Kritik

Body Bags

„Body Bags“ // Deutschland-Start: 30. November 1998 (DVD)

In einem Leichenschauhaus erzählt ein Gerichtsmediziner (John Carpenter), der eine ungesunde Vorliebe für Formaldehyd und besonders grausig entstellte Leichen aufweist, anhand verschiedener Verstorbener drei Geschichten, welche die Hintergründe für den Tod der Person darstellen sollen.

Um sich etwas Geld fürs College zu verdienen, nimmt die junge Studentin Anne (Alex Datcher) einen Job als Kassiererin in einer Tankstelle an. Da ihre erste Schicht direkt eine Nachtschicht ist, passiert nur wenig, ein paar Kunden versuchen mit ihr zu flirten und ein weiterer vergisst in der Eile seine Kreditkarte an der Tankstelle. Als Anne nach einem Kunden, der sich scheinbar auf der Toilette eingeschlossen hat, sehen will, fallen ihr eine Reihe kruder Zeichnungen auf, die sie zutiefst verstören und sie vermutet, dass der Serienmörder, vor dem die Nachrichten warnen, seinen Weg zu ihr gefunden hat.

In der zweiten Geschichte treffen wir auf Richard Coberts (Stacy Keach), einen gut verdienenden Geschäftsmann mittleren Alters, dem sein Haarausfall sehr zu schaffen macht. Auch wenn ihm seine Freundin gut zuredet und er schon eine ganze Reihe verschiedenster Cremes, Salben und Shampoos benutzt hat, leidet Richard immer mehr und gerät an den Rand einer Depression. Als er jedoch auf die Werbung eines Wunderdoktors aufmerksam wird, der eine geheime aber wirksame Methode gegen Haarausfall anpreist, ist Richard sogleich am nächsten Tag in der Praxis. Zu seiner Überraschung wirkt die Kur und Richard darf sich einer reichen Haarmähne erfreuen, doch die Veränderungen in ihm haben damit erst begonnen.

Zuallerletzt treffen wir Brent Matthews (Mark Hamill), einen erfolgreichen Baseballspieler, der durch einen tragischen Unfall sein rechtes Auge verliert. Am Boden zerstört und das Ende seiner Karriere vor Augen, schöpft er neue Hoffnung, als ihm einer der Ärzte den Vorschlag macht, er könne ihm ein Spenderauge einpflanzen. Doch die Freude über das neue Auge währt nicht lange, denn neben einigen schrecklichen Visionen verändert sich auch Brent zusehends.

Spiel mit dem Körper
Nach den eher durchwachsenen Erfahrungen, die er beim Dreh von Jagd auf einen Unsichtbaren machen musste, widmete sich US-Regisseur John Carpenter einem für ihn eher ungewöhnlichen Projekt, der Anthologie Body Bags. Was vom US-Sender Showtime zunächst als Antwort auf die extrem erfolgreiche Reihe Geschichten aus der Gruft gedacht war, wurde jedoch schnell eingestampft und aus den bereits abgedrehten drei Episoden, bei der eine von Tobe Hooper (The Texas Chain Saw Massacre) inszeniert worden war, wurde eine Horrorfilm-Anthologie. Die Dreharbeiten waren nicht nur entspannter als bei seinen Arbeiten für die großen Filmstudios, sondern gaben Carpenter und Hooper auch die Gelegenheit, mit vielen ihrer Kollegen vor allem vor der Kamera zu arbeiten, sodass man sich im Film auf Gastauftritte von Regisseuren wie Wes Craven oder Roger Corman freuen darf.

Ähnlich wie schon bei Geschichten aus der Gruft ist es auch bei Body Bags die Verbindung aus Horror, Thriller und einer gehörigen Prise schwarzen Humors, welche den Charme der einzelnen Segmente wie auch seiner Rahmenhandlung ausmacht. Letztere ist zwar sehr simpel, beweist aber die offensichtliche Freude, die Carpenter an diesem Projekt wie auch an seiner Rolle des morbiden Coroners gehabt haben muss, serviert er doch mit wahrer Wonne dem Zuschauer allerlei Unappetitliches anhand der Leichen, die ihn umgeben. Hinzu kommt eine bittere, aber meist etwas banale Moral, die vor der Qualität der vorangegangenen Geschichte fast schon wie eine vergessenswerte Fußnote erscheint.

Jedoch sind die Körper und der Tod keinesfalls nur das Fundament des erzählerischen Rahmens, sondern zudem ein zentraler Aspekt jedes Segments. Der Haarausfall von Stacey Keachs Figur in dem sehr humorvollen zweiten Beitrag Hair ist eng verknüpft mit dem Zweifel an der eigenen Männlichkeit, mit einer Trauer über die Jugend und einer Ahnung vom Tod. Im dritten Segment The Eye ist das Auge oder vielmehr die Sehkraft das Tor zu einer anderen Realität, einem anderen, monströsen Ich. Auch Anne aus der ersten Episode scheint eine nicht gerade geringe Angst vor dem Körperlichen zu haben, sucht sie doch immer wieder die vermeintliche Sicherheit des Kassenhauses auf, wo sie hinter dem Fenster in die Nacht hinausschauen kann. Insgesamt ist der Körper und die damit einhergehende Transformation ein Bindeglied der einzelnen Episode und eine düstere, manchmal vielleicht etwas platte Metapher.

Gewalt als Zeitvertreib
Dennoch ist die Gewalt in den einzelnen Segmenten nicht nur Teil einer Verwandlung, sondern definiert den teils subversiven Charakter der Geschichten. Gerade in Anthologien illustriert das bittere und meist sehr brutale Finale eine Moral oder eine Form der Erkenntnis, die aber natürlich immer viel zu spät kommt. Die Gewalt ist immer übertrieben und verweist durch ihren sensationellen, comichaften Charakter auf ihren Ursprung in der US-amerikanischen Welt der Comics. Innerhalb der einzelnen Segmente, insbesondere im zweiten und im dritten, ist die Gewalt der Transformation, die gewaltsame Veränderung des Körpers essenzieller Bestandteil einer bitterbösen Ironie und Moral.

Darüber hinaus scheint auch die Figur des Coroners sowie seine morbiden Vorlieben jene Begeisterung für den Tod in seinem Zuhörer/ Zuschauer zu betonen, der wegsehen will, aber nicht kann. Ging von den Horrorcomics immer auch der Reiz des Verbotenen aus, so spielen auch die Regisseure von Body Bags mit diesem schon voyeuristischen Aspekt.

Credits

OT: „John Carpenter presents Body Bags“
Land: USA
Jahr: 1993
Regie: John Carpenter, Tobe Hooper, Larry Sulkis
Drehbuch: Billy Brown, Dan Angel
Musik: John Carpenter, Jim Lang
Kamera: Gary B. Kibbe
Besetzung: John Carpenter, Mark Hamill, Stacy Keach, Sheena Easton, Wes Craven, Alex Datcher

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Body Bags
„Body Bags“ ist eine vergnügliche Horroranthologie mit mindestens zwei sehr gelungenen und unterhaltsamen Episoden. Man merkt dem Projekt die Leidenschaft seiner Macher an wegen des allgegenwärtigen ironischen Untertons, der teils guten Darsteller sowie der vielen Referenzen an die Horror-Comics der 50er Jahre.
7von 10

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