Kritik

Running with the Devil

„Running with the Devil“ // Deutschland-Start: 17. Juli 2020 (DVD/Blu-ray)

Eines kann der als The Boss (Barry Pepper) bekannte Drogenbaron so gar nicht leiden: Wenn ihn jemand bescheißt. Und genau das scheint derzeit der Fall zu sein, irgendjemand streckt seine Ware, um sich dabei selbst etwas abzuzweigen. Also beauftragt er seine beiden Männer The Cook (Nicolas Cage) und The Executioner (Cole Hauser), der Sache auf den Grund gehen und den Schuldigen aus dem Verkehr ziehen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn während die beiden sich durch den Drogen-Untergrund kämpfen, dabei The Man (Laurence Fishburne) in die Geschichte hineinziehen, immer auf der Suche nach Antworten, ist ihnen eine ambitionierte Agentin (Leslie Bibb) der US-Drogenbehörde auf den Fersen, die aus persönlichen Gründen den Drogenhändlern den Kampf angesagt hat …

Bei den Massen an Filmen, die Nicolas Cage so dreht, ist es nahezu unmöglich, den Überblick zu behalten, geschweige denn sie alle gesehen zu haben. Nicht dass man das unbedingt müsste. Dann und wann dreht er tatsächlich etwas Interessantes, wo er seinen Hang zu manischen Auftritten gewinnbringend einsetzen kann – siehe vor allem Mandy und Die Farbe aus dem All. Ansonsten besteht sein Output aber überwiegend aus billig produzierter Wegwerfware, deren größte Spannung immer in der Frage besteht, wie schlecht das Ergebnis wohl dieses Mal ausfallen wird. Im Fall von Running with the Devil ist dieses jedoch erstaunlich solide, gerade auch im Hinblick auf die vernichtenden Kritiken, die bei Cage obligatorisch geworden sind.

Unterwegs in einer großen Maschine
Dabei ist der für sein Overacting gerühmte wie verspottete Schauspieler gar nicht so sehr im Mittelpunkt. Wenn Regisseur und Drehbuchautor Jason Cabell Cages Figur wie auch den anderen einen Namen verweigert, sondern ihn lediglich besonders schlichte Codenamen zugesteht, dann kann man das als den Versuch verstehen, irgendwie besonders cool rüberzukommen. Gleichzeitig ist es passend für einen Film, in dem jeder irgendwie nur ein kleines Rädchen ist. Anstatt eine geradlinige Jagd daraus zu machen, was Zusammenfassung und Titel irgendwie implizieren, gibt Running with the Devil einen Einblick in die gesamte Drogenschöpfungskette.

Das kann man nun komplex finden oder auch überkonstruiert, wenn die Geschichte sich in kleinsten Handlungsfäden verläuft. Uninteressant ist es nicht. Einen Dokumentarfilm sollte man natürlich nicht erwarten. Bei der großen Konkurrenz, die sich in den letzten Jahren der Hintergründe des Drogenhandels angenommen hat – etwa Narcos –, gab es deutlich ausgefeiltere Beispiele, sowohl in Hinblick auf die Porträts der Kartelle wie auch der Menschen, die dort arbeiten. Running with the Devil schafft es aber zumindest das Gefühl zu vermitteln, dass dies Teil einer großen Maschinerie ist, vollgestopft mit irgendwie verkrachten und gescheiterten Existenzen.

Wo sind die Helden?
Dass die sich gegenseitig mal an die Gurgel gehen, ist klar: Im Drogengeschäft darf man nicht zu zimperlich sein, sofern man es zu was bringen will. Bemerkenswert ist dabei, dass auch die Drogen-Agentin im Zweifelsfall über Leichen geht, wodurch dem Publikum eine Heldenfigur fehlt, selbst eine Identifikationsfigur lässt sich nicht blicken. Am ehesten geht da noch The Cook durch, und das obwohl sich Cage dieses Mal auffallend zurückhält, selbst in den besonders brenzligen Momenten, von denen es später einige geben wird, nicht völlig aufdreht. Man könnte sogar fast Mitleid mit der Figur haben, die so offenkundig am liebsten gar nicht an diesem Selbstmordkommando beteiligt wäre.

Das  könnte manchen im Publikum ähnlich gehen, gerade auch wenn sie sich Dauer-Action versprechen. Es geschieht zwar irgendwie dauernd etwas in Running with the Devil, ohne dadurch aber zwangsläufig Spannung zu erzeugen. Ein bisschen rauscht das hier schon an einem vorbei, so als hätte man selbst vielleicht was eingeworfen. Eine Suchtgefahr oder andere Folgen sind dabei jedoch äußerst unwahrscheinlich: Der Thriller ist ein immerhin solider Vertreter, der mit einem prominenteren Ensemble und teils schönen Bildern schon einiges aus dem Stoff herausholt. Kann man sich anschauen.

Credits

OT: „Running with the Devil“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Jason Cabell
Drehbuch: Jason Cabell
Musik: Reinhold Holt
Kamera: Cory Geryak
Besetzung: Nicolas Cage, Laurence Fishburne, Leslie Bibb, Barry Pepper, Cole Hauser

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Running with the Devil
3.69 (73.75%) 16 Artikel bewerten

Running with the Devil
In „Running with the Devil“ lernen wir eine ganze Reihe von Leuten kennen, die irgendwie Teil eines Drogengeschäftes sind – oder dagegen ankämpfen. Das ist nicht so actionreich, wie man denken könnte. Dafür versucht sich der prominent besetzte und teils schön bebilderte Thriller an einem größeren Rundumschlag zum Thema.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.