Kritik

Für das Leben eines Freundes Return to Paradise

„Für das Leben eines Freundes“ // Deutschland-Start: 18. Februar 1999 (Kino) // 21. Februar 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich sind Lewis McBride (Joaquin Phoenix), John Volgecherev (Vince Vaughn) und Tony Croft (David Conrad) beste Freunde, die ganz entspannt einen wundervollen Urlaub in Malaysia verbringen wollten. Diesen haben sie auch bis zum Letzten ausgekostet. Tony und John reisen am Ende dieser Zeit wieder in ihre Heimat New York, während Lewis zurückbleibt, um dort Orang-Utans zu retten. Womit die beiden Rückkehrer nicht gerechnet haben, war, dass die Ereignisse sich kurz nach ihrer Abreise überschlagen werden und Lewis in Gefangenschaft gerät. Grund dafür ist die Anzeige eines Fahrradbesitzers, dem die drei Jungs sein Eigentum nicht wieder zurückgebracht haben, woraufhin die Polizei bei einer Durchsuchung eine beachtliche Menge Drogen in Lewis’ Unterkunft gefunden hat. Nun müssen Tony und John zu ihrer Tat stehen, um Lewis zu retten, dem ansonsten der Tod droht. Doch werden sie sich selbst für lange Zeit in Gefangenschaft begeben, um ihren Freund zu retten?

In diesem packenden Filmdrama dauert es eine Weile, bis die Geschichte wirklich in Fahrt ist, doch heißt das keineswegs, dass hier mit langweiligen Anfangspassagen gerechnet werden muss. Vielmehr hat sich Regisseur Joseph Ruben bei seinem Remake des französischen Films Der Preis der Freiheit darauf konzentriert, die Figuren angemessen einzuführen und zu charakterisieren, um damit einen geschickten Bogen auf spätere Handlungen schlagen zu können. Daraus ergibt sich die Chance, einen dramatischen Spannungsbogen aufzubauen, der mit jeder weiteren Szene ansteigt, ohne so richtig jemals abzufallen.

Der Anblick des Abgrunds
Anfangs noch als unbedeutender Nebencharakter, entwickelt sich die Figur von Joaquin Phoenix (Joker) im Gesamtverlauf zu der wesentlichen Figur der Geschichte. Schon damals hat das Schauspielgenie bewiesen, was in ihm steckt, denn mit einer hervorragenden Performance visualisiert er die Dramatik seiner Situation bestens und verkörpert einen verrückten, bemitleidenswerten und gebrochenen Mann. Ausgemergelt und völlig am Ende seiner körperlichen Kräfte – von den psychischen ganz zu schweigen – spielt sich Phoenix also schon weit vor seiner nunmehr legendären Rolle in Gotham City in die Herzen des Publikums.

Fast schon das komplette Gegenteil davon zeigt Vince Vaughn dem Publikum. Irgendwie gelassen, desinteressiert und immer im Versuch, das Beste aus jeder Situation für sich herauszuholen, zeigt er ein recht unschönes Figurenbild, welches der Kombination aus mittelmäßigem Schauspiel und ungenügendem Drehbuch geschuldet scheint. Die Frage ist also: Kann Vince Vaughn einfach keine guten ernsten Rollen verkörpern oder hat seine Rolle jeglichen Charme schon im Drehbuch verloren gehabt? Seltsamerweise stellt die Storyline eben jene Figur zu großen Teilen in den Mittelpunkt der Handlung. Sowohl David Conrad, der dabei fast schon völlig untergeht, als auch Joaquin Phoenix werden in diesem Dreigestirn viel zu sehr vernachlässigt.

Ergreifende Geschichte
Doch sind die Darsteller eher austauschbare Marionetten – abgesehen natürlich von Phoenix, dessen Figur von kaum jemanden hätte besser dargestellt werden können – denn viel wesentlicher ist dieser simple, aber eben auch tiefgreifend dramatische Geschichte, die hinter den Schauspielern steht. In kürzester Zeit wird aus einer tollen Urlaubsgeschichte ein schreckliches Drama, welches nur noch durch einen atemraubenden Schluss getoppt werden kann und damit Fassungslosigkeit auf den Gesichtern der Zuschauer hinterlässt. Mutig wird hier mit realen Vorbildern gearbeitet, die wieder einmal zeigen wie schrecklich die Menschheit sein kann.

Zu eben jener Entwicklung gesellt sich zu dem ein persönlicher Konflikt, welcher sich wohl in den meisten Zuschauern aufbauen dürfte: Wie hätte man selbst reagiert? Wäre man für das Leben eines Freundes selbst ins Gefängnis gegangen, wo man diesen zudem kaum kennt und seit Jahren nichts mit ihm zu tun hatte? Es ist wunderbar, wenn Filme gesellschaftliche Fragen aufwerfen, die Grund zum ordentlichen Grübeln liefern. Doch gelingt dies selten so gut wie in diesem Werk, da die Voraussetzungen für den inneren Konflikt bestens geschaffen wurden.

Credits

OT: „Return to Paradise“
Land: USA
Jahr: 1998
Regie: Joseph Ruben
Drehbuch: Wesley Strick, Bruce Robinson
Musik: Mark Mancina
Kamera: Reynaldo Villalobos
Besetzung: Vince Vaughn, Anne Heche, Joaquin Phoenix, David Conrad, Vera Farmiga, Jada Pinkett Smith

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Für das Leben eines Freundes
4.17 (83.48%) 23 Artikel bewerten

Für das Leben eines Freundes
Vielmehr als ein Spielfilm, der eine dramatische Geschichte erzählt, hinterfragt dieses Werk unsere eigene Persönlichkeit und stellt den Zuschauer damit vor einen Spiegel, in den keiner so gerne hineinschauen möchte. Vince Vaughn zeigt sich als austauschbare Marionette, während Joaquin Phoenix brilliert. Trotz seines Alters ist "Für das Leben eines Freundes" noch immer aktuell und schafft es bis heute, die Zuschauer in Fassungslosigkeit zu versetzen.
8von 10

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