Kritik

Yummy

„Yummy“ // Deutschland-Start: 23. Juli 2020 (Kino)

Weil sie schon lange unter ihren großen Brüsten leidet, hat sich Allison (Maaike Neuville) zu einer Brustverkleinerung in einer renommierten Klinik entschlossen. Während ihr Freund Michael (Bart Hollanders) sie unterstützt, kann ihre Mutter, die ebenfalls für eine kleine Behandlung zu besagter Klinik unterwegs ist, Allison nicht verstehen und beteuert, sie solle doch stolz sein auf das, was ihr die Natur gegeben habe. So ist die Stimmung zwischen den dreien recht angespannt, als sie sich auf den Weg machen nach Osteuropa. In der Klinik angekommen wird Allison für die OP vorbereitet, während Michael immer skeptischer wird, was die Praktiken des Personals angeht, ganz besonders, als er zusammen mit Daniel (Benjamin Ramon) auf eine grausam zugerichtete Frau stößt, die in einem Zimmer der Klinik eingesperrt ist. Als die beiden Männer sie befreien, greift die Frau sie an und sie können in letzter Minute fliehen, doch damit haben sie eine Katastrophe in Gang gesetzt. Die Frau ist nämlich ein Zombie, der schon bald seine ersten Opfer gefunden hat, die dann ebenfalls zu reißenden Bestien werden und auf Patienten und Personal gleichermaßen losgehen. Nun müssen Michael und Allison in den Gängen der Klinik um ihr Überleben kämpfen.

Die Welt ein wenig schöner machen
Nachdem Drehbuchautorin Eveline Hagenbeek den Kurzfilm Striker Bob gesehen hatte, wusste sie, dass sie in dem jungen Filmemacher Lars Damoiseaux den richtigen Partner gefunden hatte für ihr neues Projekt. Dieser sollte ein Zombiefilm sein, der sich ironisch mit dem Geltungs- und Schönheitswahn der „Selfie-Ära“ auseinandersetzt und wie weit Menschen heutzutage bereit sind zu gehen, wenn es darum geht ihren Körper zu „optimieren“. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist Yummy, eine wilde Mischung aus Horror- und Actionelementen, dessen ironische Spitzen den Film zu einem Vergnügen insbesondere für Fans von Splatter machen dürfte.

Generell sind die Kommentare zum Bild von Schönheit in einer von Medien bestimmten Welt in Yummy vor allem Fundament für einige derb-blutige Szenen. Besonders jemand wie der von Eric Godon gespielte Doktor Krawczyk liefert jene Dialogzeilen, die Erinnerungen an Figuren wie den von Jeffrey Combs gespielten Herbert West aus Re-Animator zulassen. Das Mantra, dass man die Welt schöner machen wolle, gepaart mit dem funkelnden Wahnsinn in den Augen und den antiseptischen Wänden der Klinik, betont die monströsen Anwandlungen, denen er verfallen ist. Die „Götter in Weiß“ werden jedoch schon bald, durch ihre eigene Arroganz, mit der „Hässlichkeit“ und der Zerstörung ihres Werkes konfrontiert, durch die rasenden Untoten in ihrer Klinik.

Neben diesen Aspekten verhandeln Hagenbeck und Damoiseaux noch andere Punkte, wenn es um die Obsession mit Schönheit und Perfektion geht. Gerade der Hahnenkampf zwischen Michael und Daniel definiert unter anderem durch ihre Sichtweise auf die Operation, der sich Allison unterziehen will, aus gesundheitlichen Gründen, wie sie meint, die aber ganz besonders für Daniel eher vernachlässigbar sind. Ähnlich wie er bedient die Geschichte jenes Bild Allisons, dass sie auf ihre äußeren Reize beschränkt, was es umso überraschender und für die Handlung erfreulicher macht, wenn sie sich als besonders willensstark erweist.

Die Stufen der Eskalation
Abgesehen von diesen thematischen Aspekten der Handlung ist Yummy ein Film, der besonders durch seine praktischen Effekte überzeugt. Das Design der Zombies, die blutigen Wunden sowie generell die Art und Weise, wie sich die Klinik im Laufe der Handlung zu einem immer lebensfeindlicheren Ort verwandelt, bilden die großen Pluspunkte von Yummy, die wohl besonders beim Genrepublikum gut ankommen werden. Die Verwandlung dieser „schönen neuen Welt“ in ein Reich des Blutes, der Gewalt und der Hässlichkeit ist nicht nur gut gelungen, sondern unterstreicht noch einmal den ironischen Ton dieses Films.

Credits

OT: „Yummy“
Land: Belgien
Jahr: 2019
Regie: Lars Damoiseaux
Drehbuch: Lars Damoiseaux, Eveline Hagenbeek
Musik: Nico Renson
Kamera: Daan Nieuwenhuijs
Besetzung: Maaike Neuville, Bart Hollanders, Benjamin Ramon, Clara Claeymans, Annick Christiaens, Eric Godon

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4 (80%) 23 Artikel bewerten

Yummy
„Yummy“ ist ein sehr amüsanter Mix aus Horror- und Actionfilm, mit vielen satirischen Elementen. Insbesondere die Effekte und das Design des Films von Lars Damoiseaux können überzeugen und qualifizieren ihn hoffentlich für weitere Arbeiten innerhalb des Genres.
6von 10

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