Kritik

Secret Agency

„Secret Agency“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2015 (DVD/Blu-ray)

Wenn es darum geht, Waffen zusammenzubauen und diese auch zu benutzen, da macht Nr. 83 (Hailee Steinfeld) sobald niemand etwas vor. Doch richtig glücklich ist die 16-Jährige Waise nicht, die an einer speziellen Schule für Nachwuchskillerinnen ausgebildet wurde. Immer wieder träumt sie davon, wie es wohl ist, da draußen ein ganz normales Leben zu führen. Irgendwann reicht ihr dieser Traum nicht mehr und sie täuscht bei einem Einsatz auf der Jagd nach der Waffenhändlerin Victoria Knox (Jessica Alba) ihren Tod vor, um mit einer neuen Identität bei einer Familie unterzukommen und wie andere auch zur Schule zu gehen. Einfach ist dieser Neuanfang jedoch nicht, zumal ihr Hardman (Samuel L. Jackson), der Leiter der Killerschule, schon auf den Fersen ist …

Man sollte niemandem mit dem Beruf gleichsetzen, den er oder sie ausübt. In der Theorie ist dieser Grundsatz nachvollziehbar, Menschen sind schließlich komplexer, es ist mehr an ihnen dran als die Art und Weise, wie jemand seine Brötchen verdient. In der Praxis ist das mit der Trennung aber schon deutlich schwieriger. Können Auftragsmörder beispielsweise gute Menschen sein? Das sind Fragen, die sich in Secret Agency quasi zwangsweise aufdrängen, wenn eine Jugendliche, die bisher nichts vom Leben kannte als die Ausbildung zur bindungslosen Mörderin, auf einmal auf die Realität losgelassen wird, auf Menschen, die im Gegensatz zu ihr ein normales Leben führten und mit sozialen Kontakten sowie einer Identität aufgewachsen sind.

Killer sind auch nur Menschen
Der Film ist natürlich nicht der erste, der sich mit einer solchen Konfrontation auseinandersetzt. In Werken wie Proud Mary entdecken Auftragsmörder plötzlich ihr Herz, wenn sie mit jungen Menschen zu tun haben. In Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss muss ein Mann, der gerade eben niemanden töten kann, sich mit einem Alltag beschäftigen, was nicht so ganz einfach ist. Im Fall von Secret Agency ist die Situation ein wenig anders, da Nr. 83, die fortan Megan genannt wird, zwar das theoretische Wissen einer Killerin mitbringt, jedoch nicht die Erfahrung. Das reale Leben ist ihr jedoch ebenso fremd, sie kennt lediglich die Fassungen, wie sie ihr das Fernsehen gezeigt hat.

Das ist als Ausgangssituation nicht uninteressant, eröffnet viele verschiedene Interpretationsmöglichkeiten – gerade auch im Hinblick auf das Genre. Das könnte ein Coming-of-Age-Drama werden, ein Undercover-Thriller, selbst gesellschaftskritische bis philosophische Ansätze wären denkbar, geht es doch um die Vorabformung eines jungen Menschen. In Die Abenteuer von Brigsby Bär musste vor ein paar Jahren ein isoliert aufgewachsener Jugendlicher seine Erfahrungswelt mit der Realität in Einklang bringen, was mit skurrilem Humor einherging. Stattdessen ist Secret Agency eine Teenie-Komödie. Das muss nicht zwangsläufig verkehrt sein. In einer frühen Szene funktioniert das hier beispielsweise als Satire auf Teenie-Filme, wenn Klischees aufgegriffen werden, schließlich kennt Megan ja nur diese aus dem Fernseher.

Alles schon mal gesehen
Leider wird Secret Agency im Anschluss aber selbst zu einem derartigen Klischee. Dass sich Megan beispielsweise in den umschwärmten Musiker Cash (Toby Sebastian) verliebt, obwohl doch eigentlich der freundliche, unscheinbare Nerd Roger (Thomas Mann) ihr Seelenverwandter ist, das ist so langweilig, als hätte man um jeden Preis eine eigene Persönlichkeit töten wollen. Und auch aus der Vorlage, dass Megan eigentlich darauf abgerichtet ist, alle aus dem Verkehr ziehen zu können, wird kaum genutzt. Von einer Szene abgesehen wird im Mittelteil praktisch vergessen, woher die Jugendliche eigentlich kommt, wenn sie sich mit den Standardproblemen eines Teens herumplagt.

Für die eindeutig jüngere Zielgruppe könnte das reichen: Die bekommt hier eine weitere, nette, letztendlich völlig zahnlose Teenie-Komödie mit ein bisschen Schmalz serviert. Schade ist es aber natürlich schon, dass man keinerlei Ambitionen verfolgte, ohne Mut auftrat, mit Nr. 83 zudem eine ziemlich langweilige Protagonistin auf die Menschen losließ. Daran können auch die prominenteren Nebendarsteller und Nebendarstellerinnen nichts ändern, die routiniert auftreten, ohne wirklich zu glänzen. Die gelegentlichen Action-Szenen unterscheiden Secret Agency zwar von der Konkurrenz, tatsächlich besser ist der Film dadurch aber nicht.

Credits

OT: „Barely Lethal“
Land: USA
Jahr: 2015
Regie: Kyle Newman
Drehbuch: John D’Arco
Musik: Mateo Messina
Kamera: Peter Lyons Collister
Besetzung: Hailee Steinfeld, Thomas Mann, Sophie Turner, Dove Cameron, Jessica Alba, Samuel L. Jackson, Toby Sebastian

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Secret Agency
In „Secret Agency“ träumt eine Nachwuchskillerin von einem normalen Leben und schleicht sich deshalb unbemerkt an einer regulären Schule ein. Die Geschichte hätte Potenzial gehabt, welches aber kaum genutzt wird. Von gelegentlichen Actionszenen einmal abgesehen ist das hier eine gewöhnliche Teenie-Komödie, die selbst die Klischees erfüllt, welche sie anfangs noch verspottet.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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