Kritik

From Beyond

„From Beyond“ // Deutschland-Start: 13. Mai 2014 (DVD/Blu-ray)

Seit vielen Jahren schon arbeitet der Physikstudent Crawford Tillingast (Jeffrey Tombs) zusammen mit dem berühmten Dr. Edward Pretorius (Ted Soret) an einem Resonator, einer Maschine, die durch Anregung der menschlichen Zirbeldrüse noch ungeahnte Möglichkeiten des Menschen offenbaren könnte. Bei einem ersten Testlauf kommt es jedoch sehr viel anders, als es sich die beiden Wissenschaftler dachten, denn das Tor zu einer anderen Welt öffnet sich und eine Kreatur tötet Pretorius, während Tillingast mit Mühe und Not noch die Flucht gelingt. Als dieser von der Polizei verhaftet wird, hält man ihn für den Mörder Pretorius’, doch wegen seiner abstrusen Geschichte über den Mord wird er in eine Klinik für psychisch Kranke eingewiesen, wo die aufstrebende Ärztin Dr. Katherine McMichaels (Barbara Crampton) auf seinen Fall aufmerksam wird. Gewillt Tillingast zu heilen und eine Erklärung für den Mord zu finden, kehrt sie mit Tillingast sowie dem Polizisten Buford Brownlee (Ken Foree) in jenes Anwesen zurück, in dem sich die Bluttat ereignete. Dort angekommen verlangt sie von Tillingast, das Experiment zu wiederholen, was dieser nach vehementem Widerstreben dennoch tut. Abermals öffnet sich die Tür zu einer anderen Welt, jedoch kann dieses Mal Schlimmeres verhindert werden, als Tillingast in letzter Minute die Maschine abstellt. Die Visionen, gleichsam schrecklich wie betörend, lassen vor allem Katherine nicht mehr los, die sich schon bald danach sehnt, noch tiefer in die unbekannte neue Welt vorzudringen.

Das dritte Auge
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit von Regisseur Stuart Gordon, Schauspieler Jeffrey Combs und Produzent Brain Yuzna an Re-Animator sollte das Trio schon ein Jahr nach diesem Film wieder zusammenarbeiten. Im Falle von From Beyond  bildete abermals eine Kurzgeschichte des Autors H.P. Lovecraft den Rahmen der Handlung, welche das Geschehen in die Gegenwart verlegt und auf viele andere Werke des Horrorgenres wie Frankensteins Braut verweist. Entstanden ist hierbei ein Film der – wie schon Re-Animator – als Horrorkomödie funktioniert, doch sein wahres Potenzial zeigt, wenn man ihn als Geschichte betrachtet, die sich mit dem menschlichen Körper sowie unserer Anziehung zum Bösen oder zu anderen Welten befasst.

Mag man auch die Person H.P. Lovecraft (zu Recht) problematisch finden, so ist sein Status innerhalb der Welt der fantastischen Literatur unbestritten. Im Medium Film setzte Stuart Gordon mit Arbeiten wie Re-Animator und From Beyond dem Autor ein cineastisches Denkmal, welches nicht nur die Zeitlosigkeit der Geschichten betont, sondern, ähnlich wie das Kino David Cronenbergs, auf unsere sehr moderne Obsession mit der eigenen Körperlichkeit sowie der Sucht nach immer neuen Erfahrungen auseinandersetzt. Stets sind es Wissenschaftler oder Forscher, die sich diese neue Welt oder Dimension erschließen, sie entdecken und ihr schließlich gänzlich erlegen, nicht ohne vorher Chaos in ihrem Umfeld gestiftet zu haben. Die Erfahrung dieser neuen Welt geht einher mit einem neuen Weltverständnis, einer Angst und einer komplett veränderten Wahrnehmung, nicht selten gekoppelt an eine Veränderung des eigenen Körpers, dem (wortwörtlichen) Wachsen eines dritten Auges.

Anders als es Clive Barker in Hellraiser – Das Tor zur Hölle oder später in dem unterschätzten Nightbreed machte, ist diese Welt nicht etwa außerhalb der unsrigen, sondern sie ist immer um uns herum. Pretorius und McMichaels sind letztlich Repräsentanten einer Wissenschaft, die nicht nur vom Fortschrittsdenken besessen ist, sondern auch von ihrem eigenen Forschungsgegenstand, der letztlich mehr sie verändert, als sie ihn. Diese Veränderung ist eine körperliche wie auch eine psychologische, wie man besonders an der von Barbara Crampton gespielten Figur sehen kann, die nach der ersten Kostprobe jener anderen Welt sich, gerade was ihre sexuellen Präferenzen angeht, komplett verwandelt.

Anziehung und Selbst
Ohne auf wissenschaftsethische Diskurse zu verweisen, stellen Gordons frühe Filme die Frage nach der Anziehungskraft jener Welt und inwiefern diese nicht schon immer Teil einer als Normalität angesehenen Wirklichkeit ist. Erschrecken und Faszination wechseln sich ab, als die drei Charaktere auf die SM-Fantasien von Pretorius aufmerksam werden, der sein Zimmer mit diversen Accessoires ausgestattet hat. Ähnliches sieht man, als sie die Verwandlung des Wissenschaftlers bemerken, der nun ganz in dieser neuen Dimension aufgeht: eine neue Stufe der Wahrnehmung einerseits, doch zudem noch eine nicht zu unterschätzende Anziehung, auch in sexueller Hinsicht. Auf visueller Ebene spielt Gordon mit diesen Ideen, besonders durch sehr zweideutige Einstellungen oder entsprechende Effekte.

Credits

OT: „From Beyond“
Land: USA
Jahr: 1986
Regie: Stuart Gordon
Drehbuch: Dennis Paoli
Vorlage: H.P. Lovecraft
Musik: Richard Band
Kamera: Rick Fichter
Besetzung: Jeffrey Tombs, Barbara Crampton, Ken Foree, Ted Soret, Carolyn Purdy-Gordon

Bilder

Trailer

Filmfeste

Sitges 1986
SLASH Filmfestival 2020

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From Beyond
4 (80%) 4 Artikel bewerten

From Beyond
"From Beyond" ist ein sehr unterhaltsamer, visuell provokanter Horrorfilm. Wie schon in "Re-Animator" spielt Stuart Gordon mit der Anziehung, die von einer Welt jenseits der unsrigen ausgeht, stellt die Frage, ob sie nicht gar Teil unserer Realität und unseren (sexuellen) Fantasien sein könnte. Thematisch und formal ergibt dies einen sehr interessanten Film, der in mehr als nur einer Hinsicht seine Zuschauer fordert.
8von 10

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