Kritik

„Albrecht Schnider – Was bleibt“

„Albrecht Schnider – Was bleibt“ // Deutschland-Start: 16. Januar 2020 (Kino) // 3. April 2020 (DVD)

Es gibt ein Gerücht, was sich in vielen Köpfen festsetzt in der Diskussion um Kunst generell, nämlich die Idee des bereits fertigen Werkes. Von außen mag es so wirken, als ob ein Künstler ein Konzept verfolgt oder fertiges Bild, eine Skulptur oder einen Film fertig im Kopf hat, aber in der Praxis ist dies eher selten der Fall. Fragt man beispielsweise Kunstkenner oder -historiker, wird man mit scharfem Blick feststellen, wie selbst die großen Werke der Malerei, Bildhauerei oder Fotografie das Resultat einen langen Prozess repräsentieren. Auf einigen Leinwänden lassen sich bisweilen noch Spuren einer solchen frühen Phase eines Bildes erkennen, einer Idee, die verworfen wurde, aber nichtsdestotrotz essentiell für den Findungsprozess des Künstlers war.

Diesen Prozess zu begleiten ist eine interessante, aber langwierige Aufgabe, die viel Geduld und Zeit erfordert. Dennoch machte sich die studierte Bildhauerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Rita Ziegler daran, in ihrer neuen Dokumentation genau eine solche Entwicklung zu begleiten, indem sie über drei Jahre lang den Schweizer Maler und Zeichner Albrecht Schnider begleitet hat. Während der Film Albrecht Schnider – Was bleibt einige Stationen der Biografie des Künstlers behandelt, liegt der Hauptfokus auf dem Prozess des Schaffens, der Arbeit Schniders an einer neuen Werkgruppe, die er für eine Ausstellung in New York anfertigte. Über diese Bilder entsteht ein Gespräch über den kreativen Prozess, die Notwendigkeit des Scheiterns in der Kunst sowie die Beziehung des Künstlers zur Welt.

Neu anfangen
Tatsächlich sind es eben jene Prozesse des Schaffens, des Skizzierens und des Neu-Beginnens, die den besonderen Reiz der Dokumentation ausmachen und dem Zuschauer die Person Albrecht Schnider näherbringen. Während andere Künstlerbiografien immer noch eine gewisse Distanz behalten und letztlich wenig bis gar keinen Wert für einen Zuschauer haben, ist die Visualisierung der Arbeit eine Illustration des Denkens des Künstlers. In einem dieser interessanten Austausche spricht Schnider seine stille Frustration über Formen an, die verhindern, dass das Bild „zurückschaut“, wie er es nennt und mehr ist als nur reines „Geschwätz“.

Dieses Verständnis der Kunst dient der Dokumentation als Möglichkeit zum Verständnis dieses scheuen, geduldigen und humorvollen Menschen. Das Nicht-Gelingen und das Scheitern scheint wenig negative Konnotationen zu haben, abgesehen von der strengen Abgabefrist, welche die Auftraggeber dem Künstler gegeben haben. Man muss „immer wieder neu anfangen“, sagt Schnider und definiert nicht nur den Grundsatz seiner Kunst, sondern auch eines Lebens, denn die Krise, die man als Mensch und als Künstler erlebt, ist nur ein notwendiges Stadium zu etwas Höherem.

Credits

OT: „Albrecht Schnider – Was bleibt“
Land: Schweiz
Jahr: 2019
Regie: Rita Ziegler
Musik: Terry Riley, Colin Vallon
Kamera: Isabel Casez, Martina Radwann, Rita Ziegler

Bilder

Trailer

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Albrecht Schnider – Was bleibt
„Albrecht Schnider – Was bleibt“ ist eine überaus sehenswerte Dokumentation über den künstlerischen Prozess und die Notwendigkeit des Scheiterns für diesen. Anders als viele andere Künstlerporträts erhält man als Zuschauer die Möglichkeit des Verständnisses dieses oftmals mythologisierten Prozesses.
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