Kritik

Rock the Kasbah DVD

„Rock the Kasbah“ // Deutschland-Start: 24. März 2016 (Kino) // 29. Juli 2016 (DVD/Blu-ray)

Für Richie Lanz (Bill Murray) lief es schon mal besser. Während er früher mit den ganz großen Stars des Musikgeschäfts unterwegs war, interessiert sich heute kaum noch jemand für den abgehalfterten Manager. Und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit Ronnie (Zooey Deschanel), der einzigen ihm noch verbliebenen Künstlerin, nach Afghanistan zu fahren und vor Truppen aufzutreten. Denn irgendwoher muss ja das Geld kommen. Aber nicht einmal das klappt wie erhofft. Während er sich mit dem skrupellosen Söldner Bombay Brian (Bruce Willis) herumplagt, trifft er auf die junge begnadete Sängerin Salima (Leem Lubany) – und ist im Anschluss fest entschlossen, sie bei einer Talent-Show unterzubringen …

Dass Schauspieler in die Jahre kommen können und irgendwann nur noch in ärgerlich überflüssiger Wegwerfware zu sehen sind, das haben schon viele große Talente vorgeführt. Aber es betrifft auch die Leute hinter der Kamera. Rob Reiner ist so ein Fall, der nach diversen Kultfilmen in den 80ern und 90ern zuletzt nichts Bedeutendes mehr auf die Reihe bekommen hat. Oliver Stone läuft ebenfalls schon seit einer Weile der eigenen Relevanz hinterher. Gleiches gilt für Barry Levinson, der immerhin so bedeutende Titel wie Rain Man oder Bugsy inszeniert hat, inzwischen aber einen Flop nach dem anderen abliefert.

Ein Dream Team von anno dazumal
Ein Tiefpunkt in der Hinsicht ist Rock the Kasbah, der bei seinem Start in den USA so richtig baden ging. Dabei klang das hier eigentlich nach einem No-Brainer. Der Regisseur erzählt wie in seinem Hit von 1987, dem tragikomischen Kriegsfilm Good Morning, Vietnam, von einem US-Amerikaner, der in ein Kriegsgebiet geht, um die Truppen zu unterhalten. Gespielt wird dieser von einem großen Komiker – damals Robin Williams, hier Billy Murray. Das Drehbuch wiederum stammt von Mitch Glazer, der ebenfalls in den späten 80ern Die Geister, die ich rief geschrieben hat, eine zwar alberne, aber doch unterhaltsame Neuinterpretation von der bekannten Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens – mit eben Murray in der Hauptrolle.

Angesichts eines solches Dream Teams kann man schon einiges erwarten. Irgendwie wurde da aber nichts draus. Bill Murray zeigt zwar wieder sein Talent als zynischer Egozentriker, womit er zuvor in Kultfilmen wie Ghostbusters – Die Geisterjäger oder Lost In Translation – Zwischen den Welten geglänzt hatte. Und auch wenn es natürlich immer schön ist, das Knautschgesicht sehen zu dürfen, zu hören, wie er sich nach all den Jahren auf seine unvergleichbare Weise schnodderig-anmaßend gibt: Es fehlt hier dann doch der passende Rahmen. Fehlt ein schlüssiges Konzept, wie man ihm eine Bühne bieten und gleichzeitig etwas erzählen kann. Und es fehlt an guten Witzen.

Von allem etwas nichts
Nicht dass Rock the Kasbah mit Versuchen geizen würde. Da werden unentwegt Figuren eingeführt, die meisten davon Karikaturen, was zu jeder Menge Reibung führt. Wenn Amis im Ausland unterwegs sind, kommt es ja fast automatisch zu Culture-Clash-Momenten, umso mehr wenn dieses Ausland so andersartig ist wie Afghanistan. Tatsächlich witzig ist das Ergebnis aber nicht, der Film schwankt zwischen dem Abhaken von Klischees und übertriebenen Szenen, ohne dass daraus eine Einheit würde. Irgendwie versucht man alles mal, in der Hoffnung, dass in der Summe genug rausspringt.

Ein wichtiger Bestandteil darin ist die Läuterung des Protagonisten. Auch das ist Murray bestens vertraut, von besagtem Die Geister, die ich rief über Und täglich grüßt das Murmeltier bis zu St. Vincent gab es genügend Beispiele, bei denen jeweils der Zyniker sein Herz wiederentdecken durfte. Das ist hier dann aber so formelhaft, dass es selbst zu einem Zynismus wurde. Und das ist schon schade, denn die zugrundeliegende Geschichte von Talent Shows in Afghanistan ist eigentlich spannend und hätte mehr verdient, als eine Randnotiz für die One-Man-Show Murrays zu sein. Die hat zwar auch ihre Momente, verblasst aber derart stark vor den deutlich unterhaltsameren Werken des Altstars, dass einem hier die Argumente ausgehen, sich das anschauen zu wollen.

Credits

OT: „Rock the Kasbah“
Land: USA
Jahr: 2015
Regie: Barry Levinson
Drehbuch: Mitch Glazer
Musik: Marcelo Zarvos
Kamera: Sean Bobbitt
Besetzung: Bill Murray, Kate Hudson, Beejan Land, Zooey Deschanel, Danny McBride, Scott Caan, Bruce Willis, Arian Moayed, Leem Lubany

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Rock the Kasbah
3.96 (79.13%) 23 Artikel bewerten

Rock the Kasbah
Billy Murray als abgehalfterter Musik-Manager, der nach Afghanistan geht? Das hörte sich eigentlich gut an. „Rock the Kasbah“ enttäuscht aber als mäßig unterhaltsame Komödie, die sich nicht entscheiden kann, ob sie überdreht oder streng nach Klischees arbeiten will, was zu einem wenig geglückten Mix führt, dem ein wirkliches Konzept fehlt und zu wenig aus der eigentlich spannenden Materie herausholt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.