Kritik

Daddys Girl

„Daddy’s Girl“ // Deutschland-Start: 28. August 2020 (Mediabook)

Seit dem Selbstmord ihrer Mutter wächst Zoe (Jemma Dallender) bei ihrem Stiefvater John Stone (Costas Mandylor) auf, doch das Leben mit ihm ist alles andere als normal. Nicht nur, dass er sie wie eine Geliebte behandelt, er hat sie sich auch hörig gemacht, sodass sie ihm bei seinen nächtlichen Beutezügen in der kleinen Stadt hilft, in deren Nähe sie leben. John ist nämlich ein Serienmörder, der sich durch Zoes Hilfe an junge Frauen heranmacht, die er mit nach Hause nimmt, wo er sie in einem abgeschlossenen Raum zu Tode foltert. Zoes sieht keine andere Möglichkeit, als dem Treiben zuzusehen und, wenn sich die Möglichkeit bietet, das Leiden von Johns Opfern zu verkürzen, was immer wieder zu Streitereien zwischen ihnen führt. Eines Tages wird der neue Deputy, Scott Wallace (Jesse Moss), auf Zoe aufmerksam sowie auf ihren Vater. Als er John auf dessen Zeit in der Armee anspricht, reagiert er eher ausweichend in seinen Antworten, was Scott noch lange nach dem Gespräch beschäftigt. Er ist sich sicher, John schon einmal in einem anderen Zusammenhang in der Armee gesehen zu haben und seine Recherche führt Schreckliches zutage.

Komplizenschaft
Bereits im Mai 2003 landete das Drehbuch zu Daddy’s Girl auf dem Schreibtisch Julian Richards, der zur selben Zeit an The Last Horror Movie arbeitete. Wie er in Interviews sagt, war die Geschichte sehr beeinflusst von der Welle europäischer Horrorfilme wie Inside oder High Tension, nutzte Elemente des Genres und blutige Effekte, um die Psyche der Figuren näher zu erforschen. Zwar dauerte es dann doch eine ganze Weile, bis sich Richards und sein Team wieder dem Projekt widmeten, jedoch den Wurzeln blieben sie treu und schufen einen Horrorfilm, der sich Themen wie Verantwortung und Komplizenschaft auseinandersetzt, was er mit den US-amerikanischen Kriegsverbrechen verbindet.

Augenscheinlich kann man einen Film wie Daddy’s Girl als einen Serienmörderfilm betrachten, wie sie das Thriller- und Horrorgenre schon en masse zu bieten haben. Was Richards’ Geschichte nicht wirklich hilft in diesem Kontext sind die zahlreichen mittlerweile bekannten Stereotypen eines solchen Films, die sich insbesondere in der Figurengestaltung widerspiegeln, die sich weitestgehend in bekannten Mustern aufhalten und wenig bis gar nicht sich von diesen emanzipieren. Abgesehen von Costas Mandylor, dessen Gesicht Genrefans bekannt sein dürfte, schafft es kaum einer von Richards’ Darstellern, ihren Charakter über dieses Muster hinaus Gestalt zu verleihen. Doch selbst das Kriegstrauma, auf welches die Geschichte an vielen Stellen anspielt, wird nur angerissen und spielt für den Verlauf der Handlung eine eher untergeordnete Rolle.

Ein besonders interessanter Aspekt der Handlung ist die Behandlung des Themas der Komplizenschaft innerhalb der Charaktere. Ab dem Moment, in dem Johns Vergangenheit als Mithelfer bei Kriegsverbrechen bekannt wird, erhalten viele Szenen und Dialoge eine gewisse Tiefe. Gerade die Idee des Zusehens und des Duldens von Johns blutigen Taten rückt Richards in den Fokus und man fragt sich, inwiefern diese Charaktere dieses Morden zulassen, es akzeptieren oder geflissentlich ignorieren. Selbst der scheinbare Gnadenakt Zoes erscheint nun in einem anderen Licht und wirft Fragen auf bezüglich ihrer eigenen Verantwortung. Nicht umsonst fragt sie John mehrmals, ob sie dies nicht auch irgendwie genieße und selbst Teil davon sein will.

Ein Kreislauf der Gewalt
Die Gewalt des Krieges, die noch so fern erschien, wird in Daddy’s Girl Teil der Gemeinde, sogar Teil der Familie. Zoes und Richards Beziehung wird zu einem Spiegelbild von Verhältnissen, die schon lange nicht mehr normal sind, sondern eine Konsequenz einer paradoxen, amoralischen Gesellschaft, die mehrheitlich Dinge duldet oder sie nicht beachtet. Das Abnormale des Alltags von Zoe und John wird zu einer Routine, einer Normalität oder einem Kreislauf, der sich vor den Augen der Öffentlichkeit abspielt, wobei aber niemand wirklich reagiert oder einschreitet. Vielmehr gehen ihnen immer mehr junge Frauen ins Netz, ein Akt der Nachlässigkeit, den John direkt maßregelt, auf seine Art versteht sich.

Credits

OT: „Daddy’s Girl“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Julian Richards
Drehbuch: Timothy Hill, Sean Hogan
Musik: Holly Amber Church
Kamera: Dimitrije Jokovic
Besetzung: Jemma Dallender, Costas Mandylor, Jesse Moss, Britt McKillip

Bilder

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Daddy’s Girl
"Daddy‘s Girl" von Julian Richards ist eine Mischung aus Thriller und Horror, die durchaus ihren Reiz hat, aber durch Aspekte wie die Figurengestaltung sich selbst im Weg steht. Zwar lassen sich Vergleiche ziehen zu Werken wie "Inside" oder "High Tension", doch fehlen Julian Richards Film deren Unberechenbarkeit und der provokante Ton.
5von 10

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