Kritik

Das Traum Team The Dream Team

„Das Traum-Team“ // Deutschland-Start: 4. Januar 1990 (Kino) // 13. August 2020 (DVD/Blu-ray)

Dr. Jeff Weitzman (Dennis Boutsikaris) hat als Psychologe in einer Nervenheilanstalt in New Jersey alle Hände voll zu tun, hat er es doch mit einigen richtigen harten Fällen zu tun. Billy (Michael Keaton) ist ein pathologischer Lügner, der jede Form von Regel ablehnt. Henry (Christopher Lloyd) ist dafür umso pedantischer und hält sich zudem für einen der Ärzte in der Anstalt. Aber das ist noch bescheiden im Vergleich zu Jack (Peter Boyle), der davon überzeugt ist, Jesus Christus zu sein. Und dann wäre da noch Albert (Stephen Furst), der völlig auf Baseball fixiert ist und normale Kommunikation verlernt hat. Eigentlich wollte sich Weitzmann mit den vieren auch ein echtes Baseball-Spiel anschauen. Doch dabei kommt es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall, nachdem die vier Patienten plötzlich allein durch New York City müssen …

Alles Bekloppte
Was heißt schon normal? Wer viel Zeit mit Menschen verbringt, ihnen in öffentlichen Verkehrsmitteln begegnet, an Supermarkt-Schlangen, bei Sportveranstaltungen oder anderen Plätzen, an denen viele zusammenkommen, der könnte schon mal den Eindruck gewinnen, dass irgendwie alle bekloppt sind. Da hat es natürlich einen gewissen Reiz, die vermeintlich Irren auf den Rest loszulassen und zu schauen, was so passiert. Das Traum-Team scheint auf eben dieser Annahme zu basieren, wenn es vier Patienten einer psychiatrischen Anstalt mitten in New York aussetzt. Eine Stadt also, die einen selbst ohne psychische Vorgeschichte schnell mal in den Wahnsinn treiben kann.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist von dieser Idee jedoch nicht so wahnsinnig viel übrig geblieben. Was leicht ein Kommentar auf die Gesellschaft und die diversen Absurditäten hätte sein können, an die wir uns gewöhnt haben, kommt hier nicht so recht zum Zuge. Auch die Möglichkeiten einer Satire werden nicht genutzt. Stattdessen schrieb man in Das Traum-Team eine Art Krimikomödie drumherum, garnierte das noch mit einer Liebesgeschichte und der Annahme, dass jeder, der psychische Probleme hat, nur ein bisschen an sich arbeiten muss, dann wird das schon. Schließlich haben es die vier hier ja auch geschafft, mehr oder weniger.

Wenig ambitioniert, aber nett
Das kann man nun putzig oder respektlos finden, da psychische Krankheiten auf diese Weise verharmlost und bagatellisiert werden, für ein paar kleinere Scherze missbraucht. Andererseits ist so gut wie nichts in Das Traum-Team in irgendeiner Form realistisch dargestellt. Vielmehr versucht der Film die Balance aus Absurdität und ein bisschen Wohlfühl-Aufmunterung, dazu gibt es diverse Klischees, mit denen mal gespielt, mal auch ungefragt übernommen werden. Das ist sicherlich nicht übermäßig ambitioniert, so wie das Drehbuch allgemein ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher geht. Man hat an einigen Stellen schon das Gefühl, das alles zuvor bereits gesehen zu haben. Die interessanteste Wandlung – Jack wurde von einem gewissenlosen Werbefachmann zum selbstlosen Jesus – zeigt, dass das mehr drin gewesen wäre.

Trotz der Neigung zur Belanglosigkeit: Das Traum-Team ist eine durchaus nette Komödie. Die exzellente Besetzung aus Keaton (Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)), Lloyd (Zurück in die Zukunft), Boyle (Frankenstein Junior) und Furst hat jede Menge Spaß, holt immer wieder einiges aus den jeweiligen Rollen heraus. Zusammen mit dem Nostalgie-Faktor, den diese typische 80er-Jahre-Produktion mitbringt, reicht das aus, um sich hiermit die Zeit vertreiben zu können. Der Titel ist dann aber doch etwas hochgegriffen, von einem Traum ist dieser Film ein ganzes Stück entfernt. Solides Mittelmaß, mehr als das sollte man nicht erwarten.

Credits

OT: „The Dream Team“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Howard Zieff
Drehbuch: Jon Connolly, David Loucka
Musik: David McHugh
Kamera: Adam Holender
Besetzung: Michael Keaton, Christopher Lloyd, Peter Boyle, Stephen Furst, Lorraine Bracco, Dennis Boutsikaris

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Das Traum-Team
In „Das Traum-Team“ sind vier Patienten einer psychiatrischen Anstalt auf einmal mitten in New York City gestrandet. Das bringt eigentlich viel Potenzial für gesellschaftliche Kommentare mit sich. Die Komödie schwankt aber zwischen Absurdität, vielen Konventionen und Wohlfühlmomenten. Das ist insgesamt solide und prima besetzt, hätte jedoch mehr sein können.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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