Kritik

Der Kurier Sein Leben für die Freiheit

„Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit“ // Deutschland-Start: 21. August 2020 (DVD/Blu-ray)

1944 steuert der Zweite Weltkrieg auf seinen Höhepunkt zu, die Alliierten sind fest entschlossen, das Dritte Reich zurückzudrängen und Europa zu befreien. Aber nicht alle sind über den Verlauf glücklich. So steigt in Polen die Angst, von den nahenden Truppen der Sowjetunion vereinnahmt zu werden. Zeitgleich wird Jan Nowak-Jezioranski (Philippe Tlokinski), ein polnischer Offizier, der als Abgesandter in London lebt, auf eine gefährliche Mission geschickt: Er soll zurück in seine Heimat und eine streng vertrauliche Nachricht an den dortigen Widerstand übermitteln. Doch das ist alles nicht so einfach, sind doch diverse Geheimdienste hinter ihm her, weshalb bald schon nicht mehr klar ist, wer Freund und wer Feind ist …

Von allen Seiten verlassen
Filme über den Zweiten Weltkrieg arbeiten meist mit einem sehr einfachen Schema: Es gibt die Nazis und es gibt die Guten. Dabei spielt es dann auch keine wirkliche Rolle, ob der Film nun aus Hollywood kommt, aus Frankreich oder Russland, man ist geeint durch den gemeinsamen Feind. Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit will grundsätzlich nicht an dieser Einteilung rütteln, mit einer Szene, welche die deutschen Besatzer als grausame Monster zeigen, geht es gleich los. Die Willkürlichkeit des Krieges wird gezeigt, der zynische Umgang mit menschlichem Leben, welches als nicht würdig angesehen wird.

Der weitaus interessantere Aspekt ist aber, dass Regisseur und Co-Autor Wladyslaw Pasikowski nicht allein diese Gräueltaten aufzeigt, sondern dass sein Heimatland zum Opfer aller möglichen Mächte wurde. Während die Einverleibung durch die Sowjetunion und die anschließende stalinistische Schreckensherrschaft bekannt sind, weist Der Kurier auf die Verantwortung der westlichen Alliierten hin, für die Polen nur eine Spielfigur war. Zu wichtig war der Schulterschluss mit der Sowjetunion, um Deutschland zu Fall zu bringen, als dass man Rücksicht auf das mitteleuropäische Land nehmen wollte. Jenes Land, dessen Eroberung überhaupt erst zum Zweiten Weltkrieg führte, wurde von den anderen im Stich gelassen.

Der Held, das nichtssagende Wesen
Allerdings erzählt diese Aspekte eher am Rand, um damit die Gefährlichkeit der Mission noch stärker zu betonen. Sollte irgendetwas schief gehen, der Held und die anderen wären auf sich selbst gestellt. Als Figur ist dieser dafür nur wenig spannend. Er ist der typische Protagonist, der mit windschnittiger Frisur, einem wohlgeformten Gesicht und was es sonst noch so braucht, zur Projektionsfläche des Publikums wird, das auch gern so wäre wie er. Wer er ist, wird dabei nicht mal wirklich klar. Er ist mutig, lässt sich durch niemanden von seiner Mission abbringen und darf am Ende auch noch mit einer schönen Frau flirten, die es wie in solchen Werken üblich in den Film geschafft hat, zur Auflockerung.

Ansonsten dreht sich die Geschichte ohnehin überwiegend darum, wie Jan durch Europa reist, immer auf der Hut, oft auf der Flucht, verfolgt durch andere. Das ist phasenweise schon packender, zumal eben auch während der ruhigeren Passagen nie Entwarnung angesagt ist. So ein bisschen gesundes Misstrauen gehört immer dazu, wenn man durchs Feindesland reist und nicht weiß, mit wem man es zu tun hat. Manchmal ist das etwas unübersichtlich, da schon recht viele Figuren hier mitmischen. Außerdem ist die oft zu lustvoll dramatische Musik schnell irritierend, da sie einen viel zu sehr daran erinnert, dass man gerade einen Film schaut. Da die Ausstattung ganz schön geworden ist und solche Geheimmissionen immer einen ganz eigenen Charme haben, spricht nichts dagegen, es mit dieser hier zu versuchen. Es spricht nur auch nicht so wahnsinnig viel dafür.

Credits

OT: „Kurier“
Land: Polen
Jahr: 2019
Regie: Wladyslaw Pasikowski
Drehbuch: Wladyslaw Pasikowski, Sylwia Wilkos
Musik: Jan Duszynski
Kamera: Magdalena Górka
Besetzung: Philippe Tłokiński, Julie Engelbrecht, Patrycja Volny, Tomasz Schuchardt, Grzegorz Małecki

Bilder

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Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit
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Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit
„Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit“ erzählt von einem polnischen Abgesandten, der 1944 eine wichtige Geheimbotschaft zu übermitteln hat. Der Kriegsthriller hat durchaus seine Momente, wenn man sich hier nie so wirklich sicher fühlen kann. Die eher uninteressante Hauptfigur und die aufdringliche Musik tragen jedoch weniger zum Vergnügen bei.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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