Kritik

Popeye the Sailor Meets Sindbad the SailorAngst? Nein, die kennt Sindbad nicht. Angst verbreiten, das kann er hingegen schon. Ob es nun der gigantische Vogel Roch ist, wilde Löwen, ein zweiköpfiger Riese oder ein Schlangenungetüm, sie alle zittern vor dem Seemann, wenn der erst einmal loslegt. Als zufällig Popeye an seiner Insel vorbeisegelt und droht, ihm den Titel streitig zu machen, fackelt Sindbad daher nicht lange: Er schickt Roch los, um das Schiff zu zerstören und die schöne Olivia zu entführen. Doch dabei hat er die Rechnung ohne Popeye gemacht, der sich gemeinsam mit Wimpy auf den Weg macht, um seine Geliebte wiederzubekommen und dem Flegel ein paar Manieren beizubringen …

Vergessene Helden
Während Walt Disney, nicht zuletzt dank des nach ihm benannten Imperiums, bis heute jedem Kind ein Begriff ist, ist der Name Fleischer leider ziemlich in Vergessenheit geraten. Dabei waren die Brüder Dave und Max Fleischer, die gemeinsam die Fleischer Studios gegründet hatten, eine ganze Zeit lang ein durchaus ebenbürtiger Konkurrent für den Mäuseherr. In den 1930ern produzierten beide sehr erfolgreich animierte Kurzfilme fürs Kino. Während Disney später jedoch zu Langfilmen überging und damit maßgeblich die Welt des Zeichentricks prägte, waren die Fleischer-Brüder irgendwann so zerstritten, dass allein deshalb schon nichts mehr ging.

Einige der von ihnen berühmt gemachten Figuren sind hingegen unsterblich, darunter eben auch Popeye, jener Seemann, der dank seiner Portion Spinat übermenschliche Kräfte entwickelt. In dem für einen Oscar nominierten Special Popeye the Sailor Meets Sindbad the Sailor bekommt er es mit einem ebenfalls starken Seemann zu tun, dem aus Tausendundeiner Nacht bekannten Sindbad. Der ist normalerweise eigentlich ein Held, siehe etwa die Anime-Serie aus den 1970ern. Hier wird er jedoch zum Bösewicht umgedeutet, wobei man sich ohnehin darüber streiten kann, ob es sich um den echten Sindbad handelt oder doch nur eine Verkleidung von Bluto ist, dem ewigen Widersacher Popeyes.

Schlagkräftiger Humor
Wie der Kampf zwischen beiden ausgeht, muss man daher nicht extra verraten, die Popeye-Geschichten liefen schließlich alle nach demselben Muster ab. Was Popeye the Sailor Meets Sindbad the Sailor aber an Spannung abgeht, das macht der etwa 16 Minuten lange Kurzfilm durch seinen Humor wieder wett. Der ist ganz im Geiste der früheren Cartoons, bei denen Gewalt noch ein Mittel der Komik war. Da wird geprügelt ohne Ende, zuerst mit den zahlreichen Monstern der Insel, danach zwischen den menschlichen Kontrahenten. Zur Auflockerung gibt es den Running Gag um den Hamburger-Süchtigen Wimpy, der ständig einer Ente hinterherläuft, um diese zu verputzen.

Die Designs schwanken dann auch zwischen komisch und unheimlich, schließlich sollen das die wildesten Bestien sein, die es auf der Welt gibt. Die Insel selbst, so sagt man, sei zudem auf dem Rücken eines schrecklichen Wals, was den Abenteueraspekt noch verstärkt. Die Witze mögen dabei etwas billig und grob sein, die Optik selbst ist es nicht. Tatsächlich beeindruckt die Produktion aus dem Jahr 1936 mit geschmeidigen Animationen und gelungenen Tiefeneffekten, die heute noch so sehenswert sind wie damals und einen etwas nostalgisch werden lassen, sofern man den nicht mehr zeitgemäßen Inhalt nicht ganz so wichtig nimmt.

Credits

OT: „Popeye the Sailor Meets Sindbad the Sailor“
Land: USA
Jahr: 1936
Regie: Dave Fleischer
Musik: Sammy Timberg, Bob Rothberg, Sammy Lerner

Film

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Popeye the Sailor Meets Sindbad the Sailor
In „Popeye the Sailor Meets Sindbad the Sailor“ treffen zwei bärenstarke Seemänner aufeinander und prügeln sich um die holde Maid. Inhaltlich ist der mit grobem Humor arbeitende Kurzfilm aus dem Jahr 1936 eindeutig ein Produkt seiner Zeit. Die Animationen und Designs sind hingegen absolut zeitlos und können sich noch immer sehen lassen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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