Kritik

Bloodshot

„Bloodshot“ // Deutschland-Start: 5. März 2020 (Kino) // 4. Juni 2020 (DVD/Blu-ray)

Nachdem US-Soldat Ray Garrison (Vin Diesel) erfolgreich eine Geisel befreien konnte, darf er mit seiner Frau (Talulah Riley) erst einmal in Italien Urlaub machen. Der Plan wird aber sogleich von Bösewicht Axe (Toby Kebbell) zunichte gemacht. Erst kidnappt der das Ehepaar, dann müssen beide das Zeitliche segnen. Ray jedoch wacht kurze Zeit später im Labor von Dr. Emil Harting (Guy Pearce) unversehrt wieder auf, jedoch ohne Erinnerung. Dieser hat ihn mit Hilfe von Nanorobotern nicht nur wieder zum Leben erweckt, sondern machte ihn gleichzeitig zu einem außergewöhnlichen Elitesoldaten. Als sich Ray langsam an sein altes Leben zu erinnern beginnt, gibt es für ihn nur noch eine Mission: Rache für den Tod seiner Frau.

Nach ziemlich erfolgreichem Reboot der Valaint Comics 2012 versucht das Label nun, neben den Boxoffice-Giganten Marvel und DC seine etwas raueren Superhelden auch auf der Leinwand zu etablieren. Bloodshot, ein Charakter der bereits 1992, relativ kurz nach Gründung des Verlags durch Jim Shooter (ehemaliger Chief Editor bei Marvel) und Steven Massarsky, seinen ersten Auftritt hatte, zählt zu den erfolgreichsten Figuren des Labels. Zusammen mit denen der Harbinger Comicbuchreihe wollte man damit den Weg zu einem neuen Cinematic Universe ebnen. Ob das allerdings alles noch wie geplant über die Bühne gehen kann wird sich zeigen. Denn die Rechte für die einst vorgesehenen Harbinger Filme gingen kürzlich an Paramount. Nun sind ja konkurrierende Studios für Superheldenfilme bekanntlich nicht die optimale Lösung, wie es sich schon mehrfach in der Vergangenheit bewahrheitet hat. Ob man also nach Bloodshot auf ein Sequel oder gar ein ganzes  neues Universum hofft oder nicht, der Film von Regisseur David Wilson ist zumindest für den Moment unterhaltsamer als gedacht.

Ein Film wie ein Spiel
Wilson, der hier sein Spielfilmdebüt abliefert, war bisher vornehmlich im Videospielsektor tätig. Und das merkt man Bloodshot tatsächlich über weite Strecken auch an. Ein paar gut gewählte Kameraeinstellungen und einige Voice-over Kommentare verstärken den Eindruck immer wieder. Gleich die Eingangssequenz, die uns zunächst einmal mit nach Mombasa auf eine Mission nimmt, könnte beispielsweise durchaus auch aus einem Shooter stammen. Entgegen der Annahme geht es erstaunlich ruhig weiter. Fast ernüchternd ruhig. Denn mit Vin Diesel (Fast & Furious 8) in der Hauptrolle des Soldaten Ray Garrison hätte man dem Publikum allein schon damit ein klein bisschen mehr Futter an die Hand geben können. Stattdessen bekommt man nach ein paar gekonnten Schusswechseln und ein wenig Wackelkamera Hochglanzbilder des folgenden Italienurlaubs, wo einem fast penetrant der Ehering seiner Frau auf die Nase gedrückt wird.

Allein anhand dieser Inszenierung riechen selbst Nicht-Kenner der Vorlage schon meilenweit gegen den Wind, dass hier irgendetwas faul ist. Wenn dann auch noch Toby Kebbell (Sieben Minuten nach Mitternacht, Fantastic Four), in Schlappen, umringt von Schweinehälften zu „Psycho Killer“ durch die Kühlzelle tanzt, um nur kurz darauf Ray und seine Frau von der Bildfläche zu pusten, ist wohl auch das letzte Klischee vollends bedient und man fühlt sich in seiner Vorahnung bestätigt. Alles neu ist das alles nun wahrlich nicht. Auf das Spiel sollte man sich aber dennoch einlassen, denn der Twist, der folgt, ist in dem Ausmaß nicht unbedingt vorhersehbar und auch deshalb gelungen, da er wenigstens auch erklärt, warum man mit dem relativ unspektakulären Einstieg Vorlieb nehmen muss.

Spaßig, aber nicht spektakulär
Wenig spektakulär wird es leider auch mit den Großteil der folgenden Actionsequenzen. Effekttechnisch zwar bis auf wenige Ausnahme durchweg gut gelungen, fehlt es einfach ein wenig an Biss, Tempo und außergewöhnlichen Momenten, dich sich ins Gedächtnis brennen. Denn auch wenn man atmosphärisch tatsächlich gut dabei ist und man sich in manch einer Szene gar an einen Suspense Sci-Fi à la Minority Report erinnert fühlt, so scheinen die Macher fast vergessen zu haben, dass sie mit Bloodshot einen quasi unsterblichen Muskelprotz vor der Kamera haben. So richtig zu Geltung kommen die eigentlich ziemlichen coolen Nanites (die Nanobots im Blut die für die Superkräfte sorgen) tatsächlich fast nie. Dass sich die Miniroboter auch in sämtliche Computernetzwerke hacken können, ist zwar ein nettes Gimmick, aber nicht unbedingt das, weswegen man Bloodshot vorrangig sehen will. Dass die Nanites den Antihelden hingegen im Nu wieder zusammenflicken können, ist da um einiges spannender und sorgt sogar für eine der besten Szenen des ganzen Films. Wenn nämlich nicht nur ein paar Finger in Handumdrehen den Weg zurück an ihren Besitzer finden, sondern auch das halbweggefetzte Gesicht wieder seine alte Form zurück erlangt, ist der Kampf von Bloodshot und seinen Widersachern im Mehlstaub verhangenen Autobahntunnel ebenso beeindruckend wie fesselnd.

Die Balance zwischen Anfüttern, um genug Interesse an einer Fortsetzung zu wecken, und ausreichend detaillierter Originstory, um die Charaktere zu Sympathieträgern zu machen, verfehlt Bloodshot aber schlussendlich. Dafür sind die Figuren, auch wenn sie wie der Sidekick Wilfred Wigains ein paar nette Oneliner raushauen, nicht ganz so prägnant, wie man es sich gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz kann man an dem soliden Action Suspense Sci-fi Superheldenspektakel Gefallen finden und damit kurzweilig Spaß haben.

Credits

OT: „Bloodshot“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Dave Wilson
Drehbuch: Jeff Wadlow, Eric Heisserer
Vorlage: Kevin VanHook, Bob Layton, Don Perlin
Kamera: Jacques Jouffret
Musik: Steve Jablonsky
Besetzung: Vin Diesel, Elza González, Guy Pearce, Talulah Riley, Toby Kebbell, Lamorne Morris, Siddharth Dhananjay, Sam Heughan, Alex Hernandez, Jóhannes Haukur Jóhannesson

Bilder

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Bloodshot
Überraschend unterhaltsame, wenngleich auch unentschlossene Comicbuchadaption, der deutlich mehr Ecken und Kanten gut getan hätten um sich noch mehr von den all zu oft glattgebügelten Superheldenfilmen abzuheben. Vielmehr als gutes Mittelmaß springt letztendlich, trotz visueller Spielereien und eines fast unkaputtbarem Vin Diesels, nicht bei raus.
6von 10

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