Kritik

City of Jade

„City of Jade“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Die Verheißung von Glück ist von jeher ein entscheidender Antrieb für Menschen, die sich nach einem Ausweg aus Armut und anderen widrigen Lebensumständen sehnen. In der Geschichte vieler Länder und Kulturen gibt es Mythen wie El Dorado oder andere Konzepte, mit denen man ein Versprechen auf Reichtum verbindet. Jedoch lassen sich mit ihnen auch Tragödien und Dramen assoziieren, von eben jenen Menschen, die bei der Suche nach diesen Stätten ihr Leben ließen oder vermisst blieben. In gewisser Weise sind auch Ideen wie die des amerikanischen Traums von der Anlage her ähnlich, sind sie doch auch mit einem Versprechen auf Wohlstand verknüpft, welches man einlösen kann bei harter Arbeit, Pünktlichkeit, Ehrgeiz und anderen Aspekten, die es zu erfüllen gilt.

Dass ein solcher Ort sowie die mit ihm verknüpfte Verheißung auch Familien prägen kann, wird Regisseur Midi Z (Ice Poison, Nina Wu) bestätigen können. Sein älterer Bruder Zhao De-chin verließ die Familie im Alter von 16 Jahren, um in dem im Volksmund „City of Jade“ bekannten Gebiet im Kachin-Staat, dem nördlichsten Staat Myanmars, sein Glück in den Jade-Minen zu suchen. Jahre später sind die Brüder wieder vereint und Midi Z begleitet ihn auf seiner Rückkehr zu „City of Jade“, einem mittlerweile stark umkämpften Gebiet, wo er hofft, mithilfe einige Arbeiter und eines Investors selbst auf Jade zu stoßen und endlich mehr Geld zu machen.

Jedoch ist De-chins Vorhaben von vielen Hindernissen geprägt, vor allem seitens durch die Armee oder die Polizei, die immer wieder Arbeiter festnimmt oder Maschinen konfisziert. Die schwere Arbeit, welche die meisten mit einfachen Werkzeugen wie Hammer und Meißel verrichten, bringt nicht nur viele körperliche Gebrechen mit sich, sondern treibt viele der Arbeiter in die Drogensucht. Da Midi Zs Bruder schon einmal der Drogensucht verfallen war, ist die Lage für ihn besonders prekär und wird durch die äußeren Bedingungen noch verschärft.

Alles für einen Traum
In den Spielfilmen von Midi Z geht es immer wieder um Figuren, die aus ihrer Heimat fliehen, stets einer teils vagen Verheißung folgend, es irgendwo besser zu haben. Schon der Protagonist in Return to Burma ist nur ein temporärer Rückkehrer, der seine Heimat und damit seine Familie nur auf Zeit wiedersieht, bevor ihn die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder nach Taiwan oder andere Teil der Welt bringen. Menschen wie Zhao De-chin, denen wir in City of Jade folgen, sind ebenfalls zu Entwurzelten geworden, die auf der Suche nach dem Glück sich ihrer Familie gegenüber entfremdet haben. So ist die Dokumentation auch als eine Annäherung an diesen Menschen zu verstehen, der für Midi Z scheinbar ein Fremder ist, ein Versuch des Verstehens.

Ein solcher Versuch ist unauflöslich mit einer Annäherung an diesen Ort, die „City of Jade“, verbunden, deren Verheißung auf Wohlstand für viele Landsleute der beiden Brüder anziehend ist. Die Bilder von Razzien sowie der schweren Arbeit können als essentiell gesehen werden, wenn es darum geht, zu verstehen, was einen Menschen verändert hat.

Credits

OT: „Fei cui zhi cheng“
Land: Taiwan, Myanmar
Jahr: 2016
Regie: Midi Z
Musik: Lin Gong
Kamera: Midi Z, Wang Fu-ang

Trailer

Filmfeste

Berlinale 2016
Taiwan Film Festival 2020

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City of Jade
In „City of Jade“ begleitet Regisseur Midi Z seinen Bruder in den Norden Myanmars, wo er hofft, zu Reichtum zu kommen. Der Dokumentarfilm ist dabei ein Versuch des Verstehens der Menschen, die alles auf sich nehmen, um das Glück zu finden
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