Kritik

Charlie Chaplin

„Der Ladenaufseher“ // Deutschland-Start: 15. Mai 2020 (DVD)

Im Jahre 1916 galt Charlie Chaplin als der bestbezahlte Schauspieler auf der Welt, nachdem er mit der in New York City ansässigen Mutual Film Corporation einen Vertrag über mehrere Filme abgeschlossen hatte. Dieser brachte ihm nicht nur einen Verdienst von 10,000 $ pro Woche ein sowie einen Bonus von 150.000 $, sondern er genoss zudem noch komplette künstlerische Freiheit und durfte sich über ein von Mutual für ihn eigens gebautes Studio freuen. Vom Filmunternehmen Essanay, unter deren Ägide Chaplin zuvor Filme gedreht hatte, folgten Chaplin viele Schauspieler und Crewmitglieder wie Edna Purviance, Leo White, Lloyd Bacon sowie Kameramann Roland Totheroth. Auch wenn Chaplin bei vielen der Filme mehr Zeit für deren Produktion in Anspruch nahm, war das Geschäft sowohl für Chaplin als auch für Mutual künstlerisch wie kommerziell sehr lukrativ.

Die Idee für Der Ladenaufseher bekam Chaplin während eines Einkaufsbummels, als er einen Mann beobachtete, der die Rolltreppe eines Geschäfts hinunterstürzte. Um diese Requisite herum spinnt sich die Handlung des Films, in welcher der Tramp (Chaplin) als Kunde ein Kaufhaus betritt, wo er durch Zufall auf den Ladenaufseher (Lloyd Bacon) trifft, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Auf das Angebot, mit diesem den Posten zu tauschen, geht der Tramp sofort ein, ahnt aber nichts von den wahren Motiven hinter dem Rollentausch, denn der Ladenaufseher versucht sich vor den schon bald eintreffenden Ladendetektiven zu verstecken. Er und der Geschäftsführer (Eric Campbell) haben eine hohe Summe Geld unterschlagen und versuchen dies nun geheimzuhalten oder am besten noch schnell zu fliehen.

Während also der Aufseher, als Tramp getarnt, versucht, sich zu verstecken, läuft der wahre Tramp nun dem Geschäftsführer in die Arme, der nur darauf brennt, seinen Komplizen, der mit dem Geld fliehen wollte, endlich zur Rede zu stellen. Darüber hinaus sorgt der neue Ladenaufseher durch sein Erscheinen im Laden für allerlei Chaos und Verwirrung.

Der Tanz des Tramps
Es ist gut zu verstehen, warum Charlie Chaplin mit seiner Art der Komödie auf so große Resonanz weltweit stieß, wenn man sich die einzelnen Filme der Kollaboration mit Mutual ansieht. Komödien wie Der Ladenaufseher vereinen die reiche Bühnenerfahrung eines Charlie Chaplin wie auch seiner Besetzung mit den Möglichkeiten des Films, einem Medium, welches Chaplin immer noch testet in diesen Demonstrationen seiner großen Talents sowohl vor als auch hinter der Kamera. Besonders auffällig sind die Einbindung der einzelnen Requisiten, von der bereits erwähnten Rolltreppe zu den zahlreichen Koffern bis hin zu den bunten Hüten, die wegen ihres Blumendekors sogleich eine Dusche mit der Gießkanne bekommen, als der Tramp diese bemerkt.

Wie ein Tänzer bewegt sich Chaplin von einer Szene in die nächste, wobei gerade das Zusammenspiel mit dem Hünen Eric Campbell, einem ständigen Begleiter während seiner Mutual-Phase, im Gedächtnis bleibt und für viele Lacher sorgt. Zudem instrumentalisiert Chaplin seine Figur des Tramp wie schon in den Filmen mit Essanay zu jenem unbedarften, leicht tollpatschigen Charakter, der durch schiere Verwechslung, durch den Rollentausch zum Opfer verschiedener Attacken wird. Schlussendlich wird er, wie viele der anderen Figuren ein Opfer der Technik, was noch zu einem wichtigen Thema in Chaplins Meisterwerk Moderne Zeiten werden sollte.

Credits

OT: „The Floorwalker“
Land: USA
Jahr: 1916
Regie: Charlie Chaplin
Drehbuch: Vincent Bryan, Charlie Chaplin
Kamera: William C. Foster, Roland Totheroth
Besetzung: Charlie Chaplin, Eric Campbell, Edna Purviance, Lloyd Bacon, Albert Austin, Charlotte Mineau

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Der Ladenaufseher
4.29 (85.71%) 7 Artikel bewerten

Der Ladenaufseher
"Der Ladenaufseher" ist ein vergnüglicher Film über Verwechslung und die Tücken der Technik. Die einfache Geschichte zeichnet sich durch gut choreografierte Szenen sowie einen sehr gut aufgelegten Charlie Chaplin, dessen Talent auch über 100 Jahre nach dem Erscheinen dieses Films immer noch sehr hell.
8von 10

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