zu den Themen Gier und Identität zu sagen, gefällt dabei durch eine düstere Atmosphäre.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort