Kritik

Nach dem unglaublichen Cliffhanger des dritten Bandes von Golden Kamuy erfährt man nun, ob Asirpa und Sugimoto den Kampf gegen den legendären Bärentöter Tetsuzo Nihei gewinnen und es ihnen gelingt, Retar vor den Klauen des brutalen Jägers zu retten. Nicht nur der Kampf an sich birgt einige Überraschungen, auch der Ausgang lässt die Welt der Ainu und die Wildnis Hokkaidos in neuem Licht erscheinen. Der im Kampf verwundete Genjirou Tanigaki, ehemaliges Mitglied der Siebten Division, erzählt zudem seinen Rettern, die ihn ins Dorf der Ainu und in die Obhut von Asirpas Familie bringen, was es genau auf sich hat mit Tsurumi, der sich zum neuen Anführer der Division auserkoren hat, was für eine Art Soldat er ist und was seine politischen Ziele sind, die er mithilfe des Ainu-Goldes Wirklichkeit werden lassen möchte. Während sich Asirpa und Sugimoto wieder aufmachen in die Wälder, versucht Yoshitake derweil an mehr Informationen in der Stadt zu kommen, wobei er geradewegs Tatsuma Ushiyama, einem Hünen, dessen Kampfkunst berüchtigt ist, in die Quere läuft. Dieser hat noch eine Rechnung mit dem „Ausbrecherkönig“ zu begleichen und es kommt zu einer Verfolgung durch die Straßen. Auch wenn er schließlich gefangen genommen wird, gelingt es Yoshitake Informationen über einen weiteren Teil der Schatzkarte und damit einen weiteren Gefangenen herauszubekommen, doch die Suche nach diesem erweist sich als sehr gefährlich und führt geradewegs in den Kern einer brutalen Mordserie an der Küste Hokkaidos.

Schneller Vorteil, langfristiger Gewinn
In dem nunmehr vierten Band der Manga-Reihe Saturo Kodas rückt die Suche nach dem Ainu-Schatz etwas in den Hintergrund, während sich die Geschichte Zeit lässt, einen genaueren Blick auf einzelne Charaktere zu werfen. Neben einer Episode um Sugimotos Vorgeschichte sowie seine große Liebe und einen Rivalen, steht auch Tsurumi im Fokus einer längeren Episode, die sein taktisches Geschick bei der Erstürmung einer feindlichen Stellung im Japanisch-Russischen Krieg zeigen. Somit ist auch der vierte Band von Golden Kamuy eine Geschichte darüber, wie der Krieg Menschen verändert hat und wie die japanische Gesellschaft sich nach diesem entwickelte.

Schon lange ist die reine Gier nach dem Gold kein Motiv mehr für die Hauptakteure der Geschichte. Stehen für Sugimoto oder Asirpa noch rein persönliche Motive im Vordergrund, so ist es gerade für jemanden wie Tsurumi, dessen Rolle als Gegenspieler immer mehr Gewicht erhält, auch eine politische Agenda, ist er doch an der Schaffung einer neuen Gesellschaft interessiert. Seine Stimme und sein Plan, für den selbst Sugimoto so etwas wie Sympathie empfindet, greift die Hoffnungslosigkeit der Krieger auf, die nach ihrem Einsatz vom Vaterland alleine gelassen werden mit ihren körperlichen und seelischen Wunden. Es ist eine gefährliche, populistische Position, deren Ende in einer Diktatur enden wird.

In einer Welt, in der viele nur auf den schnellen Vorteil aus sind, auf die Früchte der Jagd, die meist schnell verbraucht sind, stehen Ideologien wie die Tsurumis für ein längerfristiges Ziel. Die traditionelle Welt der Ainu, die sich im Einklang mit der Natur sehen, ist der Gegenpol, ist sie doch, repräsentiert durch Figuren wie Asirpa, ein Zeichen für Freiheit und einen anderen Weg, den Menschen wie Tsurumi auszumerzen gedenken.

Der Lohn der Jagd
Neben diesen gesellschaftlichen und politischen Aspekten spielt naturgemäß auch der Aspekt der Jagd eine gewichtige Rolle im vierten Band von Golden Kamuy. Abgesehen von dem Duell mit jenem Bärentöter, ist es abermals die Jagd nach Adlern oder später nach Walen an der Küste Hokkaidos, welche die Verbindung Asirpas und Sugimotos betont. Gerade in diesen Sequenzen nimmt sich die Geschichte Zeit die Veränderung in Figuren wie Sugimoto zu beleuchten, der über sein bisheriges Leben reflektiert und sich langsam aber sicher ein anderes Leben als jenes des „unsterblichen Sugimoto“ aufbaut. Natürlich darf auch in diesen Momenten das Kochen und das Essen nicht fehlen, jenes Gemeinschaftserlebnis, das Noda immer wieder in den Mittelpunkt jener weniger dramatischen Episoden seiner Geschichte stellt.

Credits

OT: „Golden Kamuy“
Land: Japan
Jahr: 2015
Text: Saturo Noda
Zeichnung: Saturo Noda

Bilder

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Golden Kamuy – Band 4
3.8 (76%) 5 Artikel bewerten

Golden Kamuy – Band 4
Der vierte Band ist eine packende Fortsetzung der Geschichte um Saichi Sugimoto und die Ainu-Jägerin Asirpa. Gespickt mit vielen Hintergründen zu einzelnen Figuren sowie deren Welt, zahlreichen Actionelementen und einer guten Charakterentwicklung entwickelt sich "Golden Kamuy" zu einer insgesamt sehr interessanten und spannenden Geschichte.
4.0Gesamtwertung

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