Kritik

Dead Water

„Dead Water“ // Deutschland-Start: 20. Mai 2020 (DVD/Blu-ray)

Zwar ist David (Griff Furst) inzwischen wieder zu Hause, doch seine Erfahrungen als Marine im Nahen Osten wird er einfach nicht los. Immer wieder muss er an die vielen grausamen Szenen während seines Einsatzes zurückdenken, er leidet unter Panikattacken, Albträumen, bekommt seine Aggressionen kaum unter Kontrolle. Dem steht auch seine Frau Vivian (Brianne Davis) machtlos gegenüber, die vergeblich versucht ihn aufzumuntern. Da bietet ihnen John (Casper Van Dien), ein alter Freund der Familie, an, doch mit ihm und seiner kleinen Yacht ein schönes Wochenende auf dem Meer zu verbringen, einfach mal rausfahren, entspannen, alles hinter sich lassen. Aber das ist leichter gesagt denn getan, denn es dauert nicht lange, bis neue Spannungen entstehen …

Begrenzte Schauplätze sind in Thrillern eigentlich immer wieder gerne gesehen, bedeutet das doch meist, dass man alleine mit dem Bösen ist, ohne große Fluchtmöglichkeit. Besonders gemein ist es, wenn dieser begrenzte Schauplatz ein Boot ist, drumherum das weite Meer. Nicht allein, dass es dem Genre entsprechend nahezu unmöglich ist, sich irgendwo in Sicherheit zu bringen, woanders Hilfe zu holen. Schon der Versuch an sich kann tödlich sein, hält es der Mensch doch nicht sehr lange im Wasser aus. Wie gut ein solches Setting funktioniert, das haben zuletzt beispielsweise die Serie Dracula oder auch Harpoon gezeigt, die jeweils auf ihre Weise Spannung erzeugt haben und für gute Unterhaltung sorgten.

Das wird nicht gut ausgehen …
Ein Selbstläufer ist so ein Setting aber nicht, wie Dead Water schmerzhaft vor Augen führt. Schon der Einstieg lässt nichts Gutes ahnen, wenn wir mit John und David einen trinken gehen und das böse endet. Böse für die Beteiligten, wenn ganz schnell die Emotionen hochkochen und die Fäuste fliegen. Böse aber auch für das Publikum: Die Dialoge sind nicht berauschend, die schauspielerischen Einsätze sind aus den falschen Gründen beeindruckend, selbst die Actionszene ist nicht annähernd so wirkungsvoll, wie sie sein sollte. Die Absicht, David als emotionales Wrack zu zeigen, die ist zwar unverkennbar. Gut gelöst sieht aber anders aus, das ist schon sehr plakativ.

Die Hoffnung, der Film könnte besser werden, wenn wir dann endlich mal aufs Boot gehen, die wird leider bald selbst über Bord geworfen. Das Setting selbst wird praktisch gar nicht genutzt, da ist es schon das höchste der Gefühle, wenn mal jemand baden geht. Ansonsten versucht Dead Water die Spannungen zwischen den Figuren zu verdeutlichen. Dabei allein auf offen gezeigte Aggressionen zu setzen, ist aber zu wenig. Das nun wirklich abgenutzte „Wahrheit oder Pflicht“ für drei Erwachsene noch einmal auszugraben, ist sogar ausgesprochen dreist. Da versuchte das Drehbuch von Jason Usry noch nicht einmal, sich irgendwelche Gedanken zu machen.

Und wozu war jetzt das Ganze?
Worauf das Ganze hinauslaufen soll, ist teilweise klar, teilweise auch nicht. Genauer verfolgt Dead Water zwei Themenstränge, von denen einer für den Film jedoch völlig unerheblich ist. Wenn man großzügig ist, kann man darin ein Beispiel dafür sehen, wie Erwartungen unterwandert werden. Denn wenn ein Thema in einem Film oft erwähnt wird, muss es doch irgendwie wichtig sein im weiteren Verlauf. Wahrscheinlicher ist aber, dass niemand darüber nachgedacht hat, wie unausgegoren das ist. Gleiches gilt für das Finale, wenn dann endlich mal ein Gang hochgeschaltet wird, das Ergebnis aber mehr Verwirrung stiftet, als dass es packen würde.

Leider ist der Film insgesamt auch alles andere als spannend. Obwohl der Film mit nicht einmal anderthalb Stunden Länge knackiges Vergnügen verspricht, geschieht hier einfach nichts, das es wert wäre, angeschaut zu werden. Die Figuren sind grauenvoll, vor allem die beiden Männer, die sich aufplustern und die einen insgeheim hoffen lassen, das Boot würde zwischendrin einfach absaufen – mit beiden drinnen. Wenn es denn wenigstens zu wirklichen Kämpfen kommen würde, die für das lang gezogene Nichts entschädigen, man würde dem Film einiges nachsehen können. Oder wenn das schon wieder so überzogen würde, dass daraus richtiger Trash wird. So aber bleiben lediglich ein paar schöne Aufnahmen von dem weiten Meer, welche die Sehnsucht wecken, ganz ohne die Leute dort zu sein.

Credits

OT: „Dead Water“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Chris Helton
Drehbuch: Jason Usry
Musik: John Avarese
Kamera: Josh Pickering
Besetzung: Griff Furst, Casper Van Dien, Brianne Davis, Judd Nelson

Bilder

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Dead Water
3.53 (70.59%) 17 Artikel bewerten

Dead Water
In „Dead Water“ soll ein traumatisierter Ex-Marine auf andere Gedanken gebracht werden durch eine schöne Fahrt mit der Yacht. Schön ist das nicht, spannend aber leider auch nicht: Der Thriller nutzt sein Setting praktisch nicht, langweilt dafür mit grauenvollen Figuren und einem langgezogenen Nichts, das nicht einmal durch die reizvollen Aufnahmen gerettet wird.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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