Scharfe Küsse für Mike Forster City of Fear
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Scharfe Küsse für Mike Forster

Kritik

Scharfe Küsse für Mike Forster City of Fear
„Scharfe Küsse für Mike Forster“ // Deutschland-Start: 28 October 1966 (Kino) // 21. Februar 2020 (DVD)

Ein wichtiges Interview bringt den US-amerikanischen Reporter Mike Forster (Paul Maxwell) nach Budapest. Auf seiner Zwischenstation in Wien wird er am Flughafen von einem unbekannten Mann (Pinkas Braun) angesprochen, der ihn bittet, ein wichtiges Medikament nach Ungarn zu schmuggeln, da Forster als amerikanischer Staatsbürger wenig Aufsehen errege. Nach anfänglicher Skepsis nimmt Forster schließlich an, doch verliert er sie Rufnummer, die ihm der Fremde gegeben hat und kann nun niemanden kontaktieren, der ihm die Medikamente wieder abnimmt. Jedoch ist dies ein kleines Problem für Forster, denn in seinem Hotelzimmer findet er den eigentlichen Inhalt des Päckchens heraus: zwei amerikanische Pässe ausgestellt auf einen Mann und eine Frau, die offensichtlich aus dem Ostblock fliehen wollen. Wenig später nimmt auch schon die Frau, Illona (Marisa Mell), Kontakt zu Forster auf und arrangiert mit ihm die Übergabe der Dokumente. Mittlerweile hat der Reporter aber nicht nur die Aufmerksamkeit Illonas auf sich gezogen, sondern auch der Agenten, die ihr auf Schritt und Tritt folgen und daher ahnen, was der Amerikaner mit sich trägt.

Der amerikanische Held
Nach dem Erfolg der James Bond-Reihe nach James Bond – 007 jagt Dr. No nahm die Welle der Geschichte rund um das Thema Spionage in den 60er Jahren deutlich zu. So schwimmt auch der Film des Regisseurs Peter Bezencenet im Fahrwasser dieses Erfolgs mit, allerdings mit recht bescheidenem kritischen und kommerziellem Erfolg.

Zunächst einmal offenbart sich die offensichtliche Parallele zu den Missionen des britischen Doppelnull-Agenten in der Anlage des Protagonisten. Zwar ist der von Paul Maxwell gespielte Mike Forster kein Spion und hat erst recht keine Lizenz zum Töten, begegnet der Welt und vor allem den zahlreichen Frauen, die ihm begegnen, jedoch mit der gleichen Mischung aus süffisantem Charme und Chauvinismus, wie man sie von James Bond her kennt. Während man aber bei Bond, je nach dem, von welchem Film der Reihe man spricht, bisweilen den Vorwurf anbringen kann, die Frauen seien nur hübsches Beiwerk, so sind diese im Falle von Bezencenets Film zumindest insofern essentiell, als das der Held auf ihre Hilfe in vielerlei Hinsicht angewiesen ist.

Darüber hinaus verweist das Skript aus der Hand Peter Welbecks auf die politischen Verwicklungen des Ost-West-Konflikts hin, zu der Zeit, in welcher der Film spielt. Die teils naive Neugier eines Mike Forsters, gepaart mit dessen Abenteuerlust, sind gerade innerhalb dieses zeitlichen Kontexts äußerst prekär. Nichtsdestotrotz ergeben sich innerhalb der Handlung viele logische Löcher, beispielsweise wenn Forster auf der einen Seite Vorsicht walten lässt im Umgang mit den Behörden oder seiner Bekanntschaften, aber dann wiederum fähig ist, sich blindlings in ein Abenteuer zu stürzen, deren Akteure mehr als fragwürdig erscheinen. Der amerikanische Held, der immer über allem steht, wirkt bisweilen reichlich hilflos und gar einfältig.

Das Element der Überraschung
Dennoch sind die zahlreichen Verstrickungen der Handlung durchaus interessant inszeniert und geschickt in den Verlauf der Geschichte implementiert. Vielsagend ist, wenn sich eine (natürlich) weibliche Bekanntschaft Forsters lobend über den wechselnden Rhythmus von „Zigeunermusik“ äußert, während Forster dem nichts abgewinnen kann. Als Mann der Fakten und der Kontrolle fühlt er sich wohl bei Dingen, die er kennt oder die ihm bekannt vorkommen, wirkt aber verloren innerhalb einer Geschichte, die immer nebulöser und komplizierter zu werden droht. Einzig und allein die Auflösung dieser Geschichte wirkt etwas plump und wenig überzeugend.

Visuell legen Bezencenet und Kameramann Martin Curtis vor allem wert auf den Charme der ungarischen Hauptstadt, deren Straßen, Menschen und Kultur immer mal wieder eingefangen werden. Mal sieht man die touristische Seite durch die Augen des amerikanischen Helden, aber auch die dunklen, undurchschaubaren Gassen, eine Metapher für die bedrohlichen, zeitpolitischen Umstände.

Credits

OT: „City of Fear“
Land: UK
Jahr: 1965
Regie: Peter Bezencenet
Drehbuch: Peter Welbeck
Musik: Johnny Douglas
Kamera: Martin Curtis
Besetzung: Paul Maxwell, Terry Moore, Marisa Mell, Albert Lieven, Pinkas Braun

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„Scharfe Küsse für Mike Forster“ ist ein solider, teils spannender Spionagekrimi. Zwar darf man nicht allzu viel Tiefgang von Peter Bezencenets Film erwarten, aber durch seine Darsteller, einige inszenatorische Einfälle sowie den Charme Budapests finden sich viele sehr unterhaltsame Passagen.
6
von 10