Kritik

Traffik

„Traffik“ // Deutschland-Start: VoD

Es hätte so schön werden können, ein romantisches Wochenende für Brea (Paula Patton) und John (Omar Epps). Aber schon der Hinweg sorgt für jede Menge Aufregung, als die beiden mit einer Biker-Gang aneinandergeraten und der Streit fast in einer Katastrophe endet. Und das ist nur der Anfang. Kurze Zeit, nachdem das befreundete Paar Darren (Laz Alonso) und Malia (Roselyn Sanchez) hinzustößt und das gemütliche Wochenende in den Bergen beginnen kann, entdecken die vier ein mysteriöses Handy, das einer anderen Frau zu gehören scheint, die Brea zuvor gesehen hat. Der eigentliche Schock folgt aber, als sie entdecken, was auf dem Handy alles drauf ist …

In den letzten Jahren scheint Regisseur Deon Taylor seine Nische entdeckt zu haben: Thriller mit einem afroamerikanischen Ensemble. Ein bisschen so wie Tyler Perry also, nur dass er im Genrebereich unterwegs ist. Leider hat haben die beiden aber noch etwas anderes gemeinsam in Form von einer konstant überschaubaren Qualität ihrer Filme. Taylors Black and Blue über eine schwarze Polizistin kam gerade mal so auf Durchschnitt, das mehrfach verschobene The Intruder ist nun auch nicht gerade eine cineastische Erfüllung. Und dann wäre da noch Traffik, dem nicht einmal ein DVD-Release vergönnt war, sondern lediglich online verfügbar ist. Das ist vielleicht die bessere Variante, geraten doch auf diese Weise weniger Leute in Versuchung, ihr Geld hierfür zu verschwenden.

Gesellschaftskritik im Schnellverfahren
Dabei gibt sich Traffik sogar ein bisschen gesellschaftskritisch. Taylor, der hier zudem das Drehbuch geschrieben hat, will etwas über Menschenhandel sagen, daher auch der Titel. Allerdings fällt es schwer, den besagten Titel und den Inhalt wirklich in Einklang zu bringen. Zwar deutet die Begegnung mit der Frau darauf hin, worum sich das ganze drehen könnte, später wird auch darüber gesprochen. Auf den Film selbst hat das jedoch wenig Auswirkungen. Der ist viel zu sehr mit anderen Themen beschäftigt, verfolgt alternative Interessen.

Tatsächlich ist Traffik ein Mischmasch der unterschiedlichsten Elemente, die oftmals keinen echten Zusammenhang haben. Beispielsweise beginnt der Film damit, dass Brea ihre Stelle als Journalistin verliert, nachdem ein Kollege die Geschichte aufgreift, an der sie seit Ewigkeiten gearbeitet hat. Offen bleibt dabei: Ist Brea hier das Opfer ihrer eigenen Integrität? Oder ist sie schlicht unfähig, weil sie nach Monaten immer noch keinen Artikel vorweisen kann und sich in ihrem Versuch des großen Wurfs verliert? Und warum sollte einen das überhaupt interessieren? Es ist nicht so, dass sie eine besonders sympathische oder interessante Figur wäre. Oder wenigstens inspirierend.

Ein Haufen unsympathischer Langweiler
Andererseits, der Rest ist in der Hinsicht genauso schlimm. Es ist ja schon ärgerlich genug, dass die Figuren sich wahlweise völlig willkürlich oder idiotisch verhalten. Aus der kleinsten Belanglosigkeit wird auf einmal ein Streit, aus nicht nachzollziehbaren Gründen muss hier alles immer so sehr eskalieren, dass man sich fragt: Wie haben die überhaupt alle das Erwachsenenalter erreicht? Und natürlich geht hier auch niemand mit gesundem Menschenverstand oder wenigstens einer Art instinktiven Selbsterhaltungstrieb zu Sache. Dass einem Traffik auch noch derart viele Stereotype zumutet, das lässt dann endgültig die Lust an einer weiteren Begegnung verenden.

In Form eines unbekümmerten Trashfilms hätte das Ganze funktionieren können. Stattdessen nimmt Taylor sich und seine Arbeit aber wahnsinnig ernst. Oder er tut zumindest so. Auf den letzten Metern greift er das bereits wieder vergessene Thema auf und wirft es dem Publikum vor die Füße, auf eine denkbar dreiste Art und Weise. Andererseits passt das zu einem Werk, das irgendwie nicht wirklich weiß, was es will. Mal ist es ein Home-Invasion-Thriller, dann ein gesellschaftlicher Kommentar, zwischendurch gibt es Verfolgungsjagden und viel Exploitation – und das besagte Porträt eines komplett dysfunktionalen Freundeskreises. Das ist manchmal so übertrieben, dass es wieder lustig ist, manchmal ziemlich langweilig, punktuell etwas spannender, dann wieder nur verwirrend. Und insgesamt überflüssig.

Credits

OT: „Traffik“
Land: USA
Jahr: 2018
Regie: Deon Taylor
Drehbuch: Deon Taylor
Musik: Geoff Zanelli
Kamera: Dante Spinotti
Besetzung: Paula Patton, Omar Epps, Laz Alonso, Roselyn Sánchez, Dawn Olivieri, Luke Goss, Missi Pyle

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Traffik
„Traffik“ ist ein Film, der vieles auf einmal sein will und am Ende nichts richtig macht. Die gesellschaftskritische Komponente hat nur Alibifunktion, die konventionelleren Elemente sind eher langweilig. Hinzu kommen die geradezu unheimlich unsympathischen Figuren. Nur Punktuell macht der Thriller das, was er soll. Die meiste Zeit ist er ein schlampig zusammengerührter Brei, der nach allem und nichts schmeckt.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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