Kritik

Proud Mary

„Proud Mary“ // Deutschland-Start: 6. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Mary (Taraji P. Henson) arbeitet als Auftragskillerin und ist auch ziemlich erfolgreich dabei. Doch selbst sie stößt an ihre Grenzen, als sie eines Tages einen Mann tötet, während dessen Sohn Danny (Jahi Di’Allo Winston) nichtsahnend im Nebenzimmer sitzt. Ein Jahr später ist der selbst in kriminelle Machenschaften verwickelt, als er für einen Verbrecherboss arbeitet, den alle nur „Onkel“ (Xander Berkeley) nennen. Mary, die sich seit dem Vorfall für den Jungen verantwortlich fühlt und im Geheimen über ihn wacht, versucht, ihn aus diesen Schwierigkeiten zu befreien – und droht damit, einen Bandenkrieg auszulösen …

Auch wenn das Original von Creedence Clearwater Revival erfolgreicher war, die meisten dürften bei dem Titel Proud Mary eher an das zwei Jahre später erschienene Cover von Ike & Tina Turner denken. Schließlich ist es das bekannteste Lied des R&B-Duos und gilt heute als absoluter Klassiker. Dessen wollte man sich auch in dem gleichnamigen Film zunutze machen, der sich nicht nur musikalisch an vergangenen Zeiten orientiert. Der Action-Thriller ist zudem der Versuch, das in den 70er Jahren so populäre Blaxploitation-Genre wieder neu zu beleben. Warum auch nicht? In Zeiten, in denen Afroamerikaner nach wie vor unterdrückt werden, teils mit Gewalt, sind schwarze Action-Helden ein bisschen befreiender Eskapismus. Umso mehr, wenn es auch noch eine Heldin ist.

Große Versprechen, wenig dahinter
Mit Taraji P. Henson (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen) hat man dafür auch eine potente Schauspielerin gefunden. Wenn sie ihre Knarren zieht und sich mit ihren männlichen Gangster-Kollegen anlegt, dann sieht das durchaus gut aus. In den Szenen, in denen neben dem Titellied noch andere Klassiker aus der R&B-Kiste hervorgekramt werden, kommt auf diese Weise tatsächlich Stimmung auf. Allerdings ist das nicht sehr oft der Fall. Nicht oft genug für das Publikum, das sich angesichts des Einstiegs einen feurigen Action-Thriller erhofft. Und definitiv nicht oft genug, um die vielen anderen Szenen ausgleichen zu können, die einen schon weit vor dem Ende dazu verführen, gleich wieder auszuschalten.

Schon die grundsätzliche Idee, dass eine Auftragskillerin plötzlich mütterliche Gefühle entwickelt, muss man nicht unbedingt gut finden. Zum einen versucht Proud Mary damit, die anderen Taten der Titelfigur zu relativieren. Mord ist durchaus okay, so der Schluss, so lange es nur die „Richtigen“ trifft. Außerdem ist es natürlich ein Klischee, wenn Frauen auf ihre Mutterrollen reduziert werden. Ein Klischee, das eben so rückgewandt ist wie der Film. Dabei verpasst das drei Mann starke Drehbuchteam nicht nur, einen tatsächlich feministischen Ansatz zu finden – es reicht für sie, einer Frau eine Knarre in die Hand zu drücken. Sie verzichten auch auf die gesellschaftlichen Kontexte, welche Blaxploitation durchaus ausgemacht haben. Der Film verkleidet sich vielmehr als ein Genrevertreter.

Geht das auch weniger langweilig?
Dass Proud Mary inhaltlich schwach ist, darüber ließe sich eventuell noch hinwegsehen, Actionfilme legen da meistens eh andere Schwerpunkte. Doch aus irgendeinem Grund hielt es Regisseur Babak Najafi (London Has Fallen) für eine gute Idee, auf eben diese Action zu verzichten und nur dann und wann mal das entsprechende Zielpublikum zu bedienen. Vor allem wenn der Ersatz so mau ausfällt wie hier: Mary und Danny werden in den banalsten Situationen gezeigt, voller kurioser Dialoge, die weder eine Annäherung zwischen beiden ermöglich, noch für sich genommen etwas Interessantes zum Inhalt haben. Die verwendeten Wörter haben eher etwas von einem Zufallsgenerator.

Wenn der Film wenigstens noch so trashig wäre, dass man anderweitig Spaß an ihm haben könnte. Aber nicht einmal dieses Vergnügen wird einem gewährt, der Film begeht die größte Sünde, die man in einem solchen Umfeld begehen kann: Er ist furchtbar langweilig. Wer die besagten Klassiker mag, hat wenigstens partiell noch etwas, das ihn aufmuntern kann. Und Henson macht vermutlich das Beste aus der undankbaren Situation – im Gegensatz zu diversen Kollegen, die hier den Autopiloten eingeschaltet haben. Trotzdem ist das einfach nicht genug, höchstens als Nebenberieselung ist das hier noch irgendwie zu gebrauchen.

Credits

OT: „Proud Mary“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Babak Najafi
Drehbuch: John S. Newman, Christian Swegal, Steve Antin
Musik: Fil Eisler
Kamera: Dan Laustsen
Besetzung: Taraji P. Henson, Jahi Di’Allo Winston, Billy Brown, Danny Glover

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Proud Mary
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Proud Mary
„Proud Mary“ erzählt von einer Auftragsmörderin, die sich des Sohnes eines ihrer Opfer annimmt. Der Film bedient sich dabei bewährter Blaxploitation-Elemente, die aber nur als Fassade dienen. Die Actionszenen sind dabei irritierend selten, stattdessen gibt es viele dürftige Dialoge, die den Thriller trotz R&B-Klassikern und einer bemüht auftretenden Taraji P. Henson zu einer sehr langweiligen Angelegenheit machen.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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