Kritik

Deadlock

„Deadlock“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 1970 (Kino) // 6. März 2009 (DVD)

Mitten im Nirgendwo und umgeben von der Wüste liegt die Geisterstadt Deadlock, deren einzige noch verbleibenden Einwohner der ehemalige Aufseher Charles Dump (Mario Adorf) und zwei Frauen sind, die Prostituierte Corinna (Betty Segal) und ihre Tochter Jessy (Mascha Elm-Rabben). Ihr karges Dasein wird gestört, als Charles in der Wüste auf den verwundeten Kid (Marquard Bohm) trifft, der nach einem Raubüberfall in die Wüste flüchten musste. Dies tut Charles aber weniger aus Nächstenliebe, sondern weil er einen Blick auf den Geldkoffer geworfen hat, den Kid mit sich trägt. So versorgt er Kid über die nächsten Tage, behandelt dessen Wunden und droht immer wieder ihn zu töten, kann sich aber nie dazu durchringen. Jedoch wendet sich das Blatt zu Kids Gunsten als dessen Partner Sunshine (Anthony Dawson) auftaucht, der seinen Anteil an dem Geld haben will. In Charles, dessen Absichten er leicht durchschaut, hat er ein Opfer für seine Bosheiten gefunden und fängt an, ihn immer wieder zu quälen. Dann allerdings zeigen sich auch erste Risse in der Partnerschaft von Sunshine und Kid, sodass eine Konfrontation unausweichlich scheint.

Ein schlechtes Herz
Während man den Genrefilm in Deutschland abseits von leichtgewichtigen Komödien und Pennälerfilmen vergebens sucht, haben sich gerade Filmemacher wie Roland Klick in ihrer langen Karriere daran gemacht, das Genre für sich zu entdecken und es mit Leben zu erfüllen. Klick bewies dies nicht zuletzt mit seinem Spätwestern Deadlock, für dessen Produktion er sich einem hohen finanziellen Risiko aussetzte und den er unter Bewachung der israelischen Armee in der Wüste Israels drehte. Gerade die Mischung aus Versatzstücken des Westerngenres und psychedelischen Elementen, vor allem durch den hypnotischen Soundtrack der Band Can, gelingt hier ein eindrucksvoller Film, der heutige Zuschauer etwa an die Filme des Regieduos Hélène Cattet und Bruno Forzani (Leichen unter brennender Sonne) denken lässt.

Generell besticht die Inszenierung Klicks durch ihre Einfachheit und ihren Minimalismus. Nur wenig braucht dieser Film, um ein Szenario zu errichten, welches direkt in das, wie es im Film heißt, „schlechte Herz“ dieses Ortes und dieser Menschen Einblick zu geben. Niemand ist hier Sympathieträger und getrieben von der Gier nach Geld einerseits, aber auch einem tiefen Trieb nach der Demütigung anderer, bevorzugt der Schwachen, was man nicht zuletzt an der Behandlung Charles durch den grausamen Sunshine sehen kann. Mehr als einmal wird die Frage in den Raum geworfen, warum diese Figuren nicht fliehen, gerade weil sie mehr als genug Gelegenheiten zur Flucht haben. So ist es dann nicht die Gier nach dem Geld, sondern die Lust an der Verzweiflung und dem Schmerz des Anderen, der diese Männer antreibt.

Im Englischen bezeichnet „deadlock“ eine Situation, aus der es keinen Ausweg mehr gibt, eine Sackgasse oder eine Blockung. In Klicks Film ist dies zum einen die Einöde, die Charles mittlerweile ein Zuhause geworden ist, und zum anderen ist dieser Kreis aus Habgier, Sadismus und Grausamkeit, der Charles, Kid und Sunshine aneinander kettet, ähnlich den drei Hauptcharakteren in Sergio Leones Zwei glorreiche Halunken.

Das Ende der Zivilisation
Das Motiv der Wüste ist von jeher innerhalb des Western synonym für einen Raum, in dem die Werte der Zivilisation nicht gelten. „Ich habe Polizeigewalt hier“, proklamiert Charles an einer Stelle in Bezug auf seine reichlich absurde Position als Aufseher einer nun praktisch verlassenen Stadt. Doch das Recht hat hier keinerlei Geltung mehr, vielmehr das Recht des Stärkeren und die Wüste an sich, die sich langsam aber sicher jenes von den Menschen einst bewirtschaftete Gebiet wieder zurückholt. So sind passenderweise der Rost, der Sand und der Dreck die visuellen Hauptthemen dieses Films, der in einem fast apokalyptisch anmutenden Finale den Untergang des letzten Rests von Zivilisation feiert.

Credits

OT: „Deadlock“
Land: Deutschland
Jahr: 1970
Regie: Roland Klick
Drehbuch: Roland Klick
Kamera: Robert von Ackeren
Musik: Can
Besetzung: Mario Adorf, Anthony Dawson, Marquard Bohm, Mascha Elm-Rabben

Trailer

Filmfeste

Cannes 1971

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Deadlock
„Deadlock“ ist ein knochentrockener Spätwestern. Eindrucksvoll inszeniert, gespielt und fotografiert ist Roland Klicks Films absolutes Pflichtprogramm für all jene, die Freunde des Genres sind und sich mit den zynischen sowie psychedelischen Untertönen des europäischen Western anfreunden können.
9von 10

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